Krähenattacken - Grund zur Sorge?

Gefahr für Leib und Leben ist übertrieben

Rabenkrähe Nahaufnahme, sie schaut direkt in die Kamera | © Norbert Steffan © Norbert Steffan
Krähen wollen nur ihren Nachwuchs verteidigen

Nach der Attacke von Rabenkrähen auf Bewohner einer Münchner Wohnsiedlung ist die Unsicherheit in der Bevölkerung groß. Mindestens zwei Krähenvögel attackierten einen Mann, der laut eigener Aussage zwei Platzwunden am Kopf davon trug und in ambulante Behandlung musste.

Nach Angabe mehrerer Zeugen wurden auch Kinder angegriffen. Ob die Krähen, die sich anscheinend von dort wohnhaften Personen bei ihrer Brutpflege gestört fühlten, nun geschossen werden, ist nicht sicher. Eventuell werden sie auch vom Jäger lediglich vergrämt.

Viele Menschen sind verängstigt, doch müssen sie wirklich Angst vor einem Angriff von oben haben? Ein Interview mit dem LBV-Experten Matthias Luy vom LBV München:

Laut Kreisverwaltungsreferat in München besteht in der Landeshauptstadt an manchen Stellen derzeit Gefahr für Leib und Leben, ein Mann wurde von zwei Krähen angegriffen. Müssen nun auch Menschen im Rest von Bayern vor den Vögeln zittern

Gefahr für Leib und Leben ist übertrieben. Es gibt Rabenkrähen, die Scheinangriffe fliegen, um „Eindringlinge“ in ihr Revier zu vertreiben. In seltenen Fällen streifen sie dabei auch das Tier (Hund/Katze) oder den Menschen mit den Beinen oder den Flügeln. Die Meldung, dass sie mit dem Schnabel zugestoßen haben, ist ein Einzelfall.

Wie kommt es überhaupt dazu, dass eine Krähe einen Menschen angreift?

Das Fliegen von Scheinangriffen auf Menschen, Hunde, Katzen oder Eichhörnchen kommt hin und wieder zur Brutzeit vor. Es passiert nur dann, wenn die Küken im Nest sind oder frisch ausgeflogen. Die Jungvögel sind nach Verlassen des Nestes oft noch kaum flugfähig und halten sich dann Tage lang am Boden und in Bodennähe auf. In dieser Zeit ist die Gefahr für sie groß, von Hunden, Katzen oder Mardern gefressen zu werden. Die Altvögel kümmern sich darum, dass den Küken potenzielle Feinde nicht zu nahe kommen.

Wie oft kommt es überhaupt dazu, dass Krähen Menschen angreifen?

Es handelt sich um sehr seltene Fälle. Die allermeisten Krähen sind gegenüber dem Menschen sehr vorsichtig.

Können Krähen Menschen überhaupt gefährlich verletzen?

Nein, es besteht keine ernsthafte Gefahr.

Was kann ich tun, sollte es zu einem Angriff kommen?

Die Vögel mit schwenkenden Armbewegungen fern halten.

Rabenkrähenpaar auf einem Baum | © Gabi Maier © Gabi Maier

Was kann man tun, um den Attacken zu entgehen?

Den Ort, an dem der Angriff geflogen wird, verlassen.

Stimmt es, dass Nester an Stellen wie Spielplätzen nicht entfernt werden dürfen?

Die Rabenkrähe gehört zu den jagdbaren Arten. Während des Brutgeschäftes dürfen sie aufgrund des Naturschutzgesetzes wie alle anderen Vögel aber nicht gestört, getötet oder ihr Nest entfernt werden. Wenn man das dennoch tun will, bedarf es einer Ausnahmegenehmigung durch die Bezirksregierung.

Was können Leute tun, die ein Nest finden, das sich in der Nähe eines Spielplatzes befindet?

Es ist kein Handlungsbedarf gegeben. Es gibt Tausende von Spielplätzen, an denen Rabenkrähen und Menschen problemlos miteinander auskommen. (Ich war selbst viele Jahre mit meinen Kindern regelmäßig an einem Spielplatz mit einem Rabenkrähennest).

Wie viele Krähen gibt es in Ballungsräumen?

Generell ist zu unterscheiden, dass es Revier verteidigende Rabenkrähen gibt, die in ihrem Revier andere Rabenkrähen vertreiben. Daneben kann es Junggesellenschwärme geben, in denen sich Rabenkrähen sammeln, die kein Revier besetzen konnten. Sie setzen sich vor allem aus ein- und zweijährigen Krähen zusammen. Diese Schwärme (es können 30, 50 oder mehr als 100 Krähen sein) sind überhaupt nicht an ein bestimmtes Revier gebunden, streifen umher und suchen vor allem Plätze mit großem und stetigem Nahrungsangebot auf, z.B. Müllkippen.

Ist die Krähe freundlicher als ihr Ruf in der aktuellen Berichterstattung?

Die Rabenkrähen sind sehr intelligente und gewiefte Vögel. Sie sind besonders anpassungsfähig und beobachten die Menschen genau. Wer sich ihnen zuwendet, erhält ihr Vertrauen, und sie können dann ihre Scheu vor dem Menschen überwinden und sich dem Menschen nähern, um z.B. Futter zu erhalten. Sie bleiben dabei immer wachsam. Sobald der Mensch dann eine ungewöhnliche oder feindselige Verhaltensweise zeigt, gehen sie wieder auf Abstand. Die Krähen sind auch spielerisch veranlagt, es kommt vor, dass sie Hunde zum Spielen auffordern: Die Krähe setzt sich einige Meter vor einen Hund auf eine Wiese, dieser rennt natürlich auf sie zu, die Krähe fliegt auf, über den Hund hinweg, setzt sich wieder in die Nähe des Hundes, usw.

Die Ausdrucksweise, jemand sei eine Rabenmutter, ist anders als im Sprachgebrauch eher als Kompliment aufzufassen. Denn sowohl Rabenmutter wie Vater kümmern sich intensiv um ihre Brut. Die Jungen werden bis zu 6 Wochen nach dem Ausfliegen von den Eltern noch gefüttert, obwohl sie nach 3-4 Wochen selbständig sind.

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