LBV magazin 2-26

10 LBV MAGAZIN 2|26 THEMA DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER „Multitalent Moor – Lebensraum, Klimaschützer, Wasserspeicher“: So steht es auf der Titelseite dieses LBV-Magazins. Und tatsächlich sind Moore ausgesprochen spannende Lebensräume, die zahlreiche, für uns Menschen relevante Ökosystemfunktionen übernehmen können. Moore sind besonders wirkungsvolle Speicher von Kohlenstoff und damit von herausragender Bedeutung für unser Klima. Daneben können Moore den Abfluss von Wasser zeitlich verzögern und hierdurch Überflutungen, aber auch Dürreperioden abfedern. Und schließlich sind sie – für den Naturschutzverband LBV von ganz zentralem Wert – Lebensräume zahlreicher, zum Teil hochspezialisierter Arten. Für den Schutz unserer Biologischen Vielfalt sind Moore unverzichtbar. All diese Rollen im Naturhaushalt können Moore aber nur erfüllen, wenn diese Lebensräume intakt sind. In trockengelegten Mooren brechen diese Funktionen nicht nur weg, sondern schlagen sogar ins Gegenteil um. Ausgesprochen beeindruckend ist das am Treibhausgashaushalt von Mooren zu sehen: Während intakte Moore Kohlenstoffspeicher und zum Teil sogar Kohlenstoffsenken sein können, sind trockengelegte Moore, insbesondere wenn diese ackerbaulich genutzt und hierfür regelmäßig gepflügt werden, regelrechte Treibhausgasbomben. Landwirtschaft auf Moorflächen Trockengelegte Moore, das zeigt sich beispielsweise im Donaumoos, können intensiv landwirtschaftlich genutzt werden – doch der Preis ist immens! Nicht nur viele wünschenswerte Ökosystemdienstleistungen brechen regelrecht zusammen. Auch die landwirtschaftliche Nutzung ist keineswegs nachhaltig. Durch Trockenlegung sank der Moorboden im Donaumoos in den vergangenen knapp 200 Jahren um rund drei Meter ab. Drastisch veranschaulicht wird dies durch einen im Jahr 1836 in der Ortschaft Königsmoos senkrecht durch den Torfkörper bis in den darunter liegenden mineralischen Untergrund getriebenen Eichenpfahl. Der Mineralboden hat sich nicht bewegt, der Torfkörper aber hat sich zersetzt bzw. ist zusammengesackt. Heute ragt dieser Pfahl rund drei Meter aus dem Boden! In wenigen Jahrzehnten wird der Torfkörper vollständig zersetzt und der Mineralboden erreicht sein – landwirtschaftliche Nutzung wird damit unmöglich. Moorexpertinnen und -experten haben in sogenannten Moorendlichkeitskarten vorhergesagt, ab wann eine Nutzung unserer Moore nicht mehr möglich sein wird. Dies wird bis in 30 Jahren auf 40 Prozent der trockengelegten Moorfläche, und damit auf rund 50.000 Hektar, der Fall sein. Auch für die Landwirtschaft eine apokalyptische Perspektive! Dabei ist eine landwirtschaftliche Nutzung intakter beziehungsweise wiedervernässter Moore durchaus möglich, sei es durch extensive Beweidung, als Feuchtgrünland oder durch Paludikulturen mit dem Ziel der Produktion von Biomasse. All dies, ohne den Torfkörper zu zerstören. Die wichtigste „Nutzungsform“ ist aber sicherlich die des Kohlenstoffspeichers, ganz einfach durch ökonomische Inwertsetzung jeder Tonne von dauerhaft vermiedenen Emissionen. Wiedervernässung trockengelegter Moore als Ziel Die gute Nachricht ist: Viele trockengelegte Moore können große Teile ihrer Ökosystemleistungen „Lebensraum, Klimaschutz, Wasserspeicher“ durch Wiedervernässung wiedererlangen. Dies wurde in zahlreichen Projekten, etliche davon unter Beteiligung des LBV, eindrücklich belegt. Daher war es gut und richtig, dass Ministerpräsident Dr. Markus Söder im Mai 2021 bei einem Ortstermin im Donaumoos ankündigte, dass die Staatsregierung bis zum Jahr 2030 im Donaumoos insgesamt 2.000 Hektar trockengelegter Niedermoore wiedervernässen und hierfür insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen wird. Bisher wurden wenige hundert Hektar wiedervernässt. Ein Anfang ist geSTANDPUNKT nasser Boden Mehr als nur Moore sind unverzichtbar für den Schutz der Biologischen Vielfalt

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