LBV MAGAZIN 2|26 11 macht, es ist aber noch ein langer Weg, bis das gesteckte Ziel erreicht wird. Noch mehr gilt dies für das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, bis zum Jahr 2040 insgesamt 55.000 Hektar trockengelegte Niedermoore wiederzuvernässen. Und klar ist auch: Ohne eine immense Reduktion von CO2-Emissionen aus Mooren – alleine im Donaumoos alljährlich rund eine halbe Million Tonnen CO2-Äquivalente – wird Bayern, egal ob 2040 oder 2045, nicht klimaneutral werden. Die Wiedervernässung von Mooren wird folgerichtig auch in der EU-Naturwiederherstellungsverordnung gefordert. Angesichts der immensen positiven Auswirkungen dieser Maßnahme ist gerade hier die ablehnende Haltung der Staatsregierung gegenüber der Verordnung aus Brüssel in keiner Weise nachvollziehbar, zumal das bayerische Ziel sogar ambitionierter ist als in der EU-Verordnung gefordert. Wiedervernässung als „No-Brainer“ „No-Brainer“ ist ein englischer, umgangssprachlicher Begriff für eine Entscheidung oder Aufgabe, die so einfach, offensichtlich oder vorteilhaft ist, dass man nicht darüber nachdenken muss. Die Wiedervernässung von Mooren ist so ein „No-Brainer“. Es gibt keinen vernünftigen, nachvollziehbaren Grund, trockengelegte Moore nicht wiederzuvernässen. Nicht aus Sicht der Ökosystemfunktionen, aber auch nicht aus Sicht der Landwirtschaft. Selbstverständlich müssen wir langfristige Finanzierungsmodelle schaffen, die für Flächeneigentümerinnen und -eigentümer attraktiv sind. Der Bezahlung von Treibhausgasemissionen (zum Beispiel durch den Erwerb von Zertifikaten) kommt hier zentrale Bedeutung zu. Warum aber passiert die Wiedervernässung so überaus zögerlich? Hierfür gibt es mehrere Gründe. Vor allem sind umfangreiche Investition erforderlich. Das Ganze aber rechnet sich – Stichwort Einsparung von Kohlenstoffemissionen und nachhaltige Landwirtschaft. Weiterhin ergeben sich immer wieder Probleme bei WasserrechtsDr. Norbert Schäffer verfahren. Und schließlich erfordert die Wiedervernässung Zugriff auf alle Flächen in einer hydrologischen Einheit. Es ist einfach nicht möglich, einen Fleckerlteppich wiederzuvernässen. Wenn sich aber nur ein Flächeneigentümer sperrt, kann sogar ein großes Wiedervernässungsprojekt blockiert werden. Die Antwort hierauf muss lauten: Wiedervernässung trockengelegter Moore muss bundesweit als „überragendes öffentliches Interesse“ anerkannt und gesetzlich verankert werden. Wir müssen es schaffen, unsere Moore wieder in einen Zustand zu versetzen, der es diesen erlaubt, alle ihre Talente voll auszuspielen. Wir wissen um die herausragende Bedeutung von Mooren. Wir haben in zahlreichen Projekten bewiesen, dass eine Wiedervernässung möglich ist. Wir müssen jetzt ganz einfach in die Fläche kommen und in großem Umfang wiedervernässen. Alles andere hätte katastrophale Konsequenzen und wäre unentschuldbar. WOLLGRAS IM HOCHMOOR BREITFILZ I FOTO: DR. OLAF BRODERS Es gibt keinen vernünftigen Grund, Moore nicht wiederzuvernässen Folgen Sie mir auf LinkedIn unter Dr. Norbert Schäffer
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