VOGELSCHUTZ 3-19
8 VOGELSCHUTZ 4|19 Während ich meinen „Standpunkt“ für unser LBV-Mitglie- dermagazin Vogelschutz schreibe, bin ich noch immer unter dem Eindruck unserer diesjährigen LBV-Delegiertenver- sammlung: Mitte Oktober haben sich knapp 300 Delegier- te, Aktive und Gäste aus unseren LBV-Kreis-, Orts- und Ju- gendgruppen in Amberg getroffen, um – wie jedes Jahr – die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen und Pläne für die Zukunft zu diskutieren. Unsere Delegiertenversammlung 2019 war besonders geprägt durch die Begeisterung für unser erfolg- reiches Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“. Weitere Höhepunkte waren die Ehrung unseres 100.000. Mitglieds, die engagierte Rede des Baye- rischen Umweltministers Thorsten Glauber und die Verlei- hung unseres LBV-Medienpreises an den Filmemacher und ehemaligen LBV-Zivildienstleistenden Jan Haft. Wir blicken zurück auf ein ausgesprochen erfolgreiches LBV-Jahr, wo- bei uns allen auch bewusst ist, dass wir in unserem Engage- ment für Bayerns Natur und Biologische Vielfalt jetzt nicht nachlassen dürfen. Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ jetzt um- setzen Unser Volksbegehren war erfolgreich und hat mit Volksbegeh- rensgesetz, Begleitgesetz und zusätzlichem Maßnahmenka- talog die rechtliche Grundlage für deutlich mehr Natur- und Artenschutz in Bayern geschaffen. Wenn die notwendigen Finanzen zur Verfügung gestellt und die neuen Gesetze und Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, könnte es uns tatsächlich gelingen, den Rückgang der Biologischen Vielfalt in Bayern aufzuhalten. Und viel mehr als das: Wir können vielleicht sogar einen Teil unserer Heimat zurückholen, den wir bereits verloren haben. Ein Selbstläufer ist all das aber ganz und gar nicht. So wird derzeit die exakte Definition von durch unser Volksbegehrensgesetz geschützten extensiven Streuobstbeständen und artenreichem Grünland diskutiert. Der LBV wird ganz genau darauf achten, wie Politik und Be- hörden mit unserem Volksbegehrensgesetz umgehen. Altgrasbestände – für viele Insekten lebensnotwendig Infolge unseres Volksbegehrens wurden zahlreiche Straßen- ränder und auch Privatgärten im zurückliegenden Frühjahr und Sommer deutlich später gemäht und Blühflächen er- halten. Eine begrüßenswerte Entwicklung, über die wir uns freuen. Im Herbst war vielerorts dann aber doch wieder erkennbar, dass die mittlerweile verblühten Bestände dem Ordnungsdenken vieler Menschen wei- chen mussten und gemulcht wurden. Nun ist Verkehrssicherung eine wichtige Aufgabe. Aber wo immer möglich, sollte wenigstens ein Teil der alten, vertrock- neten Vegetation stehen gelassen werden. In diesen Flächen finden sich die Überwinterungsstadien zahlreicher Insekten, beispielsweise vieler Schmetterlinge. Studie der Technischen Universität München zum In- sektensterben Eine soeben im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie zahlreicher Wissenschaftler unter anderem der von Tech- nischen Universität München hat zweifelsfrei belegt, dass das Insektensterben in den vergangenen zehn Jahren, so- wohl auf landwirtschaftlichen Nutzflächen wie auch imWald, ungebremst fortgeschritten ist. Besonders betroffen sind hierbei Untersuchungspunkte, die an landwirtschaftlich in- tensiv genutzte Flächen angrenzen. Flächenverbrauch in Bayern ungebremst Kennen Sie das Brettspiel Carcassonne ? Dabei bekommen Mitspieler Punkte dafür, dass sie möglichst große Städte und möglichst lange Straßen bauen. Gelegentlich kommt es mir vor, als würden manche Kommunalpolitiker in ihren jewei- ligen Gemeinden Carcassonne spielen. Da wird Erfolg gemes- sen an der Ausdehnung ausgewiesener Gewerbe-, Industrie- und Baugebiete. Das Ergebnis: Trotz der im Koalitionsvertrag als Ziel festgelegten Begrenzung des Flächenverbrauchs in Bayern auf 5 Hektar pro Tag liegt der Flächenverbrauch wei- terhin auf einem konstant hohen Niveau. Der Wert lag 2016 bei 9,8 Hektar im Jahr, 2017 bei 11,7 Hektar im Jahr und laut Herausforderungen fürs neue Jahr DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER S T A ND P UN K T 100.000 Mitglieder für Natur- und Artenschutz
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