VOGELSCHUTZ 2-21
FOTOS: ZDENEK TUNKA (2), HAUKE LINDHORST, THOMAS JURETZKY ten mit Niststeinen für Mauersegler und Sperlin- ge bzw. mit Quartieren für Fledermäuse ausstattet. Die- se Quartiere fallen kaum auf und entfal- ten eine große Wirkung: In ansonsten gesichts- losen Neubaugebieten beginnt es zu zwitschern und Leben regt sich. Parallel dazu muss sich aber auch die Pflege und Planung städtischer Grünanlagen än - dern und naturnaher werden. Denn was nützen Quartiere, wenn Vogelmägen leer bleiben? Mehr Blumenwiesen, Vogel- schutzhecken und summendeWildbienen nutzen außerdem nicht nur Gebäudebrütern, sondern allen Wildtieren in der Stadt und damit letztlich auch den Menschen, die so mehr Natur in der Stadt und vor der Haustüre erleben können. Jeder kann einen Beitrag leisten Es wäre ein großer Erfolg, wenn Kommunen beim Gebäude- brüterschutz künftig nach dem Motto „think big“ (groß den- ken) handeln würden. Das heißt aber nicht, dass nicht auch jede und jeder Einzelne etwas tun kann, um wieder mehr Naturerleben in Städten und Gemeinden zu ermöglichen. Während sich in fast jedem Privatgarten Nistkästen und Fut- terangebote für Meisen und andere Gartenvögel finden, sind Brutplätze an den zugehörigen Häusern leider Mangelware. Bei Umbau- und Dämmmaßnahmen am eigenen Heim wer- den die Gebäudebrüter oft schlichtweg vergessen. Dabei ist es nicht schwer, ihren Unterschlupf zu erhalten oder einen neuen zu schaffen: Niststeine lassen sich mit entsprechen - der Hinterdämmung in die Fassade einbauen, ohne Wär- mebrücken zu schaffen. In den Dachrand – der für die Ge - bäudedämmung oft keine Rolle spielt – können Quartiere für Spatz, Mauersegler und Co. nahezu unsichtbar integriert werden. Und natürlich dür- fen auch an Privathäusern Nester nicht entfernt oder abgeschlagen werden, auch nicht im Zuge von Bau- oder Renovierungsmaßnahmen. Statt- dessen bietet eine Fassadenerneuerung zum Beispiel die Möglichkeit, farblich passende Kotbretter unter Schwalbennestern anzubringen, damit die neue Fas- sade nicht verschmutzt wird. Mehr Tipps auf Seite 20/21 und unter www.botschafter-spatz.de/arbeitsmaterialien. Neben den Nistplätzen für Gebäudebrüter am Haus soll- te auch der Garten möglichst naturnah gestaltet sein. Schot- terwüsten bieten weder Schutz noch Nahrung. Mit einer Spatzenhecke oder einer wilden Ecke im Garten stellt man Gebäudebrütern hingegen Kost UND Logis zur Verfügung. Lebendige Städte sind lebenswerte Städte Mit Blick auf die Zukunft ist mit einem weiteren Anstieg der Einwohnerzahlen in den bayerischen Städten zu rechnen. Wo immer mehr Menschen leben wollen, bleibt die Natur oft auf der Strecke. Wenn wir daher nicht mehr für den Er- halt unserer Gebäudebrüter tun, werden wir diese Arten verlieren. Sie sind auf uns und unsere Städte und Siedlun- gen angewiesen und können nicht ausweichen. Wir müssen ein besseres Verständnis in der Bevölkerung, bei Behörden und Hausbesitzer*innen für unsere „fliegende Stadtnatur“ entwickeln und zusätzliche An- strengungen zum Schutz und zur Förderung von Gebäudebrütern unternehmen. Nur dann werden unsere Städte und Siedlungen le- bendig und lebenswert bleiben. SYLVIA WEBER Dipl.-Ing. (FH) Landschafts- architektin, Projektleitung Artenschutz an Gebäuden und „Der Spatz als Bot- schafter der Stadtnatur“/ Gebäudebrüterkompetenz- zentrum, LBV München E-Mail: sylvia.weber@lbv.de Nisthilfen für Mehlschwalben an einem Haus: Mehlschwalben brüten gerne in Gemeinschaft. Verleihbare Wanderausstellung mit vielen Infos zum Gebäudebrüterschutz. VOGELSCHUTZ 2|21 19 Das Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“ wird aktuell gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.
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