Mythen und Fakten rund um Elstern, Krähen & Raben

Lösungen für Konflikte um Rabenvögel

Elstern, Häher, Dohlen, Krähen und Raben – sie alle gehören zu den Rabenvögeln. Und trotzt ihrer zumeist krächzenden Laute sind auch sie Singvögel. Mehr als alle anderen Vogelfamilien sind Rabenvögel der Anlass für hitzige Diskussionen zwischen Naturschützern, Gartenbesitzern, Landwirten und Jägern und werden so oft zu Unrecht zu Übeltätern abgestempelt.

Saatkrähe, Elster, Rabenkrähe und Eichelhäher | © Hans Wolf/Ralph Sturm/Reinhold Peisker/Walter Reichert © Hans Wolf/Ralph Sturm/Reinhold Peisker/Walter Reichert
Oft zu Unrecht ungeliebt: Saatkrähe, Elster, Rabenkrähe und Eichelhäher

Keine Massenvermehrung vorhanden

Der immer wieder geäußerte Eindruck, dass Rabenvögel - vor allem Elstern - zunehmen und zu einer regelrechten Plage werden, täuscht. Wissenschaftliche Erhebungen konnten keine Anhaltspunkte für eine generelle Zunahme der Rabenvögel feststellen. Trotz regionaler Zu- oder Abnahmen der Bestände ist die Gesamtpopulation aller genannten Arten in Mitteleuropa seit Jahren konstant.

Wenn dennoch der Eindruck entsteht, Rabenvögel seien in den letzten Jahren häufiger geworden, dann liegt das vor allem daran, dass Rabenvogel zuhnehmend aus ihrem angestammten Lebensraum Agrarlandschaft in Siedlungsbereiche umziehen. Denn hier finden sie leichter Nahrung als in der intensiv bewirtschafteten und strukturarmen Feldflur.

Keine Lämmerkiller

Nur in sehr seltenen Einzelfällen attackieren und töten halbwüchsige Rabenkrähen bzw. Kolkraben neugeborene Lämmer. Meist haben es solche Vögel auf die Nachgeburt abgesehen und vergreifen sich dann auch an geschwächten Neugeborenen, die keine Lebenszeichen zeigen. Gerüchte, Rabenvögel wären in Schwärmen äußerst aggressiv und würden regelmäßig Schafe oder gar Menschen anfallen, sind völlig unrealistisch. Rabenvögel sind weder blutrünstig noch töten sie aus Vergnügen! 

Sie dezimieren keine Singvogelbestände

Alle einschlägigen Untersuchungen belegen, dass die Verluste an Singvogelnestern durch Rabenvögel nicht zu einem wesentlichen Bestandsrückgang einer Vogelart führen. So wurde für ein ca. 24 km² großes Untersuchungsgebiet im Stadtbereich Osnabrücks während knapp zehn Jahren eine Zunahme des Elsternbestandes um 280% festgestellt. Trotz dieser massiven Zunahme trat keine Abnahme im Gesamtbestand der Singvögel ein. Im Gegenteil, die Anzahl der brütenden Arten stieg sogar.

Fazit: Rabenvögel dezimieren Singvögel nie bis zur Bestandsgefährdung. Artensterben wird durch den Menschen verursacht. Den Rückgang der europäischen Vogelpopulationen verursachen primär Lebensraumzerstörung und Gifteinsatz.

Rechtliche Situation

Nach der EU-Vogelschutzrichtlinie sind sämtliche in der Europäischen Union vorkommenden Vogelarten geschützt. Rabenvögel werden seit 1994 im Anhang II (jagdbare Arten) der EU-Vogelschutzrichtline geführt.

Nach dieser Regelung werden u. a. in Bayern bis heute jährlich durchschnittlich 25.000 Elstern, 30.000 Eichelhäher und 45.000 Rabenkrähen geschossen (Zahlen aus dem Bayerischen Agrarbericht für die Jahre 2000/2001 bis 2008/2009). Bei einem Gesamtbestand der Elster in Bayern von 80.000 - 250.000 Vögeln sind das 10% - 30% des Bestands und damit eine enorme Menge.

NEIN zur Bejagung

Der Abschuss von Rabenvögeln ist äußerst fragwürdig. Als Berechtigung für den jährlichen Abschuss von ca. 30.000 Eichelhähern werden die vereinzelten Schäden an Maiskulturen in Waldrandnähe herangezogen. Diese treten jedoch gegenüber den unschätzbaren Diensten zurück, die Eichelhäher bei der natürlichen Verjüngung des Waldes durch das Vergraben von Eicheln und Bucheckern leisten, von denen er viele nicht wieder findet und aus denen schließlich junge Bäume aufgehen.

Die Verjüngung des Waldes ist wiederum unabdingbare Voraussetzung für einen naturgemäßen Waldbau. Die “Schäden” an der Singvogelfauna sind vernachlässigbar. Für die jagdliche Regulierung von Rabenvögeln besteht aus ökologischen Gründen folglich keine Notwendigkeit.

Lösungsansätze: Artenschutz durch Lebensraumschutz

Saatkrähe sitzt im Gras | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Saatkrähe

Der Abschuss von Rabenvögeln ist nur die Bekämpfung eines Symptoms. Es steht für eine von vielen Fehlentwicklungen in unserer stark vom Menschen beeinflussten Umwelt, wie Artensterben oder regionale Populationsverschiebungen. Die verstärkte Anwesenheit von Rabenvögeln in Siedlungen, wie auch der Rückgang vieler europäischer Vogelarten sind primär auf Lebensraumzerstörung und Gifteinsatz zurückzuführen.

Verschiedene Maßnahmen können dazu beitragen, Strukturen in die Landschaft zu bringen und somit den Wildtieren ihre benötigten Lebensräume zurück zu geben, wie z.B.:

  • Anlage von Hecken und Gehölzstreifen
  • ungenutzte Randstreifen an Äckern, und Gewässern
  • größere Artenvielfalt unter den Nutzpflanzen
  • schonende Bodenbearbeitung
  • Mähen von Innen nach Außen
  • Einhalten von Mähterminen

Dass dies funktionieren kann zeigen ermutigende Ergebnisse aus bereits durchgeführten Kulturlandschaftsprogrammen.

Auch interessant:

Konflikte mit Tieren

© Wolfgang Gahlert

Das Zusammenleben mit unseren "wilden Nachbarn" läuft nicht immer problemlos ab. Wir haben Ihnen hier die Tiere zusammengestellt, mit denen es immer wieder Schwierigkeiten gibt. Aber Sie werden auch sehen, alles lässt sich regeln.

Weiterlesen

Krähenattacken

© Norbert Steffan

Nach der Attacke von Rabenkrähen auf Bewohner einer Münchner Wohnsiedlung ist die Unsicherheit in der Bevölkerung groß. Viele Menschen sind verängstigt, doch müssen sie wirklich Angst vor einem Angriff von oben haben? 

Weiterlesen

Saatkrähe - Konflikte & Lösungen

© Zdenek Tunka

Saatkrähen siedeln sich bevorzugt in der Nähe des Menschen an. Das lautstarke Krächzen, mit denen sich die Vögel einer Kolonie verständigen, ist für viele Anwohner eine große Belästigung und kann problematisch werden.

Weiterlesen

Mäusebussardattacken

© Zdenek Tunka

Alljährlich im Frühsommer häufen sich alarmierte Meldungen über Attacken von Mäusebussarden auf Menschen – meist auf Jogger, seltener auch auf Radfahrer oder Spaziergänger. Dabei handelt es sich nur um Fürsorge für die vermeintlich gefährdete Brut.

Weiterlesen

Newsletter