VOGELSCHUTZ 1-20

K U R ZME L DUNG E N Der wohl bekannteste bayerische Brachvogel ist tot Die Schnepfingerin, ein vom LBV besendertes Brachvogel- Weibchen und vielen Leser*innen der Süddeutschen Zeitung durch die Serie „Dem Schnabel nach“ bekannt, ist tot. Seit 2018 begleitete die Bayern-Redaktion der SZ sie durch das Jahr. Im Rahmen eines bayernweiten LBV-Brachvogel-Tele - metrieprojekts lieferte uns die Schnepfingerin bisher nie gesehene Einblicke in das Bewegungsverhalten eines in Bayern brütenden Brachvogels. Am 15. März brach die Schnepfingerin aus ihrem ange - stammten Überwinterungsgebiet im Nationalpark Coto de Doñana in Südspanien auf, um in ihr Brutgebiet im Königs- auer Moos zu fliegen. Letztes Jahr legte sie diese Strecke im Direktflug in nur wenigen Tagen zurück. Nun zeigten die Daten nach vier Tagen Zugzeit jedoch Ausreißer. Nachdem sie Estopiñán del Castillo, einen Ort in den Vorpyrenäen, 150 Kilometer nordwestlich von Barcelona, passiert hatte, bog sie laut GPS-Sender dann nach Süden ab und flog 20 Kilometer Luftlinie zu einem Bauernhof in dem Ort Al- campell. Die Landschaft ist einsam, waldreich und zer- klüftet. Ein eher untypischer Standort für eine länge- re Rast. Seither gibt es keine weiteren Bewegungen mehr. Auch die anderen Parameter, die uns der Sen- der überträgt, wie Aktivität und Temperatur, zeigen an, dass der Vogel eigentlich nicht mehr leben kann. Der abrupte Richtungswechsel und die Begleitdaten lassen deshalb stark vermuten, dass die Schnepfingerin, Zerstörung eines geschützten Lebensraums Zu besonderen Formen der Kalktuffquellen gehören Sinterterrassen und auch die berühmten Steinernen Rinnen. Ende November 2018 meldete ein anonymer Hinweisgeber die Zerstörung eines Kalktuffbaches bei Dittenheim (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) auf einer Länge von fast hundert Metern mit fatalen Konsequenzen für die dort lebende Tier- und Pflanzenwelt. Quellen sind gesetzlich geschützt. Pikanterweise waren bereits vor gut zehn Jahren just an die - sem Bach Abgrabungen festgestellt worden. Der erneute Versuch lässt keine andere Schluss- folgerung zu, als dass hier mutwillig gehandelt wurde. Aufgrund des massiven Eingriffes und der Zerstörung des hochsensiblen Ökosystems Kalktuffquelle erstattete der LBV Anzeige ge - gen Unbekannt. Anfang 2020 wurde das Verfahren gegen einen Gemeindemitarbeiter wegen Geringfügigkeit eingestellt. Auch das Verfahren gegen den für die Abgrabung verantwortlichen Bürgermeister wurde gegen eine Geldauflage von 1.000 Euro eingestellt. Eva Schubert Gezwitscher Umweltpolitischer Aschermittwoch Traditionell luden BN und LBV zum Umweltpolitischen Aschermittwoch nach Nieder- bayern. Die Naturschützer kündigten an, auf eine Umsetzung der Maßnahmen des erfolgreichen Volksbegehrens von 2019 zu pochen. Der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer zeigte sich dabei optimistisch: „Volksbegehren und Begleitgesetz haben das Zeug dazu, den Rückgang der Biologischen Vielfalt, das Verschwinden unserer Vögel und Insekten aufzuhalten und rückgängig zu machen. Jetzt brauchen wir Politikerin - nen und Politiker, die das Zeug dazu haben, das Volksbegehren konsequent umzu- setzen. Jetzt brauchen wir Politikerinnen und Politiker, die Wort halten. Der LBV wird ganz genau hinschauen und dafür kämpfen, dass aus dem besten Naturschutzgesetz Deutschlands der beste Naturschutz in Deutschland wird.“ Ganz in der Tradition des Politischen Aschermittwochs fehlte es aber auch nicht an kernigen Formulierungen. die auch in Spanien als Großer Brachvogel streng geschützt ist, abgeschossen wurde. Wir verständigten deshalb umge- hend die spanische Naturschutzwacht und übermittelten die wichtigsten Fakten. Es bleibt aktuell abzuwarten, ob sich der Wilderei-Verdacht bestätigt. Falls ja, wäre dies schon der zweite Fall einer Straftat an dieser streng geschützten Art bei unseren besenderten Vögeln. Mehr Informationen über das LBV-Brachvogelprojekt und zur aktuellen Entwicklung finden Sie unter: www.lbv.de/telemetrie-brachvogel . VOGELSCHUTZ 2|20 7

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