LBV magazin 2-26

Ganz anders die Regenwassermoore. Sie entstanden meist aus Grundwassermooren, bei denen die fortwährende Torfbildung dazu geführt hat, dass die Pflanzen das Grundwasser nicht mehr erreichen können und ausschließlich auf das Regenwasser angewiesen sind. Sie sind dem Grundwasser regelrecht entwachsen, was aber nur dort funktioniert, wo die Niederschläge hoch und die Verdunstung gering ist. Nur ganz wenige Pflanzenarten können ausschließlich von Regenwasser, das kaum Nährstoffe enthält, leben. Und Regenwassermoore haben noch eine weitere Besonderheit: Sie sind durch den Stoffwechsel der Torfmoose extrem sauer. Daher wurden Regenwassermoore nach der Entwässerung auch nur selten als Ackerland genutzt. Stattdessen wurden sie zur Brenntorfgewinnung abgegraben, für die Gewinnung von Blumenerde abgefräst, mit Fichten aufgeforstet oder zur Streunutzung gemäht. Die Gefahren entwässerter Moore All das führte in der Regel dazu, dass zumindest die oberen Schichten des Torfs nicht mehr wassergesättigt sind, mit Sauerstoff in Kontakt kommen und durch die mikrobielle Tätigkeit abgebaut werden. Der Torf verliert seine ursprüngliche Struktur, vererdet, verliert an Substanz und kann nur noch wenig Wasser aufnehmen. Der Torfkörper sackt immer weiter zusammen, er löst sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf. Entwässerte Moore sind eine erhebliche Quelle von Treibhausgasen und tragen nicht unerheblich zur Klimaerwärmung bei. Nach Angaben des Umweltbundesamtes entfielen allein im Jahr 2020 circa 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, also mehr als sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland, auf trockengelegte Moorböden. Das entspricht rund einem Drittel der vom Verkehrssektor ausgestoßenen Treibhausgasemissionen. Bei aller Diskussion über die Klimaerwärmung sollte nicht vergessen werden, zu welchem immensen Verlust an Biodiversität und an Hochwasserschutz durch fehlenden Wasserrückhalt die Entwässerung und Nutzung von über 90 Prozent unserer Moore geführt hat. Auch die Landwirtschaft verliert langfristig Böden, wenn der Humus der entwässerten Böden schwindet. Auf dem verbleibenden nassen Lehm oder Schotter gedeihen schließlich nicht einmal mehr Wiesen und Weiden. Mit Blick auf die Ziele Klimaneutralität, Erhaltung der Biodiversität und eine nachhaltige Wirtschaft ist es folgerichtig, die Entwässerung der Moore durch Wiedervernässung soweit wie möglich rückgängig zu machen, den noch vorhandenen Torf also wieder „unter Wasser“ zu bringen und zumindest mittelfristig erneutes Torfwachstum zu generieren sowie einen naturnahen Zustand der Moore wiederherzustellen. Viele Moore sind jedoch so tiefgreifend und irreversibel verändert worden, dass sich ihre Ursprünglichkeit auch langfristig gesehen nicht wieder herstellen lässt. Doch jedes entwässerte Moor bietet Ansatzpunkte, den Moorwasserspiegel zumindest partiell wieder anzuheben, und jeder Dezimeter des Torfkörpers, der wieder unter Wasser kommt, ist ein Gewinn für den Klimaschutz. Großflächige Wiedervernässungen mit ursprünglichen Moorwasserständen bis knapp unter die Oberfläche sind sicherlich das Maß der Dinge, doch auch kleinere Maßnahmen sind immer noch besser, als gar nichts zu tun. Es ist aber nicht nur der vorgefundene Resttorfkörper mit seinen Gräben, Abgrabungen, Sackungen und Drainagen, der der Wiedervernässung häufig Grenzen setzt. Neben der oft aufwändigen Finanzierung ist vor allem die Verfügbarkeit der Flächen ein Problem. Viele Moorgebiete sind in Privatbesitz – das erschwert Renaturierungen oder eine Anpassung der Nutzung an höhere Wasserstände. Selbst nicht genutzte, scheinbar „wertlose“ Flächen werden aus verschiedenen Gründen – teils ideeller Natur – von ihren Eigentümern nicht zur Verfügung gestellt. Sei es, dass man den menschengemachten Klimawandel als Begründung für Maßnahmen bezweifelt, ganz grundsätzlich aus Respekt vor der immensen Kulturleistung zur Urbarmachung des Moores durch die Vorfahren oder einfach nur, weil man jeden Eingriff in die als solche empfundene „Natur“ ablehnt. Zum Glück gibt es aber auch zahlreiche Eigentümer, die dem LBV gerne ihre Flächen zur Verfügung stellen oder verkaufen, weil sie einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz leisten wollen und wir als Verband verantwortlich mit diesem „Geschenk“ umgehen. Das Engagement des LBV Es ist schon viel passiert, denn der LBV und weitere Akteure treiben die Wiedervernässung von Mooren seit vielen Jahren voran. Oft ist es mühsam, zeitintensiv, manchmal auch frustrierend, wenn man wegen der vielen Hürden nicht oder nur sehr langsam in kleinen Schritten vorankommt. Als LBV sind wir an einzelnen Mooren seit fast 30 Jahren „dran“. Das konsequente Suchen, das Gespür für das Mögliche, Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und Ideen für eine oft unkonventionelle Umsetzung sind häufig der Schlüssel zum Erfolg. Man muss Kontakte über Jahrzehnte halten und immer wieder Flächen aufkaufen, bis sich ein brauchbares Mosaik aus Eigentumsflächen und solchen von zur Renaturierung bereiten Eigentümern formt. Der Einsatz für die Wiedervernässung von Mooren lohnt sich. Es macht uns im LBV richtig Spaß, wenn wir sehen, wie das Wasser im Moor wieder steigt. Wo sonst kann man schon so einzigartig mit dem Verschließen von ein paar Entwässerungsgräben den Klimaschutz, die Biodiversität, den Hochwasserschutz, den Bodenschutz, die Archivfunktion von Mooren und das Landschaftsbild gleichzeitig fördern! LBV MAGAZIN 2|26 15 DR. SABINE TAPPERTZHOFEN Biologin, Leitung Geschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen E-Mail: sabine.tappertzhofen@lbv.de MANFRED KINBERGER Dipl.-Ing. Landespflege (Landschaftsökologe) E-Mail: manfred.kinberger@lbv.de FOTOS: ULRIKE EISENMANN, DR. SABINE TAPPERTZHOFEN (2), DR. OLAF BRODERS, CHRISTOPH BOSCH, DR. EBERHARD PFEUFFER

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