FOTO: VITALY ILYASOV - STOCK.ADOBE.COM QUELLENANGABEN - Rigal et al., „Farmland practices are driving bird population decline across Europe“, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 120/2023, e2216573120. - Kamp et al. , „Population trends of common breeding birds in Germany 1990–2018“, in: Journal of Ornithology 162/2021, S. 1–15. - Vickery et al., „The conservation of Afro-Palaearctic migrants: What we are learning and what we need to know?“, in: Ibis 165/2023, S. 717–738. - Fink/Niederbacher, Monitoring häufiger Brutvögel in Bayern 2006–2021. Methoden, Analysen, Bestandsentwicklungen, Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hg.), 2023 (in Vorbereitung). LBV MAGAZIN 3|23 41 27 Prozent abnahmen, blieben die Bestände der anderen Arten zusammengenommen nahezu konstant. Unter den in Afrika überwinternden Arten nahmen solche, die in der Sahelzone und der nördlichen Savannenzone überwintern, mit 40 Prozent sehr viel stärker ab als Arten der feuchten Tropen West- und Zentralafrikas, bei denen es „nur“ knapp 16 Prozent waren. Bayerische Beispiele Diese unterschiedlichen Bestandsentwicklungen von in Afrika überwinternden Arten und Kurzstreckenziehern zeigen sich auch in der bayerischen Vogelwelt. So nahm laut jüngstem Statusbericht zur Bestandsentwicklung häufiger bayerischer Brutvögel die Zahl der Gartengrasmücken, die ins subtropische Westafrika ziehen, zwischen 2006 und 2021 um etwa 25 Prozent ab, während die der im Brutgebiet ökologisch sehr ähnlichen Mönchsgrasmücke um etwa 60 Prozent zunahm (Fink/Niederbacher 2023). Ähnliches gilt für Fitis und Zilpzalp, wobei der Fitis als Fernzieher ab-, der Zilpzalp als Kurzstreckenzieher und mittlerweile zunehmend Standvogel dagegen zunahm. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass unser Handeln im Arten- und Naturschutz bei wandernden Arten nicht auf das Brutgebiet allein beschränkt bleiben darf. Vielmehr müssen wir auch die Veränderungen in den Durchzugs- und fernen Überwinterungsgebieten im Auge behalten. Hier wie dort sind es gerade die Veränderungen der Landschaft, die unseren Vogelarten zu schaffen machen, allem voran die Intensivierung der Landwirtschaft und die zunehmende Zersiedlung der Landschaft – regional, national wie auf dem ganzen Kontinent. Auf die Landnutzung kommt es an Alle genannten Studien zeigen ein weiteres Mal, dass das Schicksal der europäischen Vogelwelt vor allem davon abhängen wird, wie rasch und konsequent wir den Übergang zu einer mehr biodiversitätsfreundlichen Landnutzung hinbekommen, die zudem resistent gegenüber dem Klimawandel sein muss. Schutzstrategien müssen also die Anpassungsfähigkeit von Arten an Umwelt- und Klimawandel berücksichtigen, z.B. durch ein verbessertes Schutzgebietsmanagement und erhöhte Schutzgebietskonnektivität, besonders aber auch durch Maßnahmen in der „Normallandschaft“. So zeigt sich beispielsweise für die Feldlerche, deren Bestände in den letzten Jahrzehnten durch die Intensivierung der Landwirtschaft überall stark eingebrochen sind, dass sich insbesondere ein steigender, extensiv genutzter Grünlandanteil positiv auf ihre Bestände auswirkt, wohingegen verstärkter Rapsanbau und größere Flächen für Winterweizen negativ wirken. Auch beim Kiebitz wirken sich Winterweizen und Raps negativ auf die Population aus, Brachen dagegen positiv. Mehr Brachen und Sukzessionsflächen, aber auch ein späterer Umbruch von Stoppelfeldern begünstigen Goldammern. Gerade Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung zu Gunsten von mehr Biodiversität können also enorme Wirkung erzielen. PROF. DR. FRANZ BAIRLEIN Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des LBV E-Mail: franz.bairlein@ifv-vogelwarte.de
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=