VOGELSCHUTZ_2_18

12 VOGELSCHUTZ 2|18 DR. THOMAS RÖDL Referat Artenschutz Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: thomas.roedl@lbv.de Der Wiedehopf – ein besonderer Vogel, der unsere Hilfe braucht! Wer gegen Glyphosat ist, darf auch im Garten keine Chemie einsetzen T H EMA Auch Sie können helfen, diesen besonderen Vogel zu schützen. Mehr Informationen dazu finden Sie auf Seite 22 und 23 in unserem Spendenaufruf. Nährwert und Aufwand. So gibt es beispielsweise in den lockeren, sandigen Böden der Colbitz-Letz- linger Heide, einem ehemaligen Truppenübungs- platz in Sachsen-Anhalt, kaum Maulwurfsgrillen und dennoch lebt dort eine wachsende Wiede- hopf-Population. Deren Nestjunge werden statt- dessen mit anderen Großinsekten gefüttert, vor- zugsweise diverse Heuschreckenarten. Große Insekten sind daher vermutlich generell aufgrund ihres günstigen Verhältnisses von Kalorien pro Mahlzeit entscheidend für den Aufzuchterfolg von Wiedehopfen. Die Nahrung des Wendehalses, der oft in den gleichen Lebensräumen wie der Wiedehopf brütet, sind dagegen kleine Insekten. Er frisst fast ausschließlich Ameisen. Trotz dieses Un- terschieds gilt aber für beide Arten: Sie brauchen nicht nur eine ausreichend hohe Dichte an Nahrungstieren, sondern diese müssen auch gut erreichbar sein. Wo daher zu dichte oder zu hohe Vegetation den Zugang zu den Insekten im oder auf dem Boden erschwert, haben beide Arten schlechte Karten. Optimal ist eine Kombination aus geeigneten strukturreichen Lebensräumen, die ausreichend Nahrungsinsekten aufweisen, die aufgrund spär- lich bewachsener Böden oder Brachen leicht zu- gängig sind, mit einem guten Nistplatzangebot. Dies sind vermutlich die Schlüsselfaktoren, um das Aussterben des Wiedehopfs in Bayern zu ver- hindern und den noch immer rapiden Rückgang des Wendehalses zu stoppen. Bislang konnte der LBV mit künstlichen Nist­ hilfen vor allem dem Wendehals helfen. Diese wichtige Sofortmaßnahme wurde bereits vieler- orts durchgeführt und brachte im Landkreis Roth nachweislich an geeigneten Stellen sehr schnell Erfolge. Beim Wiedehopf hingegen blieb der Er- folg aufgrund seiner hohen Abhängigkeit von Großinsekten bislang aus. Selbst Schutzgebiete bieten keinen Rückzugsraum und kein Nahrungs­ angebot, wenn sie zu klein und isoliert sind. Dies deckt sich eindrucksvoll mit einer Untersuchung des Krefelder Entomologischen Vereins, der 2017 durch seine Studie zum Insektensterben in ganz Deutschland bekannt wur- de. Die negativen Einflüsse industrieller Agrarflächen machen danach auch vor den Schutzgebietsgrenzen nicht halt. Was der Wiedehopf über die aktuellen Nistkastenaktionen hinaus be- nötigt, sind daher vor allem mehr und größere Flächen, die extensiv genutzt werden oder brach- liegen. Es ist kein Zufall, dass die wenigen Brutver- suche der letzten Jahre in Mittelfranken auf ge- nau solchen Flächen und auf Wirtschaftsflächen von Ökolandwirten stattfanden. Der Verzicht auf Pestizideinsatz im Ökolandbau macht hier einen entscheidenden Unterschied. Ohne das längst überfällige Umdenken in unserer Agrarpolitik, die hauptverantwortlich für den Schwund der für unsere Vögel so wichtigen Insekten ist, wird es in Bayern daher keine reelle Chance für diese beson- deren Vogelarten geben. Infos zumWiedehopf unter: www.lbv.de/wiedehopf

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