VOGELSCHUTZ 3-19
8 VOGELSCHUTZ 3|19 Wenn Sie diese Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift Vo- gelschutz in Händen halten, ist unser neues, besseres Baye- risches Naturschutzgesetz bereits in Kraft getreten. Seit dem 1. August 2019 gelten nicht nur die durch das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ erkämpften neuen Para- graphen, sondern auch das darüber hinausgehende Begleit- gesetz und die zusätzlichen Maßnahmen, für die wir eben- falls maßgebliche Verantwortung tragen. Ein Gesamtpaket, das wirklich beachtlich ist! Als Mitglied des Trägerkreises aus ÖDP, Gregor Louis oder Umweltstiftung und LBV konnten wir am 17. Juli 2019 die Abstimmung im Bayerischen Landtag als Gäste auf der Besuchertribüne mitverfolgen. Die Grünen, vierte Organisa- tion im Trägerkreis, waren selbstverständlich ohnehin anwe- send. In fast allen Redebeiträgen wurde die Ernsthaftigkeit unseres Anliegens – der Wunsch, ja die Forderung so vieler Menschen in Bayern nach mehr Natur- und Arten- schutz – ersichtlich. Die Rede von Mini- sterpräsident Dr. Markus Söder möch- te ich durchaus als tief beeindruckend und sehr substanziell beschreiben. Auch in der Rede von Umweltminister Thorsten Glauber ist die große Bedeutung dieses Tages deutlich ge- worden. Waren beides wirklich epochale Reden, ein Eindruck, der durch die Wortwahl entstand? Erleben wir tatsächlich zumindest mittelfristig eine Trendumkehr beim Verlust der Biologischen Vielfalt in Bayern? Schaffen wir es jetzt vielleicht sogar, einiges von dem zurückzugewinnen, was wir in den vergangenen Jahrzehnten verloren haben? Das wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Die Atmosphäre im Maximilianeum an diesem 17. Juli 2019 ließ aber darauf schließen. Ich bin tatsächlich der Überzeugung: Wir haben gute Chancen, dass dieser Tag als „historisch“ in die Geschichte eingeht. Neue Gesetze finanzieren und umsetzen Der starke Rückenwind aus der Gesellschaft ist eindrucks- voll zu spüren. Die gesetzliche Grundlage ist vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, die notwendigen Gelder sowie das erforderliche Personal zur Verfügung zu stellen und die Vorgaben konsequent umzusetzen. Die Finanzierung muss sich im nächsten Doppelhaushalt niederschlagen. Wir werden dies genau beobachten. Bei der Umsetzung wird entscheidend sein, dass die neuen Gesetze nicht durch Ver- ordnungen aufgeweicht werden. So stehen beispielsweise ab sofort extensive Streuobstwiesen über 2.500 Quadrat- meter Fläche und artenreiche Flachlandmähwiesen unter generellem Schutz. Eine große Errungenschaft, nachdem wir seit den 1960er Jahren durch die Rodung von 15 Millio- nen Bäumen fast drei Viertel unserer Obstwiesen sowie seit den 1950er Jahren rund 85 Prozent unserer artenreichen Flachlandmähwiesen verloren haben. Es gibt aber jetzt Bestrebungen, diesen generellen Schutz durch völlig unsachgemäße Definitionen der Le- bensräume zu untergraben. Ähnlich sieht es aus mit der Anerkennung von Biotopen, die den Biotopverbund in unserer offenen Landschaft bilden sol- len. Verlassen Sie sich darauf: Der LBV wird hier ganz genau hinsehen und sich intensiv in die ent- sprechenden Diskussionen einbringen. Wir werden Sie, unsere Unterstützerinnen und Unterstützer, über die Ent- wicklungen in diesem Bereich selbstverständlich auf dem Laufenden halten. Auch das Ziel des Volksbegehrens, den Anteil des Ökolandbaus auf 30 Prozent zu steigern, ist sehr wichtig und sehr ambitioniert. Ohne stärkere Vermarktung bayerischer Bioprodukte auch über Discounter wird dieses Ziel wohl nicht zu erreichen sein. Dabei dürfen sich die An- bauverbände wie Naturland oder Bioland jedoch nicht von den Lebensmittelketten über den Tisch ziehen lassen. Die Erlöse für die Biobauern müssen wirtschaftlich bleiben. Erfolg über das Volksbegehren hinaus Nein, unser Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ ist nicht die Lösung aller unserer Probleme, aber es ist ein immens großer Schritt hin zu einem besseren Schutz un- serer Biologischen Vielfalt. Vielleicht noch wichtiger als der UNSER HISTORISCHER ERFOLG DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER S T A ND P UN K T Epochale Reden an einem historischen Tag?
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