G A R T E N FOTO: HANS-PETER SCHÖNECKER Niedlich, anpassungsfähig, problematisch? Im Gegensatz zum Wolf, der schon immer zur heimischen Fauna gehört, wurde der aus Nordamerika stammende Waschbär in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst als Pelzlieferant in Farmen gehalten. 1934 setzte man Waschbären dann „zur Bereicherung der heimischen Fauna“ am Edersee in Hessen aus. Seither breitet er sich in Deutschland von Nord nach Süd immer weiter aus, mittlerweile spricht man von mehr als 1,3 Millionen Tieren. Vielerorts sind Waschbären auch in Bayern häufig zu beobachten. Trotz des Namens ist der zu den Kleinbären zählende nachtaktive Waschbär näher mit Mardern verwandt als mit Bären. Da sie schlecht sehen, drehen und wenden Waschbären Fressbares mit den wendigen Vorderpfoten hin und her, um es zu begutachten –manche Beutetiere eben auch im Wasser. Sie „waschen“ aber nicht wirklich, was sie verspeisen, sondern sind einfach oft in der Nähe von Gewässern zu finden. Auf dem Speisezettel stehen Fische, Krebse und Frösche genauso wie Vögel, Eidechsen und Mäuse, ergänzt durch Würmer, Schnecken, große Insekten und allerlei Pflanzliches wie Nüsse und Obst. In Siedlungen finden Waschbären Nahrung vor allem in Form von Speiseresten im Zivilisationsabfall. Geschickt räumen sie nachts Mülleimer aus oder nutzen Komposthaufen, Haustier- und Vogelfütterungen. Den Tag verbringen Waschbären in großen Baumhöhlen, Erdlöchern, Schuppen oder auf Dachböden. Oft sind sie zu zweit oder im Familienverband unterwegs. Er ist kein Kostverächter und macht auch vor Mülltonnen nicht halt. Der Waschbär ist heute bei uns verbreitet. Sehen die einen ihn als eine ernste Bedrohung für Vögel und Amphibien und als invasive Art, heißen andere ihn willkommen. Doch in der Praxis ist die Entscheidung längst gefallen. Der Waschbär 44 LBV MAGAZIN 4|23
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