VOGELSCHUTZ 1-20
1|20 VOGELSCHUTZ 19 FOTOS: ROSL RÖSSNER, C. STOLL (4), THOMAS STEPHAN sollen eine Flächenarrondierung ermöglichen, um die Wiedervernässung zu erleichtern. Weitere Flä- cheneigentümer sind der Landkreis, der BN, die Wildlandstiftung Bayern sowie Privatpersonen, die ihre Flächen für den Klima-, Arten- und Biotop- schutz zur Verfügung stellen. Trotz schwerwiegender Eingriffe in der Ver- gangenheitzähltesgemäßArten-undBiotopschutz- programm Dillingen heute zu einem landesweit bedeutsamen Feucht- und Wiesenbrütergebiet. Im Kernbereich besteht es aus Übergangs- und Schwingrasen, Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, Hochstaudenfluren, Groß- seggenrieden, Flachgewässern und Gebüschen. Angrenzend befinden sich ein gut erhaltener Erlenbruchwald sowie teils inten- siv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Das Mosaik aus unterschied- lichen Lebensräumen und deren regelmäßige Flä- chenpflege tragen dazu bei, dass seltene und ge- schützte Arten hier einen geeigneten Lebensraum vorfinden, so beispielsweise das seltene Wald-Wie- senvögelchen, ein Tagfalter. Neben verschiedenen Orchideenarten wächst auf feuchten, lückigen Standorten der Kriechende Sellerie, eine Art der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, für die Bayern eine besondere Verantwortung hat. Ebenso kommt hier der in Bayern stark gefährdete Kammmolch vor. Eine Brutvogelkartierung 2016 unter der Lei- tung des Ornithologen Harald Böck und der Bio Die Anlage von Flachmulden im Wittislin ger Ried (1) und die Biotoppflege, wie z.B. die Mahd, erfordern einen großen Einsatz der Ehrenamtlichen (2). Der Kammolch ist ein Bewohner des Wit tislinger Rieds (3), ebenso wächst hier der Lungenenzian (4). login Carolin Stoll ergab neben Nahrungs- und Zuggästen 61 Brutvogelarten, darunter geschützte Arten wie Bekassine, Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche, Wasserralle und den Vogel des Jahres 2020 , die Turteltaube. Der bayernweite Rückgang der Wiesenbrüter ist leider auch hier zu spüren. Der Vergleich mit Daten von 1985 ergab einen Rückgang bei Bekassine und Kie- bitz um mehr als 90 Prozent. Die letzte erfolgreiche Brut des Großen Brachvogels war 1996. Da mittlerweile bis auf wenige Flächen große Teile des Wittislinger Rieds für die Wiederver- nässung und weitere Renaturierungsmaßnahmen zur Verfü- gung stehen, hoffen wir wieder auf eine positive Bestandsent- wicklung, vor allem bei der Bekassine. Für die naturschutzfachliche Pflege ist die Arbeitsgemeinschaft Wittislinger Ried zuständig. Sie wird geleitet von Harald Böck, dem stellvertretenden Vorsitzen- den der LBV-Kreisgruppe Dillingen. Die Arbeitsgemeinschaft besteht seit den 1980er Jahren und ist ein Zusammen- schluss von LBV, BN und NABU-Mitgliedern. Neben regelmäßiger Mahd und Entbuschungsmaßnahmen wur- den durch sie Senken und Flachgewässer angelegt. Ohne das langjährige Engagement dieser Arbeitsgruppe wäre der Lebensraum für seltene und geschützte Arten verloren und als landesweit bedeutsames Feucht- und Wiesenbrütergebiet verschwunden. Auch wäre die Mineralisierung des Moorbodens so weit fortgeschritten, dass eine Wiedervernäs- sung des Moorkörpers als Kohlenstoffspei- cher nicht mehr möglich wäre. 1 2 4 3 Heute ist das Wittis linger Ried ein bedeut sames Feucht- und Wiesenbrütergebiet BRIGITTE KRAFT Dipl.-Biologin Leiterin Bezirksgeschäfts- stelle Schwaben E-Mail: brigitte.kraft@lbv.de
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