VOGELSCHUTZ 4-21
18 VOGELSCHUTZ 4|21 FOTOS: ANDREAS HARTL (2), MIGUEL VENCES Der vermutlich aus Asien stammende, auch „Salamander- fresser“ genannte Chytrid-Pilz Batrachochytrium salaman- drivorans (Bsal) löst bei Schwanzlurchen eine infektiöse Hauterkrankung aus, die unsere heimischen Bestände ernsthaft bedroht. Der Pilz wurde 2013 zunächst in Bel- gien und den Niederlanden nachgewiesen, hat sich über die Eifel und das Ruhrgebiet ausgebreitet und 2020 den bayerischen Steigerwald sowie das Allgäu erreicht. In den Niederlanden ist der Bestand des Feuersalamanders mittlerweile um rund 98 Prozent eingebrochen. Nach dem aktuellen Kenntnisstand können Feuersala- mander und Molche von Bsal befallen werden, höchst- wahrscheinlich auch Alpensalamander. Der Pilz führt zu tiefen offenen Geschwüren und beim Feuersalamander schon nach wenigen Tagen zum Tod. Molche sterben nicht zwangsläufig daran. Eine Ausbreitung in Bayern ist zu befürchten, die Verbreitungswege sind größtenteils noch unbekannt. Wahrscheinlich findet die Übertragung unter anderem über Wildtiere, Reifen- und Schuhprofile sowie den Amphibien- und Wasserpflanzenhandel statt. Bsal – der „Salamanderfresser“ anderen Gebieten zügig ein Bsal-Monitoring aufgebaut, um eine mögliche Ausbreitung des Pilzes frühzeitig zu erfassen und schnell reagieren zu können. Die Artenschützer*innen nehmen dafür regelmäßig Hautabstriche von ausgewach- senen Feuersalamandern, die in den Laboren der Universi- täten Trier und Leipzig anschließend ausgewertet werden. Bei der Feldarbeit halten sie strenge Hygieneregeln ein. Wertvoller Lebensraum Quelle Den drei bayerischen Naturschutzverbänden liegt der Feuersalamander sehr am Herzen, weil er als Charakterart für den wertvollen und bedrohten Lebensraum der Quell- bereiche steht, der viele hochspezialisierte und bedrohte Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Deshalb sollen unter anderem Ablagerungen, Verrohrungen und Fassungen in Quellbereichen beseitigt undwertvolles Totholz eingebracht werden, damit wieder mehr naturnahe Quellbereiche ent- stehen. Auch sollen bachbegleitende Fichtenmonokulturen in naturnahe Laub- und Laubmischwälder umgewandelt werden. Der LBV führt seit vielen Jahren im Auftrag des LfU und in Kooperation mit zahlreichen Partnern wie beispiels- weise den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) das Projekt „Quellschutz in Bayern“ durch. Im Rahmen der Quellschutz- arbeit des LBV wurden bisher an rund 100 Quellen und Quellbächen Maßnahmen zur ökologischen Optimierung durchgeführt. Die dabei gemachten Erfahrungen wird der LBV in das Feuersalamander-Projekt einfließen lassen. Es besteht aber die konkrete Gefahr, dass all diese Maß- nahmen nicht ausreichen und der Feuersalamander durch den Hautpilz Bsal vollkommen aus Bayern verschwindet. Um auch auf diese dramatische Situation vorbereitet zu sein, sollen Feuersalamander unter Umständen in menschli- Im Spessart und in der Rhön besteht die Chance, auch die längsgebänderte Unterart zu beobachten. Die Larven des Feuersalamanders sind anhand von weißen Flecken an den Beinansätzen eindeutig zu identifizieren. T H EMA Was Sie tun können Sollten Sie tote Salamander oder Molche in der Natur ent- decken, fassen Sie diese bitte nicht an. Schicken Sie die Ko- ordinaten des Fundorts, mehrere Fotos des Tiers und das Funddatum an Malvina Hoppe (malvina.hoppe@lbv.de ) oder Horst Schwemmer (horst.schwemmer@bund-natur- schutz.de ). Bleiben Sie bei Spaziergängen imWald auf den Wegen und betreten Sie keine Quellbäche. Im Steigerwald sollte darüber hinaus auf das Sammeln von Pilzen verzich- tet werden. Sehr wichtig ist es, die Wanderschuhe nach jedem Einsatz von grobem Schmutz zu befreien und zu desinfizieren, beispielsweise mit 70-prozentigem Ethanol.
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