Grundschule Schnaittach: Ein Märchenwald blüht auf!

Entstehung des Projekts und Einbindung der Schüler:

Im Jahr 2015 entstand der Plan, den Schulgarten in einen Märchengarten umzuwandeln. Um alle Schüler einzubinden, wurden in allen Klassen Märchen ausgewählt und bearbeitet. Jeder Schüler malte ein DIN A3-Bild und die Ideen aus den Bildern wurden weitgehend zu Projekten umgesetzt. 

Die Kinder waren gruppen- oder klassenweise in die Planung, die Bau- und die Pflanzarbeiten einbezogen. Die Pflege übernimmt jeweils die Klasse, die das Märchen bearbeitet hat, sowie die Garten-AG.

Beispiele:

  • Pflanzung eines Zauberwaldes aus Steckholz der Zickzackweide und Errichtung einesn Hexenhauses durch die Kinder gemeinsam mit den Eltern. Die schon vorhandene Kräuterspirale wurde dem Hexengarten zugeordnet, ergänzt und überarbeitet.
  • Zwei Klassen säten Bohnen und zogen diese im Klassenzimmer vor. Die Garten-AG kultivierte Salate und andere Gemüsepflanzen, pikierte und topfte und pflanzte.
  • Froschkönigs Brunnen wurde mosaikt.
  • Ein von Eltern gebautes Insektenhotel für die wilde Verwandtschaft der "Bienenkönigin" wurde von den Kindern mit Schilf, gebohrten Holzstücken, Lehm und Steinen eingerichtet.
  • Die Kinder formten Samenbomben, konnten die Keimlinge von ganz nah beobachten und säten einen Wiesenstreifen durch das Schulgelände an.
  • Bei Frau Holle beschäftigte man sich mit Ringelblumen und pflanzte Holunder. Duftrosen, Stachelbeeren und Wildrosen wurden um Dornröschens Schloss gepflanzt.
  • Die Kinder füllten das Hochbeet mit dem Schnittgut des Apfelbaums und bauten ein kindergroßes Vogelnest.
  • Alle Holzteile wie Hochbeet, Kompost, Nistkästen und Märchenkulissen wurden von den Kindern mit Leinöl geölt und teilweise bemalt.
  • Rumpelstilzchen bekam eine von Schülern gegrabene Feuerstelle. Zaunlatten wurden bemalt. Die Kinder führten selbst alles aus, was sie konnten. An einigen "Arbeitstagen" arbeiteten Kinder, Lehrer und Eltern Hand in Hand.

 

Fächerübergreifende Einbindung des Gartens:

Durch das Thema "Märchengarten" war die Verknüpfung mit dem Fach Deutsch gegeben. Das Märchen "Jack and the Beanstalk" verband die Bohnenkultur mit dem Englischunterricht. Mit Dornröschen begaben sich die Kinder in die Welt der Hecken. Im Herbst wurden Hagebutten gesammelt, als Tee oder zu Vogelfutter aufbereitet. Die Kinder malten Stieglitze und befassten sich mit dem Vogel. Nistkästen wurden aufgehängt und werden schon bewohnt. Beim Ausmessen der Latten für das Hexenhaus übten die Kinder den Umgang mit dem Maßstab. Sie berechneten die benötigten Ziegel und bemalten sie. Eine Tabelle für Mischkultur wurde erstellt und benutzt. Bienenwaben auf Papier wurden mit Zirkel konstruiert. Es wurde gemalt, modelliert, beschriftet, genäht und gebastelt. Ein Ginkgo bekam sein chinesisches Märchen. Der Froschkönig informierte über den Wasserkreislauf. Dieser wurde im Einweckglas nachgestellt. 

 

Nutzung des Gartens:

Der Garten wird wöchentlich von der Garten-AG genutzt und steht ansonsten allen Klassen oder Gruppen mit ihren Lehrkräften zur Verfügung. Im Zauberwald finden die Kinder einen besonderen Rückzugsort.

Darüberhinaus gibt es ein grünes Klassenzimmer, welches für Unterricht im Freien, Aufführungen und zum Feiern dient. Die Koch-AG nutzt das Kräuterangebot.

Gemüse wird von den Kindern geerntet, die es gepflanzt und gepflegt haben. Ob sie es mit nach Hause nehmen oder in der Schule zubereiten, entscheiden sie mit ihren Klassenlehrern. Beerenobst wird meist gleich verzehrt.

Aus Weidenschnittgut entstanden Wurfringe oder zusammen mit Altmaterial auch Percussioninstrumente.

Äste wurden zu Kricketschlägern umfunktioniert und im Gelände benutzt.

Rumpelstilzchens Feuerstelle fand während des Schulfestes großen Zulauf von Kindern und Gästen. Es gab Stockbrot. Im Sommer soll die Stelle auch abends und bei Schulhausübernachtungen befeuert werden.

Bestehende Hecken wurden so ausgelichtet, dass sie ähnlich einem Labyrinth Versteck- und Spielmöglichkeiten bieten. Sie sind während der Pausen für alle Kinder zugänglich.

Auf dem Schulhof und am Eingang stehen Gefäße mit duftenden Pflanzen oder solchen, die sich interessant anfühlen oder die Kinder anderweitig besonders ansprechen.

Das Hochbeet befindet sich auch auf dem Schulhof und ist somit immer zugänglich.

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit:

Am Anfang erfolgte eine Bestandsaufnahme. Es gab viel Fläche, eine große Sommerlinde, einen vernachlässigten Apfelbaum, einen geschenkten kümmernden Gingko und eine Garten-AG, die bereits ein kleines Beet und eine Kräuterspirale gebaut hatte. Diese Ressourcen sollten genutzt werden. Neu gewünscht wurden eine Regentonne und ein Komposter. Mit der neuen Kompostanlage können Schüler und Lehrer beobachten wie aus grünen Abfällen fruchtbare Erde wird.

Die Gestaltung erfolgte mit sehr viel kreativem Upcycling. Beispielsweise war Rapunzels Turm früher ein Dunstabzug. Ansonsten wurden weitestgehend Naturmaterialien verarbeitet. Es wurden keine Torfsubstrate verwendet.

Im Lehrerzimmer wurde eine "Infostelle" angelegt. Dort wurden zu den verwendeten Pflanzen und passenden Naturthemen Informationen deponiert, welche die Lehrkräfte nutzen konnten.

Durch die Märchen werden auch nüchterne Informationen einprägsamer und hoffentlich später mit positiven Erinnerungen verknüpft.  Im Gelände sind spielerische Hinweise auf die Märchen verteilt. Sie motivieren zum Nachstellen und Spielen der Geschichten. 

 

Beitrag zur Bewahrung und Förderung der biologischen Vielfalt:

Besonderes Augenmerk wurde auf eine große Pflanzen- und Sortenvielfalt gelegt. Nur samenfeste Gemüsesorten wurden genutzt, um den Kreislauf von der Saat bis hin zur Gewinnung von neuem Saatgut verdeutlichen zu können. Bevorzugt wurde Gemüse ausgesät, das von anderen Projekten zur Nachhaltigkeit bezogen wurde, wie vom Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt oder aus einem interkulturellen Garten in Fürth. Auch kaum noch bekannte Gemüse, wie "Guter Heinrich", Linsen oder Süßdolde wurden eingepflanzt. Diese alten Pflanzen passen zu den Märchen. Viele unterschiedliche Bohnensorten kamen zum Einsatz. Saatgut wurden teilweise auf Saatgutfestivals erworben, teils stammt es aus privaten Gärten. In den Wiesenstreifen wurde u. a. Saatgut von Mellifera e. V. gesät. Die verwendeten Sträucher wurden auch nach ihrem Pollen- und Nektarangebot und unterschiedlicher Blütezeit ausgewählt. Ein großes Insektenhotel bietet Wildbienen & Co. vielfältige Nistmöglichkeiten. 

 

Kooperation mit außerschulischen Partnern:

VHS: Träger der Nachmittagsbetreuung, damit auch der Garten-AG, Sponsor, Erfahrungsaustausch mit anderen Schulen

  • Botanischer Garten Erlangen: Besuchseinladung auch zur LBV Futterstation, Erfahrungsaustausch
  • Gartenakademie Veitshöchheim: Ausweitung des Schulgartenangebots, Erfahrungsaustausch
  • Interessengemeinschaft Gästeführer Gartenerlebnis Bayern: Werbung für Schulprojekte auch auf der LGS Bayreuth, Erfahrungsausaustausch
  • Eltern: aktive Mithilfe, Schulfest
  • Biohof: Besuchseinladung mit Getreideanbau
  • Bund Naturschutz: Unterrichtsgang zur Hecke, Materialbeschaffung, Erfahrungsaustausch
  • Imkerverein: Besuch beim Imker, Informationen zum Bau eines Insektenhotels
  • Bücherei: Beschaffung von Fachliteratur
  • Kindergarten: Vorstellung des Projektes, Einladung der Erzieher und Vorschulkinder
  • Gemeinde: Materialbeschaffung, logistische Unterstützung bei der Planung

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