VOGELSCHUTZ 3-18
3|18 VOGELSCHUTZ 13 Artenhilfs-, Biodiversitäts- und GlücksSpirale-Projekte sind heute kaum mehr zu zählen. Naturschutz steht personell und finanziell so gut da wie noch nie. Die Überwindung rigoroser Flur-Ausräumung, Entsteinung, Moorzerstörung, undifferenzierter Aufforstung und Öd- landmelioration sind nicht zuletzt Erfolge der Verbände. Es gibt also allen Grund, auf das bisher Erreichte stolz zu sein. Doch genauso wahr ist, dass die Biodiversität trotz gewaltiger Rettungsbemühungen ins- gesamt dramatisch abgenommen hat. Wir haben Landschaftspflege- verbände gegründet, plagen uns mit datenreichen Managementplä- nen herum und glaubten jahrelang, mit europarechtlich prioritären Listenarten endlich die chronische Habitatverschlechterung stoppen zu können. Ebenso dachten wir lange Zeit, im Eingriffsausgleich den Stein der Weisen gefunden zu haben. Im Ergebnis konnten wir aber keine Trendwende herbeiführen. Grund sind die Katastrophen der Sozial-, Agrar-, Kriegs- und Tech- nikgeschichte und deren einflussreiche Akteure. Sie haben den Na- tur- und Artenschutz manchmal begünstigt, in der Regel aber konter- kariert und ausgehebelt. Gut gemeinte Leitbilder und Ziele werden durch „leider unvorhersehbare“ Entwicklungen unterlaufen. Zielarten brechen weg, wenn der Generaltrend der Landschaft nicht passt, Stichworte: EU-Agrarpolitik, Immissionen, Zerschneidungs- und Frag- mentierungseffekte durch mangelnde Verknüpfung von Naturschutz- und Raumordnungs-/Wirtschaftspolitik. Hier ist massives Umdenken gefordert. ALFRED RINGLER war 15 Jahre lang Projektleiter des Landschaftspflegekonzeptes Bayern für das Bayeri- sche Umweltministerium und Initiator des Moorent- wicklungskonzeptes Bayern. Er ist Autor vieler Fach- bücher und populärer Veröffentlichungen. E-Mail: pla.ringler@t-online.de Kommentar Bilder des Trostes bei Gammelsdorf (Lkr.Freising), Aufnahmen vom selben Ort 1959 und 2015: Hier hat erst die Jetztzeit wertvolle Neuntöterbiotope (Brachen mit selbst angeflogenen Schlehenhecken) auf maschinell nicht mehr nutz- baren Böschungen hervorgebracht. 1959 2015 Mainlandschaft um Staffelbach (Lkr. Bamberg) 1960 (links) und 2016 (rechts). Eigene Auswertung multitemporaler Luft- bilder und der Biotopkartierung. Völlig umgekrempelte Habitatstruktur: Schlagvergrößerung durch Flurberei- nigung, begleitet von weitgehender Eliminierung der Acker- und Streuobst- parzellen sowie des Magerrasens. Nicht nur im Münchner Speckgürtel und im Knoblauchsland hat die Landschafts- und Habitatstruktur einen radikalen Umsturz erlebt, der alle Artengruppen in seinen Strudel hineinzog! Schwarz: Siedlung + Verkehrswege. Blau: Nassbaggerungen (+ sonstige Gewässer). Grün und gelb: Acker- und Grünland- schläge (Farbwechsel bezeichnet aber nur die Parzellenmarkierung, nicht etwa Grün- oder Ackerland). Rot: Ackerobstbestände. Orange: Magerrasen. Schwarz umrandete Polygone: Nieder- und Mittelwaldschläge sowie Saumbiozönosen. 2016
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