Wie gehe ich mit verletzten Vögeln um?

Bei äußeren Verletzungen Tierarzt aufsuchen

Was tun, wenn Sie einen verletzten Vogel finden? In einigen Fällen können Sie dem Vogel selbst Hilfe leisten, in den meisten Fällen jedoch sollte ein Tierarzt oder eine Wildtierpflegestation aufgesucht werden. Welche Maßnahmen bei welcher Art von Verletzungen zu ergreifen sind, erfahren Sie hier.

Verletzter Weißstorch wird fixiert | © Wolfgang Nerb © Wolfgang Nerb
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Äußere Verletzungen

Wenn Sie an dem Vogel äußere Verletzungen feststellen, sollten Sie in jedem Fall einen Tierarzt oder eine Wildtierpflegestation aufsuchen. Selbst kleinere Hautverletzungen erfordern bei Vögeln häufig eine medizinische Behandlung.

Knochenbrüche: Sollten auf jeden Fall sofort von einem Tierarzt behandelt werden. 

Amputationen: Ist ein Flügel oder ein Bein so schwer verletzt, dass es nicht mehr zusammenwachsen kann, muss man eventuell amputieren. Vögel, die ihre Beine nur zum Sitzen verwenden, kommen auch mit einem Bein in der Natur zurecht. Bei Laufvögeln, z.B. Reihern, Störchen und Watvögeln, aber auch bei Spechten sollte das Tier in einem solchen Fall eingeschläfert werden. Flügelamputierte Tiere können natürlich nicht mehr freigelassen werden.

Innere Verletzungen

Finden sich keine äußeren Verletzungen können verschiedene Ursachen in Frage kommen.

Anprall: Fliegen Vögel gegen Glas, Freileitungen oder ähnliches, ziehen sie sich oft schwere innere Verletzungen zu. Diese sind meist von außen nicht zu erkennen, können aber über kurz oder lang zum Tod des Tieres führen. Bringen Sie das Tier für ca. 2 Stunden dunkel und warm unter. Manchmal haben die Vögel nur einen leichten Schock erlitten und erholen sich rasch wieder. In einem solchen Fall können sie den Vogel guten Gewissens wieder frei lassen. Weit häufiger haben sich die Vögel aber ernsthaft verletzt, und es ist ratsam, professionelle Hilfe aufzusuchen.

Schrot: Schrotverletzungen lassen sich nur schwer nachweisen. Erst durch eine Röntgenaufnahme kann man die Anzahl und die Lage der Körner erkennen. Dies entscheidet auch über die Überlebenschancen. Blei ist für den Organismus giftig, man muss die Körner also schnellstmöglich operativ entfernen.

Vergiftung: Meist ist es schwierig, eine Vergiftung zu diagnostizieren und zu heilen. Die Tiere zeigen Krämpfe, Lähmungserscheinungen oder Atembeschwerden. Der Tierarzt kann dem Tier Kohle verabreichen, die das Gift absorbiert. Allerdings ist dies nur in den wenigsten Fällen erfolgreich. 

Durchfall: Vögel mit Durchfall erkennt man am verklebten Gefieder rund um die Kloake. Auch hier ist der Besuch eines Tierarztes unerlässlich, da nur er ausschließen kann, dass keine Parasiten und Würmer für den Durchfall verantwortlich sind. 

Nahrungsmangel: Vögel bauen bei Nahrungsmangel sehr schnell die Brustmuskulatur ab. Tritt der Brustbeinkamm deutlich hervor, leidet das Tier an Nahrungsmangel. Auch hier ist unbedingt der Rat von Fachleuten einzuholen. Häufig sind die Tiere schon so „ausgetrocknet“, dass ihr Verdauungssystem mit der Aufnahme von fester Nahrung überfordert ist. Bei der Zwangsernährung ist absolute Vorsicht geboten. Unerfahrene können den Vogel dabei leicht verletzen. Um einen weiteren Flüssigkeitsverlust des Vogels zu verhindern, kann man vorsichtig ein wenig Wasser auf den Schnabel träufeln lassen. Zur Energieversorgung kann man dem Wasser ein wenig Traubenzucker zugeben. 

Infektionen: Es gibt verschiedene Infektionskrankheiten, an denen Vögel erkranken können. Leider kann man für die einzelnen Erkrankungen keine charakteristischen Krankheitsbilder festlegen. Durchfall, Apathie, Nasenausfluss, Zittern, Atemstörungen, Nahrungsverweigerung und sogar Hautausschläge können Zeichen für Infektionserkrankungen sein. Diese können nur mit Antibiotika behandelt werden, was den Gang zum Tierarzt unerlässlich macht. 

Parasiten: Federlinge, Lausfliegen, Vogelblutfliegen und Vogelflöhe können auf Vögel auch in größeren Mengen angetroffen werden. Vor allem die Blut saugenden Parasiten können Vögel stark schwächen. Stellen Sie Parasiten auf dem gefundenen Vogel fest, sollten diese behandelt werden. Vorsicht, dass die Parasiten nicht überwechseln (Flöhe). Sie werden Ihnen zwar kaum Schaden zufügen, da sie auf Vögel spezialisiert sind, aber sie können sehr unangenehm sein.

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