Luchs

Lynx lynx

Luchs auf einem moosbewachsenen Fels | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Der Luchs (Lynx lynx) gehört zu den katzenartigen Raubtieren (Felidae). Innerhalb seiner Gattung gibt es vier Arten: den Rotluchs (USA, Kanada), den Kanadaluchs (Kanada), den Pardellluchs (Spanien) und den bei uns heimischen Eurasischen Luchs. 

Kurzsteckbrief:

  • Aussehen/Fellfarbe: dunkel gefleckt; grau, gelb bis rötlich-braunes Fell
  • Größe: 1 m Körperlänge, 60 cm Schulterhöhe
  • Gewicht: ca. 30 kg
  • Lebensraum in Mitteleuropa: Wald
  • Reviergröße: mehrere 100 km² erwachsenem pro Tier
  • Nahrung: Rehe, Hasen, Füchse, Frischlinge, manchmal Schafe
  • Nahrungsbedarf: 1 - 3 kg Fleisch pro Tag
  • Paarungszeit: Februar/März
  • Junge/Jahr: in der Regel zwei im April/Mai

Verbreitung

Ursprünglich war der eurasische Luchs in allen großen Waldgebieten von der Grenze der Taiga im Norden bis zum Mittelmeer im Süden und von den den Pyrenäen im Westen bis zum Ural im Osten verbreitet.

Der Mensch rottete den Luchs bis ca. zum Jahr 1900 in fast ganz Mittel- und Südeuropa aus. Seit 1950 beginnen sich die Bestände zu erholen und Rückwanderungen, vor allem aus Osteuropa, dehnten das Verbreitungsgebiet des Luchses langsam wieder nach Mitteleuropa aus. 

Die Luchse, die in Ostbayern auftreten, entstammen meist tschechischen Populationen. Im Grenzgebiet von Bayern und Tschechien gab es auch eine Auswilderung von Luchsen. 

Lebensraum & Lebensweise

Luchs im Wald | © Henning Werth © Henning Werth

Luchse leben einzelgängerisch in festen Revieren, wo sie keine anderen erwachsenen Tiere des gleichen Geschlechts tolerieren. Männchen und Weibchen teilen sich zwar das Revier, begegnen sich aber außerhalb der Paarungszeit nur selten.

Ihre Territorien sind zwischen 50 und 300 km² groß. Luchse, die ein eigenes Territorium besitzen, sind sehr ortstreu. Sie bewohnen gern größere zusammenhängende Wälder mit dichtem Unterholz, eingestreuten Lichtungen und felsigen Partien. Ihre Lager befinden sich in Felshöhlen, hohlen Bäumen, Erdlöchern oder Gebüschen.

Wegen ihrer Heimlichkeit und ihrer guten Tarnung werden sie vom Menschen nur ganz selten beobachtet. Durch ihre territoriale Lebensweise vermehren sich Luchse nicht beliebig. Tiere ohne eigenes Revier müssen abwandern oder sterben. 

So hält sich ihr Bestand natürlicherweise in Grenzen und eine Regulation durch Jagd ist nicht notwendig.

Luchse stehen in der Nahrungspyramide ganz oben. Ihr Bestand wird nicht von natürlichen Feinden reguliert, sondern durch Nahrungsangebot und passenden Lebensraum.

Äußeres

Luchs im Schnee mit aufgestelltem Schwanz | © Christoph Bosch © Christoph Bosch

Der Luchs ist die größte Raubkatze in Deutschland. Ausgewachsene Männchen wiegen 20 kg bis 25 kg, Weibchen 16 kg bis 20 kg.

Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 100 cm, die Schulterhöhe etwa 60 cm.

Das Fell ist rötlich-braun bis beige, meist mit dunklen Flecken. Die Färbung variiert sowohl individuell als auch saisonal. Das Sommerfell ist rötlicher, das Winterfell stark grau getönt. 

Das Gesicht ist umrahmt von einem ausgeprägten Backenbart, der im Winterfell mähnenartig lang ist.

Von anderen Katzen unterscheidet sich der Luchs besonders durch seine langen Beine. Weitere typische Merkmale sind seine Pinselohren und der für Katzen ungewöhnlich kurze Schwanz.

Nicht nur die einzelnen Luchsarten haben ein unterschiedlich geflecktes Fell, sondern auch innerhalb einer Art gibt es große Abweichungen in Farbe und Fleckung. Ein Luchs ist mit seinem Fell so gut getarnt, dass er vor dem laubbedeckten Boden eines Mischwaldes für uns Menschen schon aus einer geringen Entfernung nicht mehr auszumachen ist.

Die Pfoten des Luchses bieten zwei Besonderheiten: Sie sind zum einen verhältnismäßig groß und an Mitte und Rand behaart. Dies dient dem Kälteschutz. Zum anderen verschaffen die breiten Sohlen dem Luchs bei Schneelage den Vorteil, dass sein Gewicht auf eine größere Fläche verteilt wird. Der Druck auf den Untergrund ist somit geringer und er sinkt im Schnee nicht so tief ein. Auch seine Hochbeinigkeit ist dem Luchs bei Schneelagen von großem Nutzen.

Sinnesorgane

Die wichtigsten Sinnesorgane für den Luchs sind Augen und Ohren. Seine Augen sind sechsmal lichtempfindlicher als die eines Menschen und ermögliche ihm auch bei Dunkelheit eine hervorragende Sicht.

Seine Hörschärfe und seine Schalllokalisation übertreffen die des Menschen bei weitem. Luchse verfügen auch über eine empfindliche Nase, aber der Geruchssinn ist wichtiger für die Kommunikation als für die Raumorientierung oder das Aufspüren von Beutetieren.

Ernährung & Jagdverhalten

Luchs mit Beute, eine Taube | © Ralph Sturm © Ralph Sturm

In seinen Ernährungsgewohnheiten ist der Luchs recht flexibel. Wenn möglich reißt er vor allem Rehe. Auch Gämse, Mufflons, Rentiere, Hasen, Murmeltiere, Vögel, Mäuse, Marder, Füchse, Dachse, Waldhühner, Wasservögel, Amphibien und Insekten frisst er.

Der Luchs ist ein sogenannter Anschleichjäger, der seine Beute überraschend aus guter Deckung (Intervalljagd) angreift und dann nur kurz verfolgt und sofort von ihr ablässt, wenn er nicht erfolgreich ist.

Ein Luchs braucht in der Woche ungefähr die Fleischmenge eines Rehs. Der Luchs folgt in seiner Jagdstrategie zumeist seinen Beutetieren.

Deshalb ist er fast immer am Abend und in der Nacht unterwegs.

Fortpflanzund & Jungenaufzucht

Drei Luchse schmusen im Schnee | © Manfred Waldhier © Manfred Waldhier

Während der Paarungszeit im Februar/März bleiben Männchen und Weibchen einige Tage beisammen, um sich danach wieder zu trennen. Außerhalb dieser Zeit gehen sie sich eher aus dem Weg. 

Die Lüchsin ist ca. 10 Wochen mit 2 bis 3 Jungen trächtig und wirft sie ab April - aber nicht jedes Jahr. Bei der Geburt  sind die kleinen Luchse noch blind und wiegen nur so viel wie zwei oder drei Tafeln Schokolade. Sie zieht die Kleinen ohne den Vater in Baumwurzelhöhlen oder Felsnischen auf und säugt sie mit Milch etwa 6 Monate. Nach etwa 3 Monaten folgen die Kleinen der Mutter auf Streifzüge.

Nach ungefähr einem Jahr müssen sich die Kleinen von ihrer Mutter trennen und machen sich dann auf die Suche nach einem eigenen Revier.

Luchse werden zwischen 10 und maximal 20 Jahre (in Gefangenschaft) alt.

Vor allem nach der Trennung von der Mutter sterben viele Jungluchse an Hunger oder auf der Suche nach einem Revier (Straßentod)

Ausrottung

Um das Jahr 1800 war der Luchs in fast ganz West- und Mitteleuropa ausgerottet und überlebte nur in vereinzelten Populationen in Nordspanien, Zentralfrankreich, den Alpen und in Nord- und Osteuropa.

In Deutschland lebten nur noch wenige Exemplare im Bayerischen Wald und im Harz.

Der Hauptgrund für seine Ausrottung lag in einer erbarmungslosen Bejagung durch den Menschen, der den Luchs als Nahrungskonkurrenten betrachtete und dessen Beutetiere auch selbst intensiv bejagte. 

Um 1900 war der Luchs in West- und Mitteleuropa und auch in Deutschland ausgestorben. Heute vernichten der zunehmende Flächenverbrauch und die Zersplitterung der Landschaft den natürlichen Lebensraum der Großkatze.

Rückkehr

Luchs Leoni am Kaitersberg | © LBV © LBV
Luchs Leoni am Kaitersberg, aufgenommen durch eine Fotofalle

Die Situation hat sich für viele bedrohte Arten, wie den Luchs, heute schon leicht gebessert. Insbesondere aus unseren östlichen Nachbarländern, aber auch aus Frankreich, wandern in den letzten Jahren immer mehr Luchse ein. 

Seit 1970 gibt es unter anderem in der Schweiz und in Österreich erfolgreiche Wiederansiedelung des Luchses.

Aber die Menschen haben dazu eine sehr unterschiedliche Meinung: die einen wünschen sich die Rückkehr des Luchses, die anderen kämpfen gegen ihn wie früher.

Tatsache ist, dass der Luchs wieder in Ostbayerns Wäldern lebt. Ob er auch bei uns bleiben wird, hängt davon ab, ob wir ihm eine Überlebenschance geben.

Unsere Landschaft bietet dem Luchs wieder einen Lebensraum.

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