VOGELSCHUTZ 1-19

32 VOGELSCHUTZ 1|19 rünflächen im Garten sollen viele Wünsche erfül- len. Während der Fan des englischen Rasens sei- nem Ideal hinterherjagt, denkt der Naturliebhaber an eine Blumenwiese für Schmetterlinge und Bienen. Die meisten Gartenbesitzer entscheiden sich jedoch schlicht für die Rasenmischung „Gebrauchsrasen“, die strapazierfähig ist und überwiegend aus Weidel-, Rispen- und Schwingel- gräsern besteht. Aber egal für welchen Typ man sich letzt- endlich entscheidet, Pflege brauchen sie alle. Meine zwei kleinen Rasenflächen beispielsweise müs- sen fußballtauglich sein. Abseits davon aber herrscht ein wunderbar unordentliches, blühendes und verblühtes Cha- os in meinem Naturgarten. Der Garten meines Nachbarn hingegen scheint nur aus Rasenfläche zu bestehen. Zuge- geben, er ist perfekt gepflegt. Grün, saftig, mit einer akkurat gestutzten Länge. Gepflegt wird er nämlich von einem lei- sen, dauersurrenden Mähroboter. Das sind automatisierte Gartenhelfer, die nur in einem abgesteckten Bereich mähen und zum Aufladen selbstständig zur eigenen Ladestation fahren. Das wöchentliche, zeitfressende Rasenmähen ent- fällt somit komplett. Aber einen Haken gibt es: In der Gebrauchsanweisung findet sich der Hinweis, dass Mähroboter nicht unbeauf- sichtigt arbeiten dürfen, wenn Kinder oder Haustiere in der Nähe sind. Kein Problem für meinen Nachbarn. Seine Kinder spielen nämlich jetzt bei mir. Seine Igel, Bienen und Schmetterlinge sind auch zu uns übergesiedelt. Die einzi- gen Tiere, die sich noch gerne auf seinem kurz gehalten Ra- sen aufhalten, sind Amseln und Singdrosseln, weil sie nun leichter einen Regenwurm aus dem Boden ziehen können. Mähroboter für mehr Freizeit Die meisten Menschen schaffen sich einen Rasenroboter an, weil sie lieber den Garten genießen möchten, statt ihn regelmäßig zu mähen. Alle wollen frei sein und Zeit sparen. Aus diesem Grund setzen die Gartenbesitzer auf große mo- notone Rasenflächen ohne störende Beete oder Streuobst. Ganz hip sind momentan asiatisch anmutende Gärten mit Steinen und Wasserelementen, die dann von einem Robo- ter umrundet werden. Dazu kommt noch die automatische Bewässerungsanlage, damit auch alles schön grün bleibt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. So auch bei der Rasennutzung. Trotzdem sollten alle Gartenbesitzer zumindest einsehen, dass Mähroboter eine Gefahr für Mensch und Tier sind. Ein Kommentar der LBV-Igelexpertin Martina Gehret. G Mähroboter und Zierrasen statt Igel und Blumenwiese K OMME N T A R EIN KOMMENTAR VON MARTINA GEHRET Dipl. Ing. Wald- und Forstwirtschaft LBV-Referat Artenschutz Igelbeauftragte E-Mail: martina.gehret@lbv.de Lassen Sie Ihren Mähroboter nicht unbeaufsichtigt

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