LBV magazin 3-26

FOTOS: ZDENEK TUNKA, FRANK DERER Vögel wie zum Beispiel viele Finkenarten orientieren sich an Landmarken wie Küsten, Flüssen und Gebirgen oder nutzen den Sonnenstand. Nachts ziehende Arten wie Rotkehlchen oder Gartengrasmücken dagegen greifen auf die Gestirne und das Magnetfeld der Erde zurück. Die Wahrnehmung des Magnetfeldes geschieht im Auge mittels magnetsensitiver Moleküle. Fett als Treibstoff Die energetischen Kosten während des Zuges sind immens. Insbesondere solche Arten, die große ökologische Barrieren wie Meere und Wüsten überwinden müssen, benötigen enorme Energiereserven. Den Treibstoff für den aktiven Flug, also die Energie, liefert hauptsächlich Fett. Ohne entsprechende Fettreserven sind lange Flüge nicht möglich. Eine der auffälligsten Anpassungen vieler Zugvogelarten ist eine ausgeprägte Zunahme des Körperfetts, die sogenannte zugzeitliche Fettdeposition. Manche Arten wie zum Beispiel der Steinschmätzer verdoppeln dabei ihr Körpergewicht. Sie ziehen aus ihrem Brutgebiet in Nordostkanada in einem einzigen Nonstop-Flug über den Atlantik nach Westeuropa und von hier weiter nach Westafrika. Ebenso bereitet sich die Gartengrasmücke auf ihren Zug über die Sahara vor. Die zugzeitliche Fettdeposition ist ebenfalls angeboren. Auch unter konstanten Haltungsbedingungen werden solche Zugvögel immer dann fett, wenn sie im Freiland ziehen würden. Männlicher Buchfink Weiblicher Buchfink Männchen und Weibchen, aber auch Jung- und Altvögel, ziehen häufig zu unterschiedlichen Zeiten und überwintern teilweise auch an unterschiedlichen Orten. Der Buchfink hat seinen wissenschaftlichen Namen (der „ledige Fink“) wahrscheinlich daher, dass im Winter bei uns fast nur Männchen zu beobachten sind. In der Regel ziehen Buchfink-Weibchen weiter als die Männchen. Bei manchen Arten, in Deutschland zum Beispiel bei der Amsel, zieht ein Teil der Brutvögel nicht weg, sondern überwintert vor Ort, während der andere Teil wegzieht. Ein Teil der Löffler, die in den Niederlanden brüten, überwintert in Portugal, der andere Teil in Westafrika. Dies macht einen Unterschied von knapp 2.500 Kilometern pro Zugstrecke aus. Der Vorteil solch unterschiedlichen Zugverhaltens ist, dass sich durch versetzte Ankunftszeiten im Frühjahr in den Brutgebieten starke Schwankungen in den Umweltbedingungen besser abfedern lassen. Allerdings bedeutet die Vielfalt der Überwinterungsgebiete und Zugzeiten innerhalb einer Art auch, dass z.B. Männchen und Weibchen unterschiedlichen Gefahren auf dem Zug oder in den Überwinterungsgebieten ausgesetzt sein können. Unterschiede im Zugverhalten LBV MAGAZIN 3|26 15

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