VOGELSCHUTZ 2-21
VOGELSCHUTZ 2|21 17 FOTOS: DIETMAR NILL, MATHIAS SCHÄF Als Kulturfolger haben sich Vogelarten wie der Haussperling Städte und Dörfer als neuen Lebensraum erschlossen. Doch moderne Bauweisen, Sanierungen und Veränderungen in Städten und Siedlungen bedrohen das Überleben vieler Ge- bäude bewohnender Wildvogelarten. Mauersegler und Mehl- schwalbe stehen in Bayern bereits als gefährdete Arten auf der Roten Liste. Mit einem Gebäudebrüter-Kompetenzzent- rum stemmt sich der LBV bayernweit gegen diese Entwicklung. S eit der Mensch in Häusern wohnt, leben Wildtiere mit ihm unter einem Dach. Ob Spatz, Mehl- und Rauch- schwalbe, Mauersegler, Turmfalke, Dohle, Schleiereule oder Weißstorch – alle diese Arten haben sich als Kulturfolger an den Le- bensraum Stadt angepasst. Hier finden sie ihre größte Verbreitung. Manche von ihnen haben sich so stark spezialisiert, dass Ge- bäude für sie die einzige Möglichkeit dar- stellen, einen Nistplatz oder ein Quartier zu finden. Sie sind zu „Gebäudebrütern“ gewor - den und damit ein wesentlicher Bestandteil unserer belebten und für jedermann erleb- baren Stadt- und Siedlungsnatur. Doch das Zusammenleben mit demMen- schenbringt nicht nur Vorteile, dennder städ- tische Siedlungsraum verändert sich rasch und nicht zu ihrem Vorteil: Bei Sanierung, Umbau oder Abbruch verlieren Gebäude- brüter ihr Quartier, ihre Brut und nicht selten ihr Leben. Moderne energetische Gebäude mit fugenlosen Putz-, Glas- oder Metallfassa- den bieten ihnen keine Mitwohngelegenhei- ten mehr. Die Nachverdichtung, der Verlust von Grünstrukturen, naturferne Pflanzungen und übertriebene Anlagenpflege zerstören das Nahrungsangebot und Schutzräume wie Gehölze und Hecken. Langfristig führen die- se Veränderungen zum Rückgang der Kultur- folger-Arten und zu gravierenden Bestands- einbrüchen. Arten des Siedlungsraums sind nach den Feldvögeln die am zweitstärksten abnehmende Vogelgruppe. Münchner Kompetenzzentrum für Gebäudebrüter Seit 2005 arbeitet die LBV-Geschäftsstelle in München mit dem Projekt „Artenschutz an Gebäuden“, das Gebäudebrüter und ihre Lebensraumansprüche in den Fokus stellt, gegen den Rückgang dieser Arten. 2016 wur- de die Schutzarbeit im Rahmen des Projekts „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“ auf ganz Bayern ausgedehnt. Das Projekt will dabei auch Bürger*innen, Behörden und Stadtplaner*innen für die Probleme der fliegenden Vertreter unserer Stadtnatur sen - sibilisieren. Es wird aktuell vom Bayerischen Umweltministerium gefördert. Der Haus- sperling, besser als Spatz bekannt, wurde in diesem Projekt als Leitart gewählt, weil er Haussperlinge brüten an Gebäuden. Als Nist- platz werden häufig Hohlräume hinter der Regenrinne, zwischen Dachlatten oder unter Dachziegeln genutzt. Mauersegler sind zur Brut auf Gebäude angewiesen.
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