VOGELSCHUTZ 2-19
8 VOGELSCHUTZ 2|19 „Freizeit vs. Natur“ – Es ist schon etwas paradox, dass genau die Menschen, die es voller Begeisterung in unsere Natur zieht, oftmals zur Belastung für exakt diese Natur werden. Der LBV will hier nicht Spielverderber sein; wir wollen die Men- schen nicht aus der Natur aussperren, ganz im Gegenteil. So haben wir beispielsweise mit Kletterern Lösungen entwickelt, die ein Nebeneinander oder besser gesagt, ein Nacheinan- der von Felsbrütern und Kletterern ermöglichen. In Wiesen- brütergebieten, in wichtigen Wasservogelgebieten und an Wildflüssen brauchen wir eine durchdachte und konsequent umgesetzte Besucherlenkung, die zeitlich und räumlich an die Bedürfnisse unserer empfindlichsten Arten angepasst ist. So sind in den Alpen, insbesondere im Winter, Ruhezonen unerlässlich. Hierdurch können Menschen unse- re Natur genießen und dennoch auch unsere empfindlichsten Arten überleben. Es ist seit langer Zeit Kerngeschäft des LBV, sich konstruktiv und fachlich fundiert an der Entwicklung von Lö- sungen im Bereich „Freizeit und Natur“ zu beteiligen. Neue Probleme bei der Freizeitnutzung Eigentlich eine gute Sache, dass es die Menschen in unsere Natur zieht, aber wir müssen uns der Auswirkungen bewusst werden. Verschärft wird die Situation zum einen dadurch, dass die Menschen immer mobiler, gleichzeitig die wirklich attraktiven Landschaften immer kleiner werden. Schnell eine halbe Stundemit demAuto fahren, um in einemWiesengebiet mit oder ohne Hund spazieren zu gehen oder Fahrrad zu fah- ren – leider genau da, wo Wiesenbrüter ihre Ruhe brauchen. Für ein paar Stunden Klettern in der Fränkischen Schweiz, wo Uhus und Wanderfalken brüten. Oder zumGrillen an die Obe- re Isar, mitten in den Lebensraum von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer. Zumanderen gibt es viele neue Trendsport- arten: Noch vor wenigen Jahren war beispielsweise Stand Up Paddling fast unbekannt und das Surfen oder Kanufahren weitgehend auf die warme Jahreszeit beschränkt. Im Neo- prenanzug stehen Stehpaddlern unsere großen Seen heute ganzjährig offen. Auch während der Mauser-, Zug- und Über- winterungszeit von Wasservögeln, die gerade dann, ebenso wie zur Brutzeit, besonders viel Ruhe benötigen. Skifahrenwar früher durch Tageslicht begrenzt, während der Dämmerung und in den Nachtstunden gehörte der Lebensraum den Tie- ren. Mit immens starken Stirnlampen ist heute Skifahren rund um die Uhr möglich. Im Sommer bringen E-Bikes immer mehr Menschen in abgelegene Bergregionen, die ihnen vorher so nicht zugänglich waren. An diesen neuen Problemen müssen wir gemeinsam arbeiten. Volksbegehren – der Erfolg ist amtlich Unser Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ hat in den vergangenen Monaten das Leben vieler LBVler regelrecht do- miniert. Am 14. März 2019 wurde das amtliche Endergebnis bekannt- gegeben. Dem zufolge haben exakt 1.741.017 Menschen und damit 18,3 Prozent aller Stimmbe- rechtigten mit ihrer Unterschrift unser Volksbegehren unter- stützt. Besonders beachtlich ist, dass wir in allen 96 kreisfreien Städten und Landkreisen im Freistaat die erforderliche Hürde von 10 Prozent genommen haben. Ein überwältigender Erfolg, das beste Ergebnis eines Volksbegehrens in der Geschichte Bayerns, eine Sternstunde für den Natur- und Artenschutz im Freistaat – und für den LBV! Auf unsere zentrale Rolle in diesem Volksbegehren bin ich unendlich stolz. Unser aller Kraftakt hat sich gelohnt. Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die das Volksbegehren überall in Bayern mit bewundernswertem Engagement unterstützt haben. Auf die- sen Erfolg werden wir noch in vielen Jahren zurückschauen, davon bin ich überzeugt. Übrigens hat unser Volksbegehren nicht nur in Bayern, sondern in der ganzen Bundesrepublik und weit darüber hinaus bis nach Australien große Aufmerk- samkeit gefunden. „Bayern ist spitze“ – dass man jetzt so über Bayern spricht, das ist unser aller Erfolg. Volksbegehren zeigt Wirkung Im Anschluss an die Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses durch den Landeswahlleiter haben eine ganze Flut von Run- Bayern kann Vorreiter im Naturschutz werden S T A ND P UN K T „Freizeit vs. Natur“ – das ist schon etwas paradox DR. NORBERT SCHÄFFER LBV-VORSITZENDER
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