VOGELSCHUTZ 3-19

3|19 VOGELSCHUTZ 29 Gunnar Hartmann ist Mitglied der Naturschutzjugend in Kempten und geht jeden Freitag für das Klima auf die Straße. FOR FUTURE FOTOS: LUCA RICCOBOLO, LEONARD GERNER NA J U VOGELSCHUTZ: Warum engagierst du dich bei Fridays for Future? Gunnar Hartmann: Schon seit einiger Zeit möchte ich etwas für die Umwelt und das Klima tun, aber ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Als ich von Greta Thunberg erfuhr, wollte ich das sofort auch bei uns in Kempten auf- greifen und beschloss, eine Demonstration zu organisieren. VS: Wie hast du das gemacht? Gunnar: Zuerst überzeugte ich einige aus der Klasse, dann schrieb ich Unbekannte auf WhatsApp an, sprach Leute im Bus an, vernetzte mich mit Greenpeace, von denen ich ein Megaphon bekam. Nach einigen Hürden schafften wir es einen 18-Jährigen zu finden, der die Demo anmeldete. Ganz am Anfang rechnete ich mit ca. 20 Leuten; als wir die Demo anmeldeten, gaben wir die Teilnehmerzahl ganz vage mit 200 an. Am Ende kamen 650 Jugendliche und ein paar Erwachsene. Mehr als das Zehnfache mit dem ich an- fangs gerechnet hatte. Bis heute habe ich nicht verstan- den, wie wir das geschafft haben. VS: Wie verlief die Demonstration? Gunnar: Keiner von uns hatte bisher eine Demo gemacht und es war alles improvisiert. Am Rathausplatz mussten wir unsere Reden von einem Schneehaufen aus halten, weil wir keine Bühne hatten. Von dort stellten wir dann unsere Forderungen an die Stadt Kempten. Der Oberbür- germeister kam auch und lud uns zum Gespräch ein. VS: Was sind eure Ziele in Kempten und in Deutschland? Gunnar: Die Politik soll endlich die Klimakrise auch als eine Krise behandeln. Es gibt das Pariser Klimaschutzab- kommen, das aber in keinster Weise erfüllt wird, wenn wir so wirtschaften wie bisher. In Kempten müsste zum Beispiel viel mehr in den öffentli- chen Nahverkehr oder in Radwege investiert werden. Denn so, wie die Stadt zurzeit mit Autos befahrbar ist, wird es kaum einen Umstieg in der Bevölkerung auf den Bus oder das Fahrrad geben. Im Wohnen, Bauen, in der Industrie und der Landwirtschaft kann so viel getan werden, wenn es denn gewollt wäre! Es scheint mir aber so, als ob das Geld und die Wirtschaft dem Menschen das Denken raubt. VS: Wie seid ihr organisiert? Gunnar: Wir haben mittlerweile über 400 Ortsgruppen in Deutschland. Jede Ortsgruppe hat zwei bis drei Delegierte, welche auf Bundesebene die Stadt vertreten. Aus einem wilden Haufen von Jugendlichen hat sich inzwischen ein sehr professionelles Netzwerk gebildet, das alles demo- kratisch entscheidet. VS: Wie kann man sich als Erwachsener einbringen? Gunnar: Erwachsene sind immer willkommen. Auf der Website von fridaysforfuture.de sind alle Ortsgruppen vertreten und dort sind Kontaktdaten zu allen einzelnen Ortsgruppen. Die Klimakrise ist ja nicht nur ein Problem der Jugend, sondern von uns allen! INTERVIEW: TOBIAS GUGGENMOS

RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=