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Projekthintergrund "Alle Vögel sind schon da"

Eine Präventionsmaßnahme als Modellprojekt

Mehr Lebensqualität im Alter speziell für Bewohner*innen vollstationärer Pflegeeinrichtungen – diese Grundidee steckt hinter der innovativen Präventionsmaßnahme „Alle Vögel sind schon da“. Eine gute Lebensqualität und das persönliche Wohlbefinden hängen eng zusammen.

Seniorin-Plüschvögel-Futterstation | © Tobias Tschapka © Tobias Tschapka
Die Futterstation mit Plüschvögeln

Die Projektidee

Seniorinnen mit Plüschvogel | © Tobias Tschapka © Tobias Tschapka

Viele ältere, pflegebedürftige Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen leiden unter einem Verlust von erlebter Lebensqualität. Denn häufig fallen bei zum Beispiel altersbedingt eingeschränkter Mobilität oder einer Demenzerkrankung mögliche soziale Außenkontakte und die direkte Begegnung mit der Natur weg.

Hier setzt das LBV-Projekt an: mithilfe von ganzjährig betriebenen Vogelfutterstationen werden Gartenvögel angelockt, die von den Bewohner*innen von einem Aufenthaltsbereich aus beobachtet werden können. Denn einfache, in den Tagesablauf eingebettete, geistige und körperliche Aktivitäten bieten sich an, um die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten oder sogar zu steigern.

Und mehr noch: in der Folge kann in Beschäftigungsangeboten und Einzelbetreuungen intensiv auf die Vogelbeobachtung eingegangen werden mit verschiedenen, zum Teil eigens für diese Präventionsmaßnahme entwickelten Materialien. Gartenvögel und Vogelfütterung bieten vielfältige Gesprächsanlässe auch und gerade bei Menschen mit Demenz. Über alle sozialen Milieus hinweg kann an frühe Erinnerungen angeknüpft werden.

Die Präventionsmaßnahme war zunächst auf eine dreijährige Modell-Laufzeit von Oktober 2017 bis Ende September 2020 beschränkt. In dieser Zeit wurden insgesamt 76 vollstationäre Pflegeeinrichtungen in ganz Bayern besucht.

Ziele und Inhalte der LBV-Präventionsmaßnahme

Ziel dieser Präventionsmaßnahme ist es, dem Verlust von Lebensqualität entgegenzuwirken. Das Projekt orientiert sich am „Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen“ des GKV-Spitzenverbands. Die Ziele der LBV-Maßnahme decken sich mit folgenden Handlungsfeldern des GKV-Leitfadens (im folgenden fett).

Erhalt der psychosozialen Gesundheit

  • Bei der LBV-Präventionsmaßnahme stehen die Verbesserung des Wohlbefindens und die Sicherung einer guten Lebensqualität im Vordergrund.
  • Die Bewohner*innen werden daher bei dem Aufstellen der Vogelbeobachtungsstationen aktiv mit einbezogen, der gegenseitige Austausch von getätigten Beobachtungen wird angeregt.

Stärkung der kognitiven Ressourcen

  • Die Bewohner*innen werden zur Beobachtung und wenn möglich Bestimmung der Vögel angeleitet.
  • Um die Motivation zur Vogelbeobachtung und -bestimmung zu stärken, stellt der LBV entsprechend geeignetes Bestimmungsmaterial zur Verfügung.
  • Für die Mitarbeiter*innen stehen Materialien für die Gruppen- und Einzelaktivierung zur Verfügung (Praxisordner, Spielemöglichkeiten, Plüschvögel, ...)

Steigerung der körperlichen Aktivität und Mobilität.

Die Bewohner*innen werden durch die neue Maßnahme motiviert, sich innerhalb ihres Zimmers bzw. im Haus zu einem Fenster oder sogar in den Garten bzw. auf die Terrasse zu bewegen, um die Vögel zu sehen.

Befunde der wissenschaftlichen Begleitstudie

Theoretischer Hintergrund

Die emotionale Naturverbundenheit ist laut der Biophilia-Hypothese des Soziobiologen Edward Wilson im Menschen genetisch verankert. Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahrzehnte unterstützen diese Annahme, und die positiven Effekte von Naturerfahrungen auf das menschliche Wohlbefinden konnten vielfach aufgezeigt werden.

Das Modellprojekt wird durch das Evaluationsteam der Professur für Sozial- und Organisationspsychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt unter Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Kals und Dr. Susanne Freund und unter Mitarbeit von Patricia Zieris wissenschaftlich begleitet.

Fragestellungen

Im Wesentlichen sollten zwei übergeordnete Fragstellungen untersucht und beantwortet werden:

  1. Kann die Vogelbeobachtung kognitive Ressourcen, Mobilität und psychosoziale Gesundheit von Bewohner*innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen steigern?
  2. Wird die Maßnahme in den Einrichtungen akzeptiert?
Datengrundlage

In der dreijährigen Projektlaufzeit (2017-2020) konnten im Großteil der 76 Einrichtungen Daten für die Projektevaluation erhoben werden. Über 1.500 Bewohner*innen und über 300 Mitarbeitende der Einrichtungen haben an den Befragungen teilgenommen. Die befragten Bewohner*innen waren zwischen 40 und 106 Jahre alt (durchschnittlich 83,40 Jahre), knapp drei Viertel der Befragten waren weiblich, und es konnten Personen aller Pflegegrade erreicht werden. Die Daten sind so- mit zu großen Teilen repräsentativ für die Situation in vollstationären Pflegeeinrichtungen in Bayern.

Ergebnisse
Bewohnerinnen in vollstationären Einrichtungen mit Pflegerinnen

Passung und Nutzung der Maßnahme

Seitens der Befragten besteht ein sehr großes Interesse an der Vogelbeobachtung und das Angebot hierzu wird in hohem Ausmaß angenommen und genutzt. Die Nutzung ist dabei unabhängig von Geschlecht oder Alter der Befragten, der Einrichtungsgröße oder dem Zeitpunkt des Starts der Vogelbeobachtung. Während Personen mit niedrigen Pflegegraden die Vogelbeobachtung tendenziell häufiger nutzen als jene mit hohen Pflegegraden, beobachten dennoch Bewohner*innen aller Pflegegrade regelmäßig Vögel.

Das Präventionsprojekt ist damit eine passende Maßnahme für Bewohner*innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen.

Kognitive Ressourcen, Mobilität und psychosoziale Gesundheit
Die Gesamtdaten zeigen, dass die kognitiven Ressourcen der Bewohner*innen im Allgemeinen tendenziell als beeinträchtigt wahrgenommen werden. Wird jedoch eine kognitive Aktivierung im Rahmen des Modellprojekts angeregt, so werden die vogelbezogenen kognitiven Ressourcen als bedeutsam höher eingeschätzt. Während die allgemeine Mobilität als insgesamt gut bewertet wird, wird die vogelbezogene Mobilität ebenfalls bestätigt und das Projekt wird als Anlass für Bewegung angesehen. Die emotionale Naturverbundenheit ist erwartungsgemäß sehr hoch ausgeprägt und steht in Zusammenhang mit einigen wichtigen Untersuchungsvariablen.

Die Lebenszufriedenheit wird insgesamt als gut wahrgenommen. Die Befragten geben an, bei der Vogelbeobachtung deutlich mehr positive als negative Emotionen zu erleben, und auch das soziale Wohlbefinden wird im Rahmen des Modellprojekts als überdurchschnittlich hoch eingeschätzt. Das Modellprojekt fördert damit kognitive Ressourcen, Mobilität und psychosoziale Gesundheit der Bewohnerinnen.

Kurz- und mittelfristige Wirksamkeiten

Die Präventionsmaßnahme nimmt kurzfristig Einfluss auf die kognitiven Ressourcen, Mobilität und die psychosoziale Gesundheit. Insbesondere der Bereich Aufmerksamkeit und Gedächtnis wird bereits nach 2-3 Wochen als deutlich besser bewertet, während dieser vor Beginn der Vogelbeobachtung sogar als eher beeinträchtigt wahrgenommen wird. Durch die Maßnahme können damit kognitive Ressourcen, Mobilität und psychosoziale Gesundheit von Bewohner*innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen bereits kurzfristig verbessert werden.

Auch mittelfristig zeigen sich statistisch und empirisch bedeutsame positive Veränderungen in allen untersuchten Bereichen. Besteht das Angebot zur Vogelbeobachtung über mehrere Wochen bis Monate, nutzen die Bewohner*innen diese Möglichkeit immer stärker. Sie beschäftigen sich kognitiv intensiver mit der Thematik und bewerten ihre kognitiven Ressourcen besser. Gleichzeitig dient die Vogelbeobachtung zunehmend als Anlass für Bewegung und die Befragten fühlen sich immer stärker in eine soziale Gruppe integriert, im Sinne einer Steigerung des sozialen Wohlbefindens.

Akezptanz des LBV-Präventionsprojekt ist groß!

Das Modellprojekt wird in den Einrichtungen rundum als Präventionsmaßnahme akzeptiert. Die Maßnahme wird als geeignet für die Zielgruppe bewertet und wird von außen beobachtbar in hohem Ausmaß genutzt. Die Mitarbeitenden sehen vielfältige positive Wirksamkeiten der Vogelbeobachtung, die sich über die kognitiven Ressourcen, die Mobilität und die psychosoziale Gesundheit erstrecken.

Fazit

Die Präventionsmaßnahme erfüllt alle Erwartungen an seine Wirksamkeit und wird von allen beteiligten Personen rundum akzeptiert. Die Befunde der wissenschaftlichen Begleitstudie zeigen, dass dieses an sich niedrigschwellige Angebot zur Vogelbeobachtung als Präventionsmaßnahme zur Förderung von kognitiven Ressourcen, Mobilität und psychosozialer Gesundheit in vollstationären Pflegeeinrichtungen sehr gut geeignet ist. Insgesamt ist die Maßnahme von großem praktischem Nutzen, um die psychosoziale Gesundheit von Bewohner*innen vollstationärer Pflegeeinrichtungen zu stärken.

Das Projekt ist auf großes gesellschaftspolitisches Interesse gestoßen und befördert außer dem Präventionsgedanken auch allgemeine Naturschutzthemen an die Öffentlichkeit, neben den dadurch gewonnenen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Modellprojekt ist daher auf vielen Ebenen gleichermaßen erfolgreich.

M. Sc. Patricia Zieris

Dr. Susanne Freund

Prof. Dr. Elisabeth Kals

Projektpartner und Unterstützer

Die Teilnahme an der Maßnahme ist für vollstationäre Pflegeeinrichtungen kostenfrei. Als Präventionsmaßnahme wird das Projekt von den Pflegekassen finanziell gefördert. In der Pilotphase von 2017 bis 2020 waren die Pflegekassen der AOK Bayern, des BKK Landesverband Bayern, der IKK classic, der KNAPPSCHAFT sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG beteiligt.

Seit 2020 zeigen sich hier die beteiligten Pflegekassen der AOK Bayern, der KNAPPSCHAFT sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG verantwortlich.

 

Die Stiftung Bayerisches Naturerbe des LBV unterstützt das Projekt von Beginn an mit der Übernahme der Kosten einer Vogelfutterstation und einem Starterpaket Vogelfutter für jede teilnehmende vollstationäre Pflegeeinrichtung.

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung hat als Projektpartner von 2017 bis 2021 zur Verbreitung der Maßnahme in den Reihen der Umweltbildung beigetragen.

Projektpartner war in der ersten Projektphase 2017 - 2020 die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die die Maßnahme wissenschaftlich begleitet hat.

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