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harakterart des Gebiets ist der Dü- nen-Sandlaufkäfer, der dort in beträcht- licher Anzahl vorkommt. Dieser räube- risch lebende Laufkäfer ist leicht zu beobachten, wenn er den menschlichen Schritten ausweicht und in Scharen kurze Strecken über dem Boden fliegt. Bei genauerer Betrachtung mit dem Fern- glas kann man die typisch weiß behaarten und rotgrün-metallisch schimmernden Beine sowie das formschöne „Tarnmuster“ auf den Deckflü- geln erkennen. Neben den ausgedehnten Sandbodenflächen und südexponierten Steilhängen wird das Bild sowohl von temporären als auch ständig Wasser führenden Flachgewässern geprägt, die auf Libel- len wie ein Magnet wirken. Bei einer Bestandser- hebung konnten im vergangenen Jahr 27 Libel- lenarten festgestellt werden, darunter eine große Anzahl der Gemeinen Binsenjungfer, die Kleine Binsenjungfer, die Kleine Pechlibelle, die Frühe und Schwarze Heidelibelle sowie die Braune Mo- saikjungfer. Sogar die Kleine Zangenlibelle und die Zweigestreifte Quelljungfer, die in gänzlich anderen Lebensräumen zu Hause sind, zählten zu den Besuchern. Berücksichtigt man ältere Kar- tierungen des Landesamtes für Umwelt (LfU), so kommt man auf insgesamt 29 Libellenarten, was über ein Drittel der in Deutschland nachgewie- senen Arten ausmacht. Das Abbaugebiet bei Gärtenroth ist ein kleines Juwel. Dies konnte bereits 2007 der Biologe Dr. Wolfgang Völkl bei einer Kartierung bestätigen, als er die beachtliche Anzahl von 54 Wildbienen- und 20 Grabwespenarten feststellte. Viele dieser Arten wie zum Beispiel die Sechsbindige Furchen- biene leben solitär und graben ihre Nester be- vorzugt in sandige Steilwände oder auch in den ebenen, schütter bewachsenen Sandboden, den sie in dieser ehemaligen Sandgrube noch ausrei- chend vorfinden. 2|18 VOGELSCHUTZ 17 Mehr Infos zu unseren Schutzgebieten finden Sie unter: www.lbv.de/unsere-schutzgebiete N S O W Neben dem offenen Boden bietet diese Gru- be aufgrund Ihrer kleinräumigen Verzahnung mit Wasserflächen, schütterer und dichter Vegeta tion vielen Arten einen Rückzugsraum innerhalb der intensiv agrarisch genutzten Landschaft. Um mehr über die hier lebenden Arten zu erfahren, ist für dieses Jahr eine genauere Bestandserhe- bung der Amphibien- und Reptilienvorkommen geplant. Schutzmaßnahmen des LBV Nach Beendigung der Ausbeutung erwarb die LBV-Kreisgruppe Lichtenfels 2012 diese wertvolle Rohbodenfläche von etwa 3,5 Hektar. An deren Grenze schließen sich Offenland und Wald an, die weitere zwei Hektar des Besitzes ausmachen. Gleichzeitig wurde die Sandgrube als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Aufgrund der Waldrandlage droht die Sand- grube durch den Einflug von Kiefern- und Bir- kensamen ihren Pioniercharakter zu verlieren, was langfristig auch das Ende der dortigen Ar- tenvielfalt bedeuten würde. Daher entfernte die Kreisgruppe Lichtenfels 2015 und 2017 tausen- de kleiner Kiefern und Birken. Im Randbereich führten die Kreisgruppe und der Landschafts- pflegeverband mehrere Baumfällungen durch und entbuschten die Steilhänge. Um Motorsport- lern den Zugang zu erschweren und das Gebiet zu beruhigen, wurden die Zufahrten von einem LBV-Aktiven blockiert. Das Offenhalten der Sand- grube soll in Zukunft von tierischen Landschafts- pflegern übernommen werden. So ist eine Be- weidung mit Ziegen geplant, die auch vor steilen Hängen, dornigen Sträuchern und Kiefern nicht Halt machen. JAN EBERT Freiberuflicher Umweltpädagoge Kreisgruppe Lichtenfels E-Mail: info@aquila-naturschule.de Die Sechsbindige Furchenbiene auf der Blüte einer Distel. Westlicher Teil der Sandgrube im August 2017. Die beginnende Sukzession ist deutlich erkennbar. In Nordbayern eher selten anzutref- fen: die Frühe Heidelibelle. Sie ist hier bodenständig. Die Schwarze Heidelibelle ist ab Ende Juli regelmäßig zu beobachten. C FOTOS: JAN EBERT (3), DR. EBERHARD PFEUFFER (2)
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