FOTOS: WILLIAM VALLÉE - STOCK.ADOBE.COM, ZDENEK TUNKA, DR. CHRISTOPH MONING THEMA te Methode, um den Vogelzug zu untersuchen. Heute ermöglichen moderne Trackingmethoden wie GPS-Sender, Satellitentechnik und Fahrtenschreiber deutlich präzisere Einblicke. Sie zeigen nicht nur den exakten Zugverlauf des einzelnen Vogels, sondern auch seine Fluggeschwindigkeit, Zughöhe und sogar das Verhalten während des Fluges. Innerer Antrieb Junge Gänse, Kraniche oder Störche folgen bei ihrem ersten Zug den Eltern. Junge Rotkehlchen dagegen ziehen – wie die meisten Zugvögel – alleine und nachts. Woher weiß nun ein junges Rotkehlchen oder gar ein junger Kuckuck, der seine Eltern nicht einmal kennt, wann es Zeit ist, zum Zug aufzubrechen? Wie findet er sein Winterquartier und den richtigen Zugweg dorthin? Lange Zeit herrschte die Annahme, dass der Vogelzug unmittelbar durch Umweltfaktoren ausgelöst wird. So wurde beispielsweise die massenhafte Winterflucht von Buchfinken durch das Auftreten von Kaltfronten oder Schneefall erklärt. Ganz anders ist dies jedoch bei den Langstreckenziehern, die in den Tropen überwintern, wie Rauchschwalbe, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper oder Gartengrasmücke. Sie verlassen ihre Brutgebiete bereits im Sommer, wenn noch ausgezeichnete Umweltbedingungen herrschen und nicht erst, wenn es kalt wird oder die Nahrung knapp wird. Der Grund dafür ist ein „angeborener innerer Kalender“, der ihnen den Zeitpunkt zum Aufbruch vorgibt. Dies wurde entdeckt, als einige junge Zugvögel von Hand aufgezogen und unter kontrollierten Bedingungen gehalten wurden. Ihr Verhalten entsprach dem von frei lebenden Vögeln: Sie waren im Käfig nur dann nachts aktiv, als Ausdruck ihres nächtlichen Zuges, wenn sie auch im Freiland gezogen wären. Die Intensität der nächtlichen Zugunruhe eines Vogels wird auch durch die Entfernung bestimmt, die er zurückzulegen hat. Arten wie das Rotkehlchen, die nur sehr kurze Strecken ziehen, zeigen entsprechend wenig Zugunruhe, die von Deutschland aus nach Westafrika ziehenden Arten dagegen viel. Werden Vögel in runden Käfigen gehalten, versuchen sie, den Käfig in der Richtung zu verlassen, die sie im Freien einschlagen würden. Auch die Zugrichtung ist also angeboren, sodass erstmals ziehende, noch unerfahrene Jungvögel quasi automatisch ihre Winterquartiere erreichen: Sie fliegen so lange in die „angeborene“ Richtung, wie ihnen dies ihr inneres Zugzeitprogramm vorgibt, und erreichen so exakt ihr Ziel. Die richtige Richtung finden sie mithilfe sogenannter biologischer Kompasse. Am Tag ziehende Trotz einzelner anderslautender Erklärungsversuche und Beobachtungen glaubte man in Europa lange, dass Zugvögel am Grund von Gewässern überwintern. Es gibt sogar einen Holzschnitt, auf dem dargestellt ist, wie Eisfischer Schwalben aus dem Wasser holen. Die Annahme wurde wohl dadurch gestützt, dass sich Rauchschwalben im Herbst und Frühjahr in Schilfgürteln sammeln. Konkrete Hinweise auf ein „sehr entferntes Winterquartier“ lieferte 1822 der sogenannte Rostocker Pfeilstorch: Nachdem ein Weißstorch, in dessen Hals ein etwa 80 Zentimeter langer Stock steckte, tagelang die Neugier der Bevölkerung geweckt hatte, wurde er geschossen, präpariert und untersucht. Der Stock stellte sich als afrikanischer Jagdpfeil heraus, ein Beleg dafür, dass der Storch den Winter in Afrika verbracht hatte. Vom Schwalbenfischen Rauchschwalbe 14 LBV MAGAZIN 3|26 Auch Weißstörche ziehen teilweise in sehr großen Gruppen.
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