VOGELSCHUTZ 1-19
1|19 VOGELSCHUTZ 31 zu verhindern. Noch seltener finden sich Tierhaare, Federn und Wolle im Garten. Aber hier lässt sich leicht Abhilfe schaf- fen: In geeigneten Behältern können Sie Federn, vielleicht vom nahen Hühnerhof, Schafwolle und kurz geschnittene Wollfä- den (möglichst kein Kunststoff) anbieten. Die Behälter werden beispielsweise an einen niedrigen Ast gehängt – natürlich außer Reichweite von Katzen. Solche Behälter sind fertig im Handel erhält- lich, man kann sie aber auch aus allen möglichen Gegen- ständen selber bauen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Öffnungen einerseits klein genug und so angebracht sind, dass das Material trocken bleibt und nicht herausfällt. Andererseits müssen sie groß genug sein, dass die Vögel das Angebot wahrnehmen und einzelne Fasern heraus- ziehen können. Geeignet sind zum Beispiel Meisenknödelhalter. Ebenso kann man eine Handvoll Heu im Garten ausstreuen. Dies lockt Haussperlinge und Stare an, die sich hieran für den Nestbau bedienen. Zum Dank für diese kleinen Hilfestellungen kann man sich an schönen Naturbeobachtungen während der gesamten Brutzeit erfreuen – beginnend mit dem Nestbau über die Nah- rungssuche der Altvögel bis hin zum Aus- fliegen der Jungen. Grashalme, Haare, Pflanzenwolle, Spinn- weben und Flechten zu kleinen Nistku- geln mit seitlichem Eingang und polstern das Innere dann mit bis zu 3.000 feinen Federn aus. Die Nachtigall setzt beim Nestbau hingegen auf Fasern etwa von alten Brennnesselstängeln und Stieglitze polstern ihre Kinderstube mit besonders weicher Pflanzenwolle aus, beispielsweise mit Fruchthaaren von Disteln. Manche Arten stabilisieren zudem ihre Nester oder Nestmulden, indem sie Pflanzenfasern mit Speichel ver- mischen (Singdrossel), feuchte Erde einbauen (Amsel) oder das ganze Nest aus Lehm fertigen (Schwalben). Einige frei- brütende Vogelarten tarnen zusätzlich ihre Nester. So ver- wenden Buchfinken Spinnweben, um damit Flechten außen an der Nestschale zu verkleben. Ein besonderes Nistmaterial nutzt der Kleiber, nämlich die Rindenplättchen der Waldkie- fer. Selbst wenn weit und breit keine Kiefer steht, finden sich Rindenplättchen in den Nestern. Sie werden also auch von weither geholt. Nistmaterial anbieten Die meisten Nistmaterialien wie zum Beispiel dürre Grashal- me oder Blätter, feine Ästchen und Moos finden Vögel auch in Gärten, sofern der Mensch etwas Unordnung zulässt. Mit Pflanzenwolle sieht es hingegen schon schlechter aus, denn Verblühtes wird von Gartenbesitzern gerne schnell entfernt, um ein unerwünschtes Aussamen beispielsweise von Disteln Wenn der Mensch etwas Unordnung im Garten zu- lässt, finden Vögel leichter geeignetes Nistmaterial ANITA SCHÄFFER Dipl. Forstwirtin Buchautorin und Redaktionsmitglied E-Mail: infoservice@lbv.de FOTOS: ROSL RÖSSNER, ANITA SCHÄFFER, RALPH STURM, GERHARD WINKLER Das Buchfink-Nest ist schön getarnt mit Moos und Flechten. Das Amselnest aus Zweigen, Laub und Moos ist innen mit feuchter Erde verstärkt und mit Federn gepolstert. Die ganze Geschichte zur Amselfamilie und ihrem besonderen Nest fin- den Sie unter www.cham.lbv.de/vogelgeschichte-des-jahres LBV-Online-Galerie: www.flickr.com/photos/lbvbayern/ Höhlenbrüter: Meisen, Sperlinge, Stare Halbhöhlenbrüter/Nischenbrüter: Hausrotschwanz, Rotkehlchen Freibrüter: Heckenbraunelle, Grünfink, Singdrossel Wer brütet wo?
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