VOGELSCHUTZ 3-20
Prof. Dr. Elisabeth Kals, Dr. Susanne Freund und Patricia Zieris von der Pro- fessur für Sozial- und Organisations- psychologie an der Katholischen Uni- versität Eichstätt-Ingolstadt begleiten die Präventionsmaßnahme wissen- schaftlich. Sie wollen herausfinden, ob die Vogelbeobachtung tatsächlich die psychosoziale Gesundheit, die Mo- bilität und die kognitiven Ressourcen der Heimbewohner*innen fördert. Wird so also ein Beitrag zu einer ge- steigerten Lebensqualität geleistet? Und wird diese Maßnahme in den Pflegeeinrichtungen auch akzeptiert? Wir haben Professorin Elisabeth Kals zu ihren Ergebnissen befragt. Welche theoretischen Grundlagen gibt es für die wissenschaftliche Be- gleitung des Projektes? Prof. Elisabeth Kals: Die Biophilia-Hy- pothese von Wilson und Kellert besagt, dass die emotionale Verbundenheit des Menschen zu allem Natürlichen genetisch veranlagt ist. Der Austausch und der Kontakt mit der Natur können sich daher positiv auf das Wohlbefin - den auswirken. Auf Basis dieser Annah- me wurden in der Umwelt- und auch in der Sozialpsychologie bereits eine Vielzahl von Studien durchgeführt, die genau dies bestätigt haben: Es gibt sys- tematische Zusammenhänge zwischen Naturverbundenheit, Wohlbefinden und naturschützenden Bereitschaften und Verhaltensweisen. Die Verbunden- heit mit der Natur steigert gleicherma- ßen Wohlbefinden, aber auch Verhal - ten zum Schutz von Umwelt und Natur. Warum interessiert Sie das LBV-Pro- jekt und was untersuchen Sie? Das Projekt ist in seiner Form einzig- artig und innovativ. Darum wollen wir überprüfen, inwieweit es seine Ziele auch erreicht, um zum Beispiel Argu- mente zu haben, es fortzusetzen oder zu vergrößern. Im Rahmen der wissen- schaftlichen Begleitung evaluieren wir daher sowohl die Wirksamkeit als auch die Akzeptanz der Maßnahme. Mittels Fragebögen erfassen wir u.a. die Nut- zung der Vogelbeobachtung, die kogni- tiven Ressourcen, die Mobilität und das Wohlbefinden der Senior*innen. Ferner befragen wir die Mitarbeitenden der Einrichtungen zur Akzeptanz des Pro- jektes, und es findet zusätzlich u.a. eine Nachbefragung statt, um auch die mit- telfristigen Effekte messen zu können. Gibt es schon erste Ergebnisse? Ja, die gibt es. Bisher haben über 1.500 Personen an der Evaluation teilgenom- men, und die bisherigen Befunde sind vielversprechend: Das Projekt wird von allen Befragten rundum akzeptiert. Die Senior*innen beobachten regelmäßig Vögel und nutzen die Bildungsmateria- lien des Projekts. Unsere aktuellen Da- ten zeigen, dass die Vogelbeobachtung besonders die kognitiven Ressourcen, die Mobilität und das soziale Wohl- befinden der Heimbewohner*innen fördert. Insgesamt positiv bewertet wird auch, dass die Vogelbeobachtung ein niedrigschwelliges Angebot ist, für das es nicht viel braucht, und von dem dennoch alle Senior*innen profitieren können – unabhängig ihrer möglichen körperlichen oder kognitiven Ein- schränkungen. „Unsere Daten zeigen, dass die Vogelbeob- achtung das soziale Wohlbefinden fördert.“ INTERVIEW: KATHRIN LICHTENAUER „Emotionale Verbundenheit zu allem Natürlichen ist genetisch veranlagt“ Drei Fragen an Professorin Elisabeth Kals VOGELSCHUTZ 3|20 13 Wiedererkennen macht Freude: Die Artenkennt- nis ist oft erstaunlich.
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