VOGELSCHUTZ 1-20
8 VOGELSCHUTZ 1|20 Das Thema Klimawandel – eigentlich sollten wir eher sa- gen „Klimakrise“ oder „Klimakatastrophe“ – ist mittlerwei- le fester Bestandteil der täglichen Berichterstattung, sei es in Zeitungen, Zeitschriften, im Radio, Fernsehen oder den Sozialen Medien. Mit großer Regelmäßigkeit finden sich Aussagen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu neuen Klimaextremen und Hiobsbotschaften über die bereits feststellbaren oder vorhergesagten Auswirkungen des Klimawandels. Ebenso häufig gibt es Forderungen von Politike- rinnen und Politikern fast aller Parteien, den Klimawandel endlich ernst zu nehmen und konsequent zu handeln. So haben wir beispielsweise alle im Januar über Wochen die verheerenden Waldbrände in Australien in den Medien verfolgt. Wir dürfen uns niemals an derartige Meldungen gewöhnen! Klimakrise und Biologische Vielfalt Die Klimakrise und der Verlust der Biologischen Vielfalt sind Zwillingskrisen, die in vielerlei Hinsicht zusammenhängen und die zusammen gelöst werden müssen. Fälschlicher- weise wird oft der Eindruck erweckt, es wäre erforderlich, sich zwischen Klimawandel und Artenschutz zu entschei- den. Energiesparen, Energieeffizienz und selbstverständ- lich auch regenerative Energien sind für die Energiewende unverzichtbar. Dazu gehört auch die Windkraft, zu der sich der LBV klar bekennt. Dabei müssen Standorte so ausge- wählt werden, dass unsere Biologische Vielfalt, in diesem Fall vor allem Vögel und Fledermäuse, nicht geopfert wer- den. Durch überlegte Standortauswahl und gegebenenfalls Abschaltmechanismen kann ein möglicher Konflikt deutlich entschärft werden. Gleiches gilt beispielsweise für Fotovol- taikanlagen. Entsprechend gestaltet können Freiflächenan- lagen durchaus interessant sein für eine Reihe von Pflan- zen- und Tierarten. Wichtige Lebensräume dürfen aber nicht bebaut werden. Und warum noch immer Häuser ohne PV-Anlagen auf den Dächern gebaut werden, verstehe wer will, ich nicht. Jede Stadt und jede Gemeinde kann diese vor- schreiben, genauso wie es vorgeschrieben ist, sein Abwas- ser gegen Gebühren in die Kanalisation und nicht einfach in den Garten zu leiten. Klimawandel in den Alpen Der Klimawandel ist schon jetzt Fakt – auch in Bayern. Da- rauf hat auch das Bayerische Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz immer wieder hingewiesen. Der bisher gemes- sene sowie der in Zukunft erwartete wei- tere Anstieg der Durchschnittstemperatur fällt in den Alpen doppelt so hoch aus wie außerhalb des Gebirges. Auf die Folgen müssen wir uns jetzt einstellen. Angesichts der Klimakrise ist es schlichtweg falsch, die Seilbahnförderung durch den Bayerischen Staat bis zum Jahr 2022 zu verlängern und so- gar noch die Fördermittel aufzustocken. Die Seilbahnför- derrichtlinie bezuschusst in Bayern Modernisierungsvorha- ben mit bis zu 35 Prozent der Kosten. Dazu gehört nicht nur die Ertüchtigung der Seilbahn selbst, was an vielen Stellen den naturschädlichen Massentourismus fördert, sondern auch die Errichtung von sogenannten Nebenanlagen wie Beschneiungsbecken und Schneekanonen. Hierdurch wer- den nicht nur unsere Natur zerstört und unsere Landschaft verschandelt, sondern auch Steuergelder für klimaschäd- liche Projekte eingesetzt. Erster Jahrestag Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“! Vor etwas mehr als einem Jahr standen wir für unser Volks- begehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ vor den Rathäu- sern und haben versucht, die Menschen dazu zu bewegen, unser Volksbegehren mit ihrer Unterschrift zu unterstüt- zen. Eine Zeit, die alle Beteiligten niemals vergessen wer- den. Am Abend des 13. Februar 2019 war dann klar: Un- ser Volksbegehren war nicht nur erfolgreich, sondern ist sogar das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER S T A ND P UN K T Klimawandel und Artenschutz gehören zusammen
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