FOTOS: DENNISJACOBSEN - STOCK.ADOBE.COM, ZDENEK TUNKA, CABS THEMA Unverzichtbare Rastgebiete Ein erfolgreicher Zug hängt davon ab, dass genügend Nahrung in den Rastgebieten vorhanden ist. Damit wir uns für den Erhalt dieser Rastgebiete einsetzen können, müssen wir wissen, wo und in welchem Abstand zueinander sie sich befinden und wie viel Fett die einzelnen Arten für ihre Zugetappen benötigen. Dies ist heute noch wichtiger, weil in einer zunehmend veränderten Landschaft geeignete Rastplätze knapp werden. Viele arktische Watvögel wie Knutt oder Alpenstrandläufer verbringen den nördlichen Winter in Afrika. Für sie ist das Wattenmeer der Nordsee eine einzigartige und unverzichtbare Drehscheibe ihres Zuges. Etwa 15 Millionen Vögel halten sich hier jeden Herbst und jedes Frühjahr auf ihren Wanderungen zwischen den arktischen Brutgebieten und den Wintergebieten in Afrika auf. Für viele Arten, die aus Europa nach Westafrika südlich der Sahara ziehen, sind andere Rastgebiete überlebenswichtig. Diese liegen in Nordwestafrika, im Maghreb. Dort erfolgt im Herbst – unmittelbar vor der Überquerung der Sahara – die hauptsächliche Fettdeposition und im Frühjahr das „Nachtanken“ nach der Überquerung der Sahara, ohne das viele Arten ihre Brutgebiete nicht erreichen können. Allerdings sind die dortigen Rastgebiete heute durch Landverbrauch und Intensivierung der Landwirtschaft massiven ökologischen Veränderungen ausgesetzt. Der Verlust von Rastplätzen ist eine maßgebliche Ursache für den Rückgang vieler Zugvogelarten. Auch die afrikanischen Überwinterungsgebiete sind bedroht. So nimmt mittlerweile der Bestand von Zugvögeln, die in Afrika südlich der Sahara überwintern, durchschnittlich stärker ab als der von Zugvögeln, die innerhalb Europas ziehen, oder als der von Standvögeln. Die Fernzieher sind also zusätzlichen ökologischen Gefährdungsfaktoren entlang ihrer Zugwege und in ihren Überwinterungsgebieten ausgesetzt. Jagd und illegale Verfolgung Hinzu kommt die Verfolgung durch den Menschen. Insbesondere im Mittelmeergebiet gilt sie oft als maßgebliche Gefährdung für ziehende Arten. Eine Studie von BirdLife International schätzt, dass im Mittelmeergebiet jährlich bis zu 36 Millionen Zugvögel durch Wilderei sterben, vor allem im östlichen Mittelmeerraum. Doch nicht nur die illegale Jagd macht vielen Zugvogelarten zu schaffen. In manchen Ländern dürfen sie auch ganz legal getötet werden. Eine jüngste Auswertung zur legalen Vogeljagd in Europa schätzt die Zahl jährlich geschossener Vögel auf mehr als 50 Millionen, darunter beispielsweise 1,4 Millionen Turteltauben. Die Verfolgung von Zugvögeln durch den Menschen ist also bei manchen Arten durchaus ausschlaggebend für deren Bestandsrückgang. Doch bei vielen anderen Arten ist es nicht die Jagd, die ihren Rückgang bedingt. Denn die Mehrzahl von ihnen zieht nicht durch jene Gebiete am östlichen Mittelmeer, wo Massenjagd stattfindet, sondern gelangt über das westliche Mittelmeer in die westafrikaniVon Wilderern auf Malta gefangenes Bluthänfling-Weibchen 16 LBV MAGAZIN 3|26 Nicht jeder Vogel ist ein Zugvogel. Arten, die das ganze Jahr über in demselben Gebiet bleiben, nennt man Standvögel. Ziehende Vogelarten dagegen wechseln zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet. Je nach Entfernung unterscheidet man zwischen Kurz- und Mittelstreckenziehern, die einige hundert bis wenige tausend Kilometer zurücklegen, so zum Beispiel von Deutschland bis in den Mittelmeerraum, und Langstreckenziehern. Sie fliegen viele tausend Kilometer weit, etwa von Bayern bis in Überwinterungsgebiete südlich der Sahara. Wer zieht wann und wohin?
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