Wolf

Canis lupus

Ein Wolf liegt auf Waldboden, den Kopf hat er in die Höhe gestreckt | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Der Wolf (Canis lupus) ist ein Säugetier und der größte Vertreter der Canidenfamilie (Hundeartige). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die gesamte Nordhalbkugel, von Nordamerika über Europa, Asien (einschließlich der Arabischen Halbinsel) bis nach Japan. Er besiedelte auch Hochgebirgsregionen, ausgedehnte Wüstengebiete, ja sogar den tropischen Dschungel. Nur der Mensch konnte noch mehr Gebiete besiedeln.

Kurzsteckbrief:

  • Aussehen/Fellfarbe: grau bis creme-weiß mit Schwarz
  • Größe: 1,4 m lang, 75 cm Schulterhöhe
  • Gewicht: 30 - 40 kg
  • Lebensraum in Mitteleuropa: v.a. Wälder mit Wasser und Versteckmöglichkeiten
  • Reviergröße: 75 bis 2.000 km²
  • Laufgeschwindigkeit: im Sprint 50 km/h, im Trab 8 km/h
  • Nahrung: Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen, Mäuse, Früchte, Schafe
  • Nahrungsbedarf: 3 - 4 kg Fleisch
  • Paarungszeit: Winter
  • Junge/Jahr: 5 - 6 Junge

Verbreitung des Wolfs

Das heutige Verbreitungsgebiet ist wesentlich kleiner. In Asien werden Wölfe noch generell angetroffen. Auch in Nordamerika lebt er noch recht zahlreich in Alaska und Kanada, während es in den USA nur noch einzelne Populationen gibt.

In Europa war der Wolf bis vor 200 Jahren weit verbreitet, wurde aber in vielen Ländern gnadenlos verfolgt und ausgerottet. Zur Zeit gibt es Wölfe noch in Südeuropa (Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Albanien, Bulgarien und am häufigsten in Rumänien) sowie in Mitteleuropa (Polen, Slowakei).

Kleine Populationen leben in Nordeuropa (Finnland, Schweden, Norwegen, Estland).

Aus Italien sind die Wölfe wieder nach Frankreich und in die Schweiz ausgewandert: polnische Wölfe versuchen, in Deutschland die östlichen Bundesländer zu besiedeln, aus Tschechien kommen einzelne Tiere in den Bayerischen Wald.

Bestand wird durch Nahrungsangebot und Lebensraum reguliert

Wölfe können, wenn der Mensch es zulässt, fast überall leben. Neben großen Waldgebieten, Gebirgsregionen, Steppen, Wüsten und der Tundra und Taiga des Nordens lebt der Wolf heute in den Vororten Roms ebenso wie in den Getreidefeldern Spaniens.

Eine Besiedlung durch den Menschen stört ihn nicht, solange Rückzugsgebiete, in denen er sich tagsüber verstecken kann, um den Menschen aus dem Weg zu gehen, vorhanden sind. Auch in Deutschland leben Wölfe. In Sachsen hat sogar ein kleines Wolfsrudel Welpen großgezogen, und nach Ostbayern wandern immer wieder Einzeltiere ein. 

Wölfe stehen in der Nahrungspyramide ganz oben. Ihr Bestand wird nicht von natürlichen Feinden reguliert, sondern durch Nahrungsangebot und passenden Lebensraum. Der Wolf ist ein Beutegreifer. Er tötet und frisst auch Tiere, die wesentlich größer sind als er selbst.

 

Äußeres

Erscheinungsbild und Körpermaße

Ein Wolf steht im Schnee, es schneit | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

In seinem Äußeren ähnelt der Wolf einem großen Hund, hat aber einen längeren Rumpf, einen höheren, verhältnismäßig schmalen Brustkasten und Vorderbeine, die in ihn "hineingewachsen" zu sein scheinen.

Die Länge der Beine ermöglicht eine schnelle Fortbewegung und weite Wanderungen auch im tiefen Schnee. Vorder- und Hinterbeine derselben Körperseite bewegen sich in einer Linie, so dass er den hinteren Fuß in die Spur der Vorderfüße setzt (im Gegensatz zu den meisten Haushunden).

Der Kopf des Wolfes ist groß, hat eine breite Stirn, schräg sitzende Augen und eher kurze Ohren.

Die Körperlänge beträgt von der Nase bis zur Schwanzspitze 195 cm (männlich), die Wideristhöhe 60 - 90 cm.

Das Körpergewicht liegt bei 35 - 45 kg. Wölfe in Alaska und Sibirien können bis zu 80 kg schwer sein, Wölfe in südlichen Ländern sind wesentlich leichter, z.B. in Israel nur 20 - 30 kg (Bergmannsche Regel).

Wolf streckt sich und zeigt Gebiss | © Rosl Rößner © Rosl Rößner

Der Schwanz ist buschig, hat etwa ein Drittel der Körperlänge und wird meist waagerecht oder leicht herabhängend getragen. Auf der Oberseite des Schwanzes befindet sich die Violdrüse, deren Funktion bisher nicht bekannt ist. 

Das Gebiss ist wie eine Schere gebaut (Scherengebiss), besonders Fangzähne zum Packen und Festhalten der Beute und die Reißzähne zum Zerkleinern der Nahrung. Der Kieferdruck ist mit 150 kg/cm² gewaltig.

Das Haarkleid ist dicht, bestehend aus Deckhaar und Unterwolle, und bietet einen hervorragenden Schutz gegen extreme Temperaturen. Die häufigste Fellfarbe ist grau (daher auch der Name Grauwolf), in nördlichen Breiten aber auch schwarz oder weiß.

Das Fell der Wölfe besteht aus unterschiedlich gefärbten Haaren: weißen, schwarzen, grauen, rötlichen und braunen. Längs zur Rückenmitte und des Schwanzes überwiegen dunklere Haare.

Sinnesorgane

Die Sinnesorgane sind dem Leben als Jäger angepasst. Der Geruchssinn ist überaus empfindlich. Die mit Sinnesepithel ausgestattete Fläche im Nasenraum ist 14-mal größer als beim Menschen und als Folge davon ist das Riechvermögen mindestens 100-mal besser entwickelt.

Beutetiere können günstigen Windverhältnissen auf eine Entfernung von bis zu 2,5 km wahrgenommen werden.

Das Gehör ist ähnlich gut entwickelt wie bei Hunden. Vor allem hohe Frequenzen (bis zu 26.000 Hz) werden problemlos unterschieden, Wolfsgeheul wird über viele Kilometer wahrgenommen und beantwortet. Dank der großen Beweglichkeit der Ohren können Wölfe den Standort einer Schallquelle sehr gut bestimmen

Der Gesichtssinn der Wölfe ist ebenfalls hoch entwickelt, reicht aber nicht an die Fähigkeiten des Geruchssinns bzw. Gehörs heran. Vor allem Bewegungen werden gut wahrgenommen, das Sehvermögen ist bei Tag und Nacht nahezu gleich.

Sozialverhalten

Rangordnung innerhalb des Rudels

Zwei Wölfe stehen auf einem umgestürzten Baumstamm, der dritte steht daneben | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Wölfe leben in einem komplexen Sozialverband, dem Rudel, das meist aus 4 - 8 Tieren besteht. Das Wolfsrudel ähnelt sehr stark einer menschlichen Familie.

Die Anführer, der Alpha-Rüde und das Alpha-Weibchen, sind in der Regel die Eltern aller anderen Rudelmitglieder. Auf ihrer Erfahrung und Geschicklichkeit, die entscheidend für das Überleben des Rudels sind, beruht ihre Autorität.

Die anderen Rudelmitglieder ordnen sich entsprechend ihrem Alter und ihren körperlichen und psychischen Fähigkeiten in eine Rangordnung ein.

Diese Rangordnung wird durch eine ausgeprägte Körpersprache, vor allem stark ritualisierten Gesten der Dominanz bzw. Unterwerfung immer wieder bestätigt, so dass ernste Auseinandersetzungen in der Familie möglichst vermieden werden.

Aufgrund ihrer deutlich ausgeprägten Mimik und der Fähigkeit, den Schwanz (Rute) als Mittel der Verständigung einzusetzen, gehen die Rangordnungskämpfe in der Regel unblutig aus. Droht einem Wolf die Niederlage, so legt er sich auf den Rücken und reckt dem Überlegenen seine bloßem, ungeschützte Kehle entgegen. Diese Demutsgeste, in der der schwächere Wolf absolut hilflos ist, löst Beißhemmungen beim Stärkeren aus und der Kampf kann ohne größere Verletzungen beendet werden. 

Der Zusammenhalt im Wolfsrudel ist sehr eng, die Beziehungen untereinander werden ständig durch kleine Gesten und Berührungen bestätigt.

Jagdverhalten

Auch das gemeinsame Heulen dient neben der Abgrenzung des Reviers gegen andere Wölfe der Festigung des Zusammenhalts. Während die Welpen sehr große Freiheiten genießen und sich fast alle Frechheiten erlauben dürfen, müssen sich die Jungwölfe zunehmend an die Regeln im Rudel halten. 

Ein wichtiger Bestandteil eines Rudels ist die gemeinschaftliche Jagd, an der sich im Normalfall alle beteiligen.

Eingeläutet wird die Jagd in der Regel mit gemeinsamen Geheul. Auch während der Jagd ist jedem eine feste Rolle und Aufgabe zugeteilt: Während die einen z.B. schwaches Hirschkalb von der Herde absondern und dem restlichen Rudel zutreiben, versucht der Alpharüde das Beutetier anzuspringen und zu Boden zu drücken. Dann wird es mit einem gezielten Biss schnell getötet.

Beim Fressen wird nun ebenfalls streng die Rangordnung eingehalten: die Ranghöchsten dürfen zuerst fressen und bekommen die besten Stücke, die anderen müssen warten, bis sie an der Reihe sind. 

Nachwuchs

Wolf liegt auf grünem Gras, rechts neben ihm sitzt ein kleiner Wolfswelpe | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife (im Alter von 2 Jahren) verlassen die meisten Jungwölfe das Rudel und wandern auf der Suche nach einem Partner und einem eigenen Revier oft weite Strecken.

Wölfe können sich nur einmal im Jahr im Winter paaren. In der Regel ist es die Alpha-Wölfin, die sich dann einen sicheren Ort sucht, eine Höhle gräbt und dort nach 62 - 64 Tagen Trächtigkeit im April/Mai 5-6 Welpen zur Welt bringt. 

Die Jungen werden blind und taub geboren, nach ca. 3 Wochen verlassen sie erstmals die Wurfhöhle. Dann nehmen sie auch neben der Muttermilch schon feste Nahrung auf, die von den erwachsenen Wölfen vorgewürgt wird.

Das ganze Rudel kümmert sich, zuerst an der Höhle und später an sogenannten Rendezvous-Plätzen, um den Nachwuchs.

Im Herbst müssen die jungen Wölfe schon so weit entwickelt sein, dass sie dem Rudel folgen und im Winter dann an der Jagd teilnehmen können.

 

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Dr. Andreas von Lindeiner

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