VOGELSCHUTZ 2-19
14 VOGELSCHUTZ 2|19 en es in der Freizeit in die Natur und Berge zieht, der setzt sich dazu noch allzu oft ins Auto. Entspre- chend herrscht in den Alpen starker Verkehr am Wochenende oder in Ferienzeiten. Lösungsansätze wären je- doch vorhanden: Das Projekt „Fahrtziel Natur“ von Deutscher Bahn und Umweltverbänden verknüpft nachhaltige Mobilität und Naturschutz. Besonders beworben werden Freizeit- und Tourismusleistungen, die eine Mobilität auf Gästekarten enthalten, wie „Bad Hindelang PLUS“ im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Doch nur wenige Kommunen oder Tou- rismusregionen trauen sich, den Indivi- dualverkehr konsequent einzuschränken. Geschürt wird der Ansturm auf die Berge auch durch die sozialen Me- dien. „Geheimtipps“ werden veröffent- licht, traumhafte Fotos bewerben we- nig bekannte Standorte, für abgelegene Bergpfade gibt es GPS-Tracks, sodass jeder Nicht-Ortsunkundige sie findet. Outdoor-Plattformen haben starken Zulauf, immer mehr Aktivitäten können in den jeweiligen Regionen abgerufen werden. Durch neue Entwicklungen wie Stirnlampen mit der Leistung eines Autoscheinwerfers oder E-Mountainbikes ver- ändert sich auch das Freizeitverhalten, weil technisch einfach immer mehr für immer mehr Menschen möglich ist. Gerade wenn sich all diese Freizeitaktivitäten in einem Gebiet räum- lich-zeitlich überlagern, können sie zu großen Problemen von der Brutaufgabe bis zum Tod der Tiere führen. T H EMA Wandern und Gleitschirmfliegen Zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß Zwischen Freizeitgesellschaft und Naturschutz – Trends, Konflikte und Lösungen Freizeitaktivitäten in der Natur: Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Allerdings gibt es kaum wissenschaftlich belastbare Aus- sagen zu Auswirkungen einzelner oder sich überlagernder Freizeitsportarten. So sind Naturschutzbehörden gezwun- gen, nach dem Vorsichtsprinzip vorzugehen und natur- schutzrechtliche Auflagen nach eher subjektiven Kriterien zu formulieren. Hinzu kommt, dass heute immer weniger Nut- zer in Verbänden organisiert sind. Das Freizeitverhalten er- folgt spontan, wenn die Wetter-App „grünes Licht“ gibt oder der „Pulverschneealarm“ blinkt. Je gerin- ger aber der Organisationsgrad, umso schwieriger sind die einzelnen Nutzer er- reichbar. In diesem Zusammenhang kommt dem Deutschen Alpenverein (DAV) eine besondere Verantwortung zu (siehe auch Interview S. 16). Mit über einer Million Mit- gliedern vertritt er Bergbegeisterte in ganz Deutschland – auch als anerkannter Naturschutzverband, wie er beim Streit um das Riedberger Horn und den Alpenplan ge- zeigt hat. Durch seine Reichweite kann er etwa beim Skitou- rengehen oder Schneeschuhwandern Lenkungsmaßnahmen zugunsten von zum Beispiel Birkhühnern wirksam umzuset- zen. Umweltverträgliche Routen werden erarbeitet und vor Ort beschildert. Auch für Mountainbiker arbeitet der DAV ak- tuell in einem Pilotprojekt in den Landkreisen Oberallgäu und Bad Tölz-Wolfratshausen an Lenkungsmaßnahmen. Nach Schätzungen des DAV gab es 2017 allein über 500.000 Sportkletterer in Deutschland. Sie nutzen in den Immer mehr Freizeitnutzer strömen in die bayerischen Berge und erleben sie auf unter- schiedlichste Art und Weise: als reine Kulisse oder als beeindruckendes Naturerlebnis. Zu- sammengenommen und ohne eine Lenkung kann so eine an sich positive Entwicklung ge- nau diese Natur schädigen.
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