FOTOS: FRANZISKA BACK (2) Hinter dem einstigen Torfstich fällt das Moor ab und beginnt sich zu zersetzen. Renaturierungseinsatz mit Bagger und Motorsäge Wie ein Schwamm: Torfmoose speichern große Mengen Wasser. geht’s ja schon richtig voran“, sagt sie und strahlt ihren Mitstreiter Manfred Kinberger an. „Ja, der andere Damm ist schon fertig. Der Baggerfahrer weiß einfach, was er macht“, entgegnet dieser und beobachtet, wie die Baggerschaufel den Stamm Stück für Stück tiefer in den weichen Torf drückt, als wäre sie ein Hammer und der massive Stamm ein Nagel. Eine Landschaft mit Geschichte Das Königsdorfer Weidfilz ist Teil des größten Hochmoorkomplexes der schwäbisch-bayerischen Hochebene. Entlang der sogenannten Tölzer Moorachse reihen sich die Moore des Landkreises wie an einer Kette über rund 30 Kilometer vom Kochelsee im Süden bis nach Deining im Norden. Die Landschaft erzählt eine lange Geschichte. „Hier sieht man richtig, wo der Torf mal abgestochen wurde“, sagt Sabine Tappertzhofen und zeigt auf eine Kante, hinter der der Boden plötzlich etwa einen Meter abfällt. Dieses Loch gewährt einen Blick in eine andere Zeit. Was hier fehlt, ist Torf. Über Jahrzehnte wurde er im Weidfilz abgebaut. Das hat nicht nur das Aussehen des Moores verändert, sondern es auch aus dem Gleichgewicht gebracht. Moore sind von Natur aus nass. Um an den Torf zu gelangen und die Flächen für den Menschen nutzbar zu machen, wurden sie jedoch großflächig entwässert. Dafür zog man ein Netz aus Entwässerungsgräben durch die Fläche, die das Wasser gezielt ableiteten – ein Eingriff, der bis heute nachwirkt. Das Moor trocknet aus. Der Torf, der über Jahrtausende unter Luftabschluss entstanden ist, kommt mit Sauerstoff in Kontakt und beginnt sich zu zersetzen. Dabei wird Kohlenstoff freigesetzt, der zuvor im Boden gespeichert war. Gleichzeitig verändert sich die Landschaft sichtbar. Der Boden sackt ab, verliert an Höhe, wird instabil. Was einst über Jahrtausende gewachsen ist, verschwindet. Um diesen Prozess zu stoppen, muss das Wasser zurück ins Moor. Genau daran arbeiten Sabine Tappertzhofen und ihre Mitstreiter dort, wo der Bagger Baumstämme in die Gräben rammt. Nicht jeder mag es nass „Der Effekt wird morgen schon sichtbar sein, dann ist der Graben wahrscheinlich komplett voll“, sagt Sabine. „Das fasziniert mich besonders am Moor: Wo das Wasser herkommt und wohin es geht.“ Die studierte Biologin leitet die Geschäftsstelle des LBV im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Seit vielen Jahren setzt man sich hier für die Renaturierung der Moore in der Region ein – insbesondere für das Weidfilz. „Jedes Moor braucht jemanden, der sich darum kümmert. Und beim Weidfilz fühlen wir uns als Kümmerer“, erklärt sie. Die Aufgaben gehen dabei weit über die reine Renaturierung hinaus. „Wenn es nur um die fachlich gute Arbeit ginge, wären wir sicherlich schon weiter“, sagt die 62-Jährige und schmunzelt. Doch längst nicht alle Flächen gehören dem LBV. Auch nicht die, auf der heute gearbeitet wird. Dutzende EigenLBV MAGAZIN 2|26 21
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=