FOTO: ERNI - STOCK.ADOBE.COM Studie bestätigt intensive Landwirtschaft als Hauptverursacher Vogelsterben in der Agrarlandschaft Die Intensivierung der Landwirtschaft ist und bleibt die wesentliche Ursache für den Rückgang der meisten europäischen Brutvogelarten, wie jetzt eine groß angelegte europaweite Studie nachdrücklich zeigt. Und auch neue regionale und nationale Auswertungen belegen diese Entwicklung eindeutig. Für die vor Kurzem veröffentlichte Studie „Farmland practices are driving bird population decline across Europe“ (Rigal et al. 2023) wurden Bestandsentwicklungen für 170 häufige Vogelarten des europaweiten standardisierten Brutvogelmonitorings aus 28 Ländern für die Jahre 1980 bis 2016 ausgewertet. Diese Vogeldaten wurden mit vier in den Brutgebieten besonders relevanten, vom Menschen verursachten Einflussfaktoren verknüpft: Intensivierung der Landwirtschaft, Veränderung der Waldbedeckung, Verstädterung und Temperaturänderungen. Mit nahezu 57 Prozent Abnahme über den untersuchten Zeitraum von 37 Jahren sind die Bestände der Arten der Agrarlandschaft besonders stark zurückgegangen, gefolgt von den Arten der Siedlungen mit minus 28 Prozent. Arten der Wälder waren mit knapp 18 Prozent dagegen wesentlich weniger betroffen. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel interessant ist die Beobachtung, dass Arten, die eher kühlere Umgebung bevorzugen, mit minus 40 Prozent viel stärker abgenommen haben als Arten, die es wärmer wollen (minus 17 Prozent). Von den vier untersuchten Wirkungsfaktoren hat die Intensivierung der Landwirtschaft, gemessen am Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, den größten Einfluss auf die Vogelwelt: 31 von 50 Arten waren hiervon negativ betroffen. Diese Entwicklung in der Landwirtschaft beeinflusst auch Arten anderer Lebensräume, die sich von Insekten und anderen Wirbellosen in der Agrarlandschaft ernähren, darunter gerade viele Langstreckenzieher und auch Vogelarten der Wälder. Grund hierfür ist das durch Pestizid- und Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft geringere Angebot an Nahrung, wodurch besonders der Bruterfolg beeinträchtigt ist. Die zunehmende Urbanisierung hatte laut Studie für zwölf von 21 Arten negative Folgen. Zwar gibt es Arten, die sich in Siedlungen durchaus sehr wohlfühlen, doch der mit Urbanisation verbundene Landschaftsverbrauch mit demVerlust von geeigneten Lebensräumen ist für viele andere Arten schädlich. Die zunehmende Waldbedeckung, als dritter Wirkungsfaktor, wirkte sich hingegen für 16 von 25 Arten positiv aus. Die zunehmende Erwärmung hatte für 27 von 55 Arten negative Folgen, während 28 Arten davon profitierten. DDA-Studie bestätigt Negativtrend Bestätigt wird diese Entwicklung durch eine deutschlandweite Auswertung der Daten des Monitorings häufiger Brutvogelarten des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) für den Zeitraum 1990 bis 2018 (Kamp et al. 2021). Auch hier zeigt sich, dass die Arten der Agrarlandschaft mit minus 32 Prozent sehr viel stärker abgenommen haben als Arten anderer Lebensräume. So waren im Siedlungsraum bei über 16 Prozent der Arten Rückgänge zu verzeichnen, wogegen Arten des Waldes und von Feuchtgebieten Zunahmen zeigen, erstere vor allem seit 2010. Bei den Feuchtgebieten sind aber die selteneren Arten wie Brachvogel, Uferschnepfe oder Bekassine in diesem Monitoring nicht erfasst. Ihre Bestände nehmen seit Jahren stark ab. Die DDA-Studie zeigte ferner, dass die Bestände von Bodenbrütern viel stärker zurückgegangen sind als die anderer Neststandorte. Arten, die sich von Wirbellosen ernähren, gehen im Vergleich zu Arten, die sich auch anders ernähren, zwar stärker zurück, es LBV MAGAZIN 3|23 39
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