VOGELSCHUTZ 3-19
4|19 VOGELSCHUTZ 19 Unterstützen Sie die Aktion von LBV und NABU gegen die Turteltaubenjagd und unterschreiben Sie beiliegende Postkarte! 493.000. In Italien erlegte Vögel waren mehrheit- lich im eigenen Land und Frankreich erbrütet und beringt worden, Jäger in Spanien und Frankreich schossen vorrangig Tauben aus Großbritannien. In Griechenland stammten die aufgefundenen Vögel vor allem aus der Tschechischen Republik. Auch wenn die Ergebnisse stark von der Berin- gungsaktivität in den Brutgebie- ten beeinflusst werden, zeigen die Funde dennoch deutlich, dass die Jagd auf Turteltauben die Bestände vieler europä- ischer Länder beeinflusst. Im Rahmen eines am 24. Mai 2018 vorgestell- ten internationalen EU-Aktionsplans zum Schutz der Turteltauben wurde ein europaweites Mora- torium für die Turteltaubenjagd vorgeschlagen, das bis zur Schaffung eines an der Bestandsent- wicklung orientierten Jagdmanagements beste- hen bleiben sollte. Spanien, Frankreich, Griechen- land, Rumänien, Malta, Österreich, Bulgarien und Zypern haben gegen diesen Vorschlag allerdings Widerspruch eingelegt. Auf Malta beispielsweise ist traditionell die Jagd auf Turteltauben während des Frühjahrs- zuges erlaubt – trotz rückläufiger Bestandszahlen. BENJAMIN METZGER Freiberuflicher Biologe, ehem. Wissenschaftlicher Leiter bei BirdLife Malta Lissabon E-Mail: ben.lanius@gmail.com PETRA QUILLFELDT Professorin für Verhaltensökologie Justus-Liebig-Universität, Gießen E-Mail: petra.quillfeldt@bio.uni-giessen.de Ein Versuch im Jahr 2015 von BirdLife Malta und anderen Naturschutzorganisationen, die Früh- jahrsjagd per Volksabstimmung abzuschaffen, scheiterte knapp: Bei einer hohen Abstimmungs- beteiligung von fast 75 Prozent stimmten 50,4 Prozent der Bürger dagegen. Als nachfolgend der internationale Druck auf die maltesische Regierung zunahm, wurde die Jagd für die Jahre 2018 und 2019 schließlich ausgesetzt. Da jedoch für Wachteln auf Malta keine Beschränkungen beste- hen und diese nahezu zeit- gleich mit den Turteltauben durchziehen, ging die Jagd heimlich oder geduldet weiter. In jüngerer Zeit hat es weitere Initiativen zum europaweiten Schutz der Turteltaube gegeben. So hat die Europäische Kommission kürzlich rechtliche Schritte gegen die Regierungen Spa- niens und Frankreichs eingeleitet, weil diese bisher zu wenig für den Erhalt wichtiger Turtel taubenhabitate unternommen haben und trotz sinkender Bestände speziell in Westeuropa wei- terhin eine intensive Jagd im Herbst erlauben. Möglicherweise ein Grund zur Hoffnung für die kleine, schöne Taubenart. Forscher der Universität Gießen und von BirdLife Malta in Zusammenarbeit mit dem NABU statteten 2016 und 2017 fünf auf dem Frühjahrszug auf Malta gefangene Tur- teltauben mit kleinen, lediglich fünf Gramm schweren Argos-Satellitensendern aus, um mehr über die Zugwege, Brutgebiete und Winterquartiere zu erfahren. Auch wollte man mit dem Projekt mehr öffentliches In- teresse für die Turteltaube erzeugen. Die Senderdaten zeigten, dass die Tiere in Ita- lien, Rumänien und der Slowakei brüteten. Auf dem Herbstzug überquerten sie das Mittelmeer und die Sahara recht zügig und verbrachten den Winter südlich der Sahara in Mali, Burkina Faso und Nigeria. Taubenzug auf Malta Auf Malta ist die Frühjahrsjagd traditionell erlaubt Getötete Turteltaube Ansitze zur Jagd auf Zugvögel FOTOS: TIM MICALLEF, HANS-JOACHIM FÜNFSTÜCK, DAVID TIPLING, BIRDLIFE MALTA
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=