VOGELSCHUTZ 2-19

2|19 VOGELSCHUTZ 35 FOTOS: CARL-PETER HERBOLZHEIMER, PETER BRIA, ANDREAS HARTL Bekannte Konfliktthemen im Alltag sind z.B. unange- leinte Hunde oder die Frage nach der gezielten Jagd auf Tierarten wie Kormoran und Wolf. Tipps zum besseren Umgang mit schwierigen Zeitgenossen Aktiv zuhören: Interessieren Sie sich für die Sichtweise des anderen! Las- sen Sie zuerst ihn reden, lassen Sie ihn ausreden, hören Sie aufmerksam zu, nehmen Sie das Tempo aus dem Dialog und fragen Sie dann nach, was Sie genau verstanden haben sollten. Ein wesentlicher Teil der Eskalation kommt oft aus der unbewussten Angst, nicht genug gesehen zu werden. Wenn der Gegenüber spürt, dass Sie seine Sichtweise anhören und auch ernst nehmen, kann das den Boden bereiten, dass er sich ändert. Nachfragen : Konflikte eskalieren oft, weil beide Seiten die Probleme und das Bild vom anderen zunehmend vereinfachen. Steuern Sie dagegen: Fra- gen Sie nach, was genau dem anderen wichtig ist, wo er das Problem sieht, was er glaubt, erlebt hat, erreichen möchte. Auch Killerphrasen begegnet man am besten durch Nachfragen: Auf Ver- allgemeinerungen wie „Die sind doch alle gleich!“, „Das ist immer dassel- be!“, „Das hat doch keinen Sinn!“ können Sie im ersten Schritt mit Nach- fragen reagieren: – Inwiefern sind die alle gleich? – Immer? Wann genau war es so? – Was genau hat keinen Sinn? Warum? Im zweiten Schritt fragen Sie den anderen nach Lösungen: – Woran würden Sie merken, dass die nicht alle gleich sind? – Was könnte man tun, dass es jetzt anders läuft? – Was müsste sein, damit es Sinn macht? Den Dissens benennen und respektieren, wo er im Augen- blick nicht aufgelöst werden kann: Es gibt Differenzen, die momentan nicht geändert werden können. Indem Sie dies mutig aussprechen, zollen Sie ihrem Gegenüber genauso wie sich selber Respekt: Das sehen wir unterschiedlich! Sei- en Sie derjenige, der vorlebt, dass man die Spannung des Dissens aushalten kann. LBV-Fortbildung: Konflikte klären in der Naturschutzarbeit , München, 11.05.2019 Mehr unter: www.lbv.de/fortbildungen Gesprächstechniken Kormoran Kommentar Ein Naturschutzwächter gibt Einblick in seine Arbeit: Als Naturschutzwächter muss ich schnell entscheiden, ob es sich um Nichtwissen, Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat handelt und entsprechend reagieren. Als Grundregel gilt, immer zuerst das Gute im Menschen zu sehen. Hebt der Beobachte- te Müll auf, den ein anderer weggeworfen hat? Ist ihm beim Betrachten der Natur die Brille heruntergefallen? Häufiger ist der Grund für auffälliges Verhalten in der Na- tur eher eine Tat, die ein niederrangiges Verbot verletzt, z.B. Blumenpflücken oder Steinesammeln – harmlos, aber unter Um- ständen nicht erlaubt. Im Schutzgebiet haben die Interessen der Natur Vorrang. Meine Entscheidung ist in so einem Fall klar, aber eine angemes- sene Wortwahl ist sehr wichtig. Das Nein muss klar rüberkommen, die dauerhafte, in Zukunft freiwillige Verhaltensänderung ist das Ziel, ohne den Bürger langfristig zu verärgern. Auch wenn man dieselben fa- denscheinigen Ausreden alle paar Minuten oder am nächsten Tag von denselben Leu- ten wieder hört. Man muss Mensch blei- ben, aber ein Mensch, der die Natur kennt und zu ihrem notwendigen Schutz bereit ist, Klartext zu reden. ADI BAUMEISTER , Mitglied der AGNA (Dach- verband der Bayerischen Naturschutzwacht) ROLF BERKER Dipl.-Psychologe Moderation und Mediation E-Mail: info@rolfberker.de Auch bei Konflikten zwischen Mensch und Tier haben wir auf unserer Webseite hilfreiche Tipps zum richtigen Umgang mit den „wilden Nachbarn“ www.lbv.de/konflikte-mit-tieren i

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