VOGELSCHUTZ 3-18
18 VOGELSCHUTZ 3|18 chon im Mittelalter hängten die Menschen Nistkästen auf. Damals allerdings, um die Jungvögel darin zu mä- sten und dann zu verspeisen. Erst mit Industrialisie- rung und damit einhergehender Naturzerstörung entstand bei uns eine Naturschutzbewegung. So wurde bereits 1909 auf Betreiben des Königlich Bayerischen Innenministers in Bamberg die „Staatlich autorisierte Vogelschutzkommission für Bayern“ gegründet. Diese wurde nach dem Ersten Weltkrieg umbenannt in den „Staatlich anerkannten Aus- schuss für Vogelschutz“, der 1931 nach Garmisch-Partenkirchen zog und dort ab 1932 als „Landesverband für Vogel- schutz“ residierte. Ziel war damals, be- stimmte Vogelarten als „Nützlinge“ in der Land- und Forstwirtschaft zu fördern und „Schädlinge“ zu bekämpfen. So verkaufte der Verein zu Beginn nicht nur Nistkästen für die insektenfressenden Meisen, sondern auch Fallen gegen die getreidefressenden Spatzen. 1938 wurde der nun in „Landesbund für Vogelschutz in Bayern“ umbenannte Verein auf Erlass Hermann Görings in ÜBER 100 JAHRE LBV S FOTOS: HERBERT HENDERKES, RICHARD FISCHER, LBV-ARCHIV (2) Vom Vogelschutz zum Naturschutz Vom Flugblatt für Vogelfreunde bis zur heutigen Zeitschrift VOGELSCHUTZ Verbandszeitung und LBV-Logo im Wandel der Zeit den „Reichsbund für Vogelschutz e.V.“ eingegliedert. Den- noch gab er sich 1943 eine eigene Satzung und wurde ein Jahr später ein eigenständiger Verein. Seine Autonomie er- hielt der damals rund 5.000 Mitglieder zählende LBV aber erst 1945 zurück. Mit demNachfolger des Deutschen Bundes für Vogelschutz, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), arbeitet er seitdem eng zusammen. In den nachfolgenden Jahrzehnten sollte sich der LBV rasant entwickeln. Dabei wurden unter dem Vorsitzenden Einhard Bezzel ab 1968 wissenschaft- liche ökologische Erkenntnisse zur Grundlage der praktischen LBV-Arbeit und der Schutz von Lebensräumen zur Hauptaufgabe des Vereins. Seit dem Kauf der ersten Fläche im Jahr 1972 konnte der LBV in der Folgezeit mit Geldern seines Arche Noah Fonds, erheblichen Eigenmitteln der Kreisgruppen und der Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds seinen Besitz auf aktuell rund 3.000 Hektar eigene Schutzgebiete erweitern. Als Ludwig Sothmann 1978 den Vorsitz übernahm, zählte 1913 1932 1972 1978 Ludwig Sothmann und der damalige Bayerische Umweltminister Alfred Dick im Jahr 1979. Der LBV blickt im Jubiläumsjahr des Freistaates auf eine bewegte Geschichte zurück. Von der einstigen Vogelschutzkommission wandelte er sich zu einem modernen Naturschutz- verband. Eine Erfolgsgeschichte, die auf dem Engagement von Ehrenamtlichen beruht. T H EMA 1978 zählte der LBV 10.000 Mitglieder. Heute sind es mehr als 85.000 Mitglieder
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