VOGELSCHUTZ 3-19
32 VOGELSCHUTZ 3|19 Jan Niessen ist Professor für Strategische Marktbearbeitung in der Biobranche und Studiengangsleiter für Management in der Biobran- che an der Technischen Hochschule Nürnberg. Wir wollten von ihm wissen, ob 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 wie im Volksbegehren ge- fordert möglich sind und was der Verbraucher dazu beitragen kann. N A T U R S C HU T Z P O L I T I K Der Ökolandbau erreicht die Discounter Steigende Absatzchancen für Verbands-Biobauern VOGELSCHUTZ: Bioland ist Ende 2018 eine Kooperation mit dem Discounter Lidl eingegangen. Ist das ein Durchbruch für den Ökolandbau auf dem Weg zu einem Anteil von 30 Prozent bis 2030, wie ihn das Volksbegehren Artenvielfalt gefordert hat? Jan Niessen: Das ist zumindest ein wichtiger Schritt, um den heimischen Ökolandbau breiter im Markt aufzustel- len. Bisher hatten nationale Handelsunternehmen nur mit internationalen Bioanbauverbänden zusammengear- beitet, etwa bei Zitrusfrüchten, Bananen oder Obst und Gemüse aus Südeuropa. Durch die Kooperation bekommt der Anbau heimischer, zum Teil sogar regionaler Biowa- re mit hohen Standards und entsprechend positiven Wir- kungen für Umweltschutz, Artenvielfalt und Tierwohl ei- nen starken Schub. VS: Wie hoch schätzen Sie das zusätzliche Absatzpotenzial durch Discounter ein? Niessen: Ein Beispiel: Im Jahr 2018 erzielte Lidl in Deutsch- land einen Umsatz von über 22 Milliarden Euro. Etwa zwei bis drei Prozent davon entfielen auf Biolebensmittel. Ziel ist sicherlich, diesen Bio-Umsatzanteil in den kommenden Jahren mindestens zu verdoppeln. Jedes Prozent macht bei weiterem Wachstum über 220 Millionen zusätzlichen Bio-Umsatz. Begleitet wird dieses Vorhaben von einer massiven Produktwerbung, wie sie die Biobranche nie ge- leistet hat. Lidl bietet zudem statt EU-Bio-Milch nur noch heimische Bioland-Milch an. Laut der Lebensmittelzeitung konnte Lidl im ersten Quartal den Umsatz für Biojoghurt um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Davon wird ein ordentlicher Teil eigenes Bio-Zuwachsgeschäft sein, ohne andere Akteure zu kannibalisieren. VS: Sind Discounter-Kunden überhaupt bereit, höhere Prei- se für Bioware mit Verbandsstandard zu zahlen? Niessen: Nein, das brauchen sie auch nicht. Dank der ef- fizienten Strukturen der Discounter bleiben die Endver- braucherpreise auf EU-Bio-Niveau und die Erzeugerpreise stabil. VS: Lange wollte Bioland nicht mit Discountern zusammen- arbeiten, weil man sich nicht dem Preisdruck wie bei kon- ventionellen Lebensmitteln aussetzen wollte. Niessen: Entscheidend wird sein, dass sich im Biomarkt weiterhin Angebot und Nachfrage die Waage halten. So- lange wir nicht zu viel Bioware erzeugen, gibt es kein Preis Kleiner Fuchs auf einer Kornblume am Ackerrain
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