VOGELSCHUTZ 3-19

4|19 VOGELSCHUTZ 17 Die Straßen- oder Stadttaube kommt weltweit in allen größeren Städten und Siedlungen vor. Sie stammt von verwilderten Haus- und Brieftauben ab, die einstmals aus der Felsentaube gezüchtet wurden. In Deutsch- land kommt die Straßentaube seit Beginn des 20. Jahr- hunderts als wildlebende Vogelart vor. Sie nutzt statt der ursprünglich typischen Felsquartiere Gebäude als Nistplatz und brütet mitunter sogar unterirdisch in U-Bahnschächten oder in Parkhäusern. Als Neststand- orte wählt sie stets regengeschützte, schwer zugäng- liche Mauerlöcher, Simse und Hohlräume oder Trägerkonstruktionen. Dabei gehen die Vögel wenig zimperlich vor und errichten ihre Nester gelegentlich sogar unmittel- bar in oder auf Taubenabwehr- einrichtungen. Die Ringeltaube kommt in der ge- samten westlichen Paläarktis vor. So verwundert es wenig, dass sie auch unsere häufigste und am weitesten ver- breitete heimische Taubenart ist. Der ur- sprüngliche Waldvogel besiedelt heute Le- bensräume mit Gehölzen aller Art sowie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Innenstädte, Vorgärten und Dörfer in teilweise sehr hohen Dichten. Europa ist flächendeckend vom Mittelmeerraum bis zur borealen Wald- grenze besiedelt. Nur auf Island und im Norden Skandinaviens und Russlands fehlt die Art. Das Brutareal reicht darüber hinaus bis nach Vor- derasien und Westsibirien sowie von Zentral­ asien bis Nordwest-Indien und Nepal. Noch vor hundert Jahren war die Tür- kentaube als Brutvogel nur vom Pazifik bis zum Balkan bekannt. Infolge einer starken Arealerweiterung kommt sie heute jedoch in weiten Teilen Europas vor. In Deutschland brütet sie fast aus- schließlich im Siedlungsraum, von Ein- zelgehöften und kleinen Dörfern bis hin zu Großstädten. Die erste Brut der Türkentaube in Bayern wurde 1944 nachgewiesen. Ausschlaggebend für eine Besiedlung scheint eine durch- gängige Nahrungsverfügbarkeit vor allem im Winterhalbjahr zu sein. Des- halb lassen sich besonders dichte Be- stände in Tiergärten, in der Nähe von Geflügelhöfen oder Kleintierhaltungen sowie in landwirtschaftlichen Betrieben mit Getreidespeichern feststellen. Straßentaube Die Lebenskünstlerin Ringeltaube Die Allerweltstaube Türkentaube Die verspätete Europäerin FOTOS: MARCUS BOSCH, ZDENEK TUNKA (3)

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