VOGELSCHUTZ 3-19
30 VOGELSCHUTZ 3|19 ebewesen brauchen Licht und Dunkel. Die sich im Jahreslauf verändernde Tag- und Nachtlänge beeinflusst wichtige Abläufe wie Nahrungssuche, Fortpflanzung oder die Vorbereitung auf die Winterruhe der Tiere. Selbst eine vergleichsweise schwache Beleuch- tung im Garten kann schon ihre „innere Uhr“ durchein- anderbringen. So wurden Amseln in beleuchteten Arealen beobachtet, die mitten in der Nacht sangen oder viel zu früh im Jahr mit dem Brutgeschäft begannen, weil sie die tatsächliche Ta- geslänge nicht mehr abschätzen konn- ten. Fangen die Vögel aber verfrüht mit der Aufzucht an, werden sie beispiels- weise zu wenig Insektennahrung für ihre Jungen finden. Besonders auf die ohnehin angeschlagene Insekten- welt wirkt sich Licht zu ungewohnter Zeit gravierend aus: Nachtfalter, von denen einige auch bei Tag aktiv sind, stel- len rund 90 Prozent aller Schmetterlingsarten in Deutsch- land. Die meist einfach als „Motten“ bezeichneten Falter Streulicht von Straßenlampen, Leuchtrekla- men, Flutlichtanlagen und viele andere Licht- quellen haben vielerorts den Nachthimmel verschwinden lassen (und bilden stattdes- sen weithin sichtbare Lichtdome über den Ballungszentren). Doch es gibt gute Gründe, Mensch und Tier die Nacht zu erhalten. Auch die Novellierung des Bayerischen Natur- schutzgesetzes will mehr gegen die Lichtver- schmutzung tun. sind nicht nur wichtige Bestäuber, sondern dienen auch den nachtaktiven Fledermäusen, Igeln oder Spitzmäusen als Nahrung. Ihre Raupen werden ebenso von den tagak- tiven Gartenbewohnern geschätzt. Im Gegensatz zu den tagaktiven Schmetterlingen erfolgt das Verschwinden der Nachtfalter weitgehend unbemerkt, da wir sie oft gar nicht wahrnehmen. Jede Nacht verendenMillionen Insekten an Lampen, die sie für den Mond halten und orientierungslos bis zur to- talen Erschöpfung umkreisen. Andere schlüpfen auf dem Weg zum Licht in Ritzen der Lampengehäuse und sind dort gefangen oder sie verbrennen an heißen Leuchtmitteln. Trotz dieser und vieler weiterer Auswirkungen auf die Tierwelt werden die wenigsten Gartenbesitzer ganz auf eine Außenbeleuchtung verzichten wollen. Aus Sicher- heitsgründen möchten viele zumindest einige Bereiche ihres Grundstückes ausleuchten. Aktuell beliebt sind LED-Lichter, da sie deutlich weniger Strom als herkömm- liche Leuchtmittel verbrauchen und länger leuchten. Sie werden daher gern in größerer Stückzahl angebracht. Unter dem Strich wird dadurch mitt- lerweile deutlich mehr Energie für die Beleuchtung verbraucht als noch vor zehn Jahren. Selbst die „umwelt- freundlichen“ Solarlampen brennen nach sonnigen Tagen automatisch stundenlang, auch wenn gar niemand mehr im Garten sitzt. Wer auf eine Beleuchtung im Garten nicht verzichten will oder kann, sollte zumindest „warmweiße“ LED-Leuch- ten mit einer Farbtemperatur von max. 3.000 Kelvin wäh- len. Lampen mit Lichtfarben im UV- und Blau-Bereich über 3.000 Kelvin sind hingegen nicht zu empfehlen, da Insekten besonders sensibel auf diese Strahlung reagieren und die Auch Vögel kommen in ihrem Brut-Rhythmus durcheinander LICHT AUS! Was mit Lebewesen im Garten geschieht, wenn wir auch dort die Nacht zum Tag machen L G A R T E N
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=