Tödliche Hitzefalle unter Gebäudedächern

Um Hitze-Tod zu entgehen fallen Jungtiere aus dem Quartier

Fledermäuse finden in den bayerischen Wäldern schon lange immer weniger natürliche Höhlenbäume für ihre Quartiere. Deshalb siedeln inzwischen zahlreiche Arten wie Zwerg- oder Bartfledermaus vermehrt an und in Gebäuden. Dort finden sie viel leichter Spalten und Hohlräume, in denen sie ihre Jungen aufziehen können. Fledermäuse bevorzugen dabei relativ warme und zugluftfreie Quartiere. Im kühlen Frühjahr 2015 habe sie darum oft Verstecke gewählt, die sich schnell erwärmen. Doch ausgerechnet diese Standorte werden jetzt für sie zur Todesfalle, da die Fledermäuse in den Gebäuden der Hitze meist ohne Ausweichmöglichkeit ausgeliefert sind.

| © Andreas Zahner © Andreas Zahner
Heruntergefallene Fledermäuse wie dieses Graue Langohr immer mit Handschuhen anfassen

Bei jeder Hitzewille immer wieder ein Problem

Fledermaus liegt auf einem Handtuch und wird mit einer Flasche ernährt | Bettina Cordes Bettina Cordes
Abgestürzten Fledermäusen kann man mit Wasser helfen

Am bekanntesten sind die Kolonien des Großen Mausohrs, welche sich meist in den ungestörten Dachböden von Kirchen befinden. Viel häufiger sind aber die Wochenstuben von kleineren Arten, insbesondere der Zwergfledermaus, die sich entweder unter Dachziegeln oder hinter Holzverschalungen befinden. Hier bilden schon kleinste Spalten in den Dachüberständen im Firstbereich oft die Quartiereingänge. 

Bei sehr heißen Sommertagen entstehen unter schwarzen Dachziegeln, dunklem Kupferblech oder auch hinter dunklen Brettern bei starker Sonneneinstrahlung Temperaturen über 40 Grad, oft sogar über 60 Grad. Um dem Hitze-Tod zu entkommen, suchen die Tiere nach kühleren Bereichen, um nicht zu verbrennen. Dabei fallen die Jungtiere oft aus dem Quartier. Gelegentlich tauchen die Fledermäuse dann auch in darunter liegenden Wohnungen auf, wenn irgendwo kleinen Spalten einen Durchschlupf ermöglichen.

Wie Sie selbst verunglückten Fledermäusen helfen können

Da ein derartiges Fluchtverhalten bei Hitzephasen gehäuft auftritt, erwarten die wenigen ehrenamtlichen Fledermausbetreuer in Bayern auch jetzt wieder zahlreiche Anrufe von besorgten Naturfreunden. Da die Ehrenamtlichen aber immer noch viel zu viele Pfleglinge von der letzten Hitzewelle versorgen müssen, werden sie auch diesmal den Ansturm nicht mehr bewältigen können.

Der LBV rät deshalb: Wer heruntergefallene Fledermäuse findet, sollten diese an einen kühleren und vor Katzen sicheren Platz bringen. Wenn man den Tieren mit einer Pipette oder einem Teelöffel etwas Wasser an den Mund hält, trinken diese oft bereitwillig. Meist reicht es, die Tiere auf einen schattigen Baum zu setzen. Man kann sie bis zur Dämmerung aber auch in einem Karton aufbewahren und dann erst frei lassen. Fledermäuse sollten wie alle Wildtiere möglichst nicht mit bloßen Händen angefasst werden, weil sie eventuell auch Krankheiten übertragen können.

In alten Wäldern und Baumbeständen hingegen können derartige Hitzefallen kaum entstehen. Die Fledermäuse haben hier genügend Möglichkeiten, rechtzeitig an schattigere Stellen auszuweichen. Doch alte Bäume als wichtigster Lebensraum werden den Tieren zunehmend genommen. Baumhöhlen werden gerne vom Kleinen Abendsegler, der Bechsteinfledermaus und weiteren Arten als Wochenstubenquartier genutzt, aber auch die Männchen vieler anderer Fledermausarten wie das Große Mausohr siedeln in diesen, da sie sich nicht mit in den Gebäude-Wochenstuben aufhalten.

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