VOGELSCHUTZ_2_18
2|18 VOGELSCHUTZ 11 FOTOS: MARKUS GLÄSSEL, ROSL RÖSSNER, PETER BRIA (2) er Wiedehopf, der früher in Bayern weit verbreitet war, findet genau wie der Wen- dehals in unserer ausgeräumten und in- tensiv genutzten Landschaft keine alten Bäume und Totholz mehr, in deren Naturhöhlen er bevor- zugt brütet. Das Anbringen von Nistkästen in ge- eigneten Lebensräumen soll daher nicht nur den Wiedehopf vor dem Aussterben bewahren, son- dern auch den dramatischen Bestandsrückgang des Wendehalses zumindest verlangsamen. Sol- che Sofortmaßnahmen helfen, den heutigen Man- gel an natürlichen Bruthöhlen und damit eine der Ursachen für die Bestandsrückgänge bei beiden Arten zumindest teilweise zu beseitigen. Neben dem Wiedehopf soll dabei auch dem Wendehals geholfen werden, da beide Arten besondere An- sprüche an ihre Insektennahrung stellen und oft sympatrisch, also in den gleichen Lebensräumen, auftreten. In Bayern ist der Wiedehopf auf dem Früh- jahrsdurchzug ein regelmäßiger Gast. Schon seit den 1970er Jahren wird beobachtet, dass ver- mehrt durchziehende Wiedehopfe in geeigneten neuen oder ehemaligen Brutgebieten zum Teil längere Zeit verweilen. Wenn dann auch noch ihr unverwechselbarer „hup-hup-hup“-Ruf zu hören ist, zeigt dies, dass ihnen der Lebensraum für eine Brut zusagt und sie versuchen, einen Partner an- zulocken. Passende Nisthilfen könnten daher die Chancen für eine erfolgreiche Brut weiter steigern, doch ist es bisher selbst in den seit einigen Jahren laufenden LBV-Nistkastenprojekten in Mainfran- ken nicht gelungen, die Anzahl der Bruten zu er- höhen. Daher drängt sich die Frage auf, welche wei- teren Schlüsselfaktoren zum Rückgang der Wie- dehopf-Population geführt haben könnten und aktuell eine Wiederkehr der Art verzögern oder gar verhindern. Es zeigt sich, dass auch geeignete Wiedehopf-Nist- kasten (1), Pro- jekt-Mitarbeiter (von links Heinz Armer, Michael Stengel, Klaus Brünner, Klaus Bäuerlein) bei der Wendehalsbe- ringung (2). Wiedehopf Der auffällige Wiedehopf, hier im Anflug auf sein Nest mit Futter für die Jungvögel. Nistkästen sollen Wiedehopf und Wendehals vor dem Verschwinden bewahren » Insektennahrung für den Bruterfolg des Wiede- hopfs mit ausschlaggebend ist. Dies belegt eine Untersuchung der Universität Bern. Danach ha- ben Nisthilfen vor allem dort Erfolg, wo die Wege zu den lokalen Vorkommen der Maulwurfsgrille kurz sind. Diese Insekten bilden laut Untersu- chung knapp 70 Prozent der Nahrung für Nestjun- ge, und das selbst dann, wenn sie nur zu einem geringeren Anteil zur Verfügung stehen. Maul- wurfsgrillen sind für Wiedehopfe offenbar eine ideale Aufzuchtnahrung und damit ein wichtiger Schlüsselfaktor für erfolgreiche Bruten. Diese Vorliebe ist auch aus anderen Wiede- hopf-Populationen bekannt. Vermutlich spielt aber gar nicht die Insektenart die entscheidende Rolle, sondern das günstige Verhältnis zwischen D Wendehals Durch seine Tarnfärbung wird der Wendehals nur selten von Menschen entdeckt. 1 2
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