VOGELSCHUTZ_2_18

chon bei einer Insektenuntersuchung im Sommer vor zwei Jahren auf einer LBV-Flä- che im Naturschutzgebiet Regentalaue, dem größten Naturschutzgebiet der Oberpfalz, stellte sich ein erschreckendes Bild dar: Dort wächst neben einem Auwald ein großer Bestand Mädesüß, das Insekten normalerweise wie ein Magnet anzieht. Typischerweise fliegt dort auch der Mädesüß-Perlmutterfalter. Doch 2016 wa- ren dort kaum Insekten zu beobachten, weder Schmetterlinge noch Wildbienen noch Schweb- fliegen. Dass dies nicht nur eine Einzelbeo- bachtung war, belegen mittlerweile langjährige Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen, Rhein- land-Pfalz und Brandenburg. Sie haben mit einer standardisierten Untersuchungsmethode den dramatischen Rückgang der Insekten belegt. Die Hauptursache ist die zunehmend inten- sive Landnutzung. Statt blütenreicher Wiesen dominieren Intensivgrünland und großflächige Ackernutzung. Hecken, Brachflächen sowie un- genutzte Randstreifen an Wäldern, Feldwegen, Fließgewässern und Straßen verschwinden und nehmen somit den Insektenlarven die Möglich- keit, sich zu entwickeln. Die Lebensräume für In- sekten sind in unserer Landschaft generell sehr klein geworden, und manche Vorkommen sind 14 VOGELSCHUTZ 2|18 FOTOS: DR. EBERHARD PFEUFFER, ROSL RÖSSNER, THOMAS DUERST, BERND RAAB, PETER BRIA, RALPH STURM INSEKTENSTERBEN Seit letzten Oktober das von Krefelder Insektenforschern belegte Insek- tensterben durch eine internationale Studie bestätigt wurde, ist das The- ma endgültig in der Öffentlichkeit angekommen. Wir erklären Ihnen eini- ge Gründe für das Verschwinden. Warum sie verschwinden derart isoliert, dass der überlebenslebenswich- tige genetische Austausch zwischen den Popula- tionen fehlt. Hinzu kommt der Einsatz von Spritzmitteln (Herbizide und Insektizide) in der Landwirt- schaft, der zum einen zahlreiche Pflanzenarten vernichtet und zum anderen direkt gegen die Insekten wirkt. Durch den Wind werden die Gif- te über die Spritzfläche hinaus in die gesamte Landschaft verteilt und wirken somit nachweis- bar auch auf naturnah belassene Flächen. Die Folgen für die Natur zeigen sich ebenfalls in unserer Vogelwelt: Ohne genügend Insekten können keine Jungvögel aufgezogen werden. So werden im Sommer vielerorts zum Beispiel deutlich weniger Mauersegler und Schwalben als früher beobachtet. Sie finden nicht nur im- mer seltener geeignete Nistplätze, sondern als Insektenfresser, die im Flug jagen, auch immer weniger Nahrung. Ohne ein Umdenken in der landwirtschaft- lichen Nutzung und Subventionierung wird das Insektensterben mit all seinen Folgen weiter fortschreiten. Wir sollten deshalb Strukturen und Vielfalt auch außerhalb von Schutzgebieten, vor allem in der Kulturlandschaft, aber auch im Garten, wieder mehr schätzen und zulassen.  T H EMA DR. GISELA MERKEL-WALLNER Diplombiologin Stellvertretende Vorsitzende Kreisgruppe Cham Hainschwebflie- ge auf Kleinem Habichtskraut S Werden Sie jetzt Hummel-Pate! Mehr unter: www.lbv.de/pate

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