Kormoran

Phalacorcorax carbo

Ruf des Kormorans - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Portraitaufnahme eines Kormoranes, er steht aufrecht und man sieht ihn von hinten, der Kopf ist nach links geneigt | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Größe: etwa gänsegroß, 1700 - 3000g

Aussehen: Gefieder schwarz mit Bronzeschimmer, gelber Schnabel, weiße Kehle und Wangen, türkisfrabene Augen, Silhouette beim Flug "fliegendes Kreuz"

Stimme: gurgelnde, krähende, knurrende Laute "rärä..", "ga-ga-ga..", "korr"

Vorkommen: Flüsse und Seen

Volkstümliche Namen

Der Vogelname stammt aus einem lateinischen Kunstwort, das 'Meerrabe' bedeutet ab. Diese Bedeutung leitet sich von dem überwiegend schwarzen Gefieder der erwachsenen Vögel ab, die in großen Zahlen am Meer vorkommen.

Beschreibung

Der Kormoran ist etwa 80 bis 100 cm groß und sein Gewicht liegt zwischen 1.700 und 3.000 g. Die Weibchen sind etwas kleiner als die Männchen.

Der Hals des Kormoran ist lang und kräftig, der Kopf etwas keilförmig. Am Ende des geraden Schnabels befindet sich eine Hakenspitze. Das Gefieder des Kormorans ist überwiegend schwarz und glänzt metallisch-grün mit silbernen und goldbraunen Farbtönen. Die Kopfpartie wirkt im Prachtkleid geradezu bunt mit türkisfarbenen Augen. Jungvögel sind an ihrem braunen Gefieder zu erkennen. Im Jugendkleid besitzen die Vögel auch weiße Partien, besonders auf der Unterseite.

Im Flug zeigt der Kormoran ein markantes Bild – das „fliegende Kreuz“.
Kormorane sind meist ruhig. Nur an Brut- und Schlafplätzen hört man ihre kehligen, krächzenden Rufe, zum Beispiel „chroho-chrohochro-ho“. Weibchen rufen auch ein hohes „Flii-flii-flii“.

Lebensraum / Verbreitung

Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause. In Europa sind zwei Rassen heimisch. Phalacrocorax carbo carbo lebt an den felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Ph.c.sinensis – die „Festlandsrasse“ – brütet vorwiegend auf Bäumen und hat zwei Verbreitungsschwerpunkte: ein Gebiet von den Niederlanden über Norddeutschland bis ins Baltikum sowie Teile Südosteuropas und des Donauraums. Immer häufiger ist die Art auch im dazwischen gelegenen Binnenland anzutreffen. In Deutschland besiedelt der Kormoran Flüsse und Seen des Binnenlandes sowie die Küsten an Nord- und Ostsee.

Je nach Brutort sind Kormorane Teilzieher oder Zugvögel. Die Ostseepopulation zieht über Land und überwintert von Süddeutschland bis Nordafrika. Jungvögel zerstreuen sich schon im Juni und Juli in der weiteren Umgebung. Altvögel verlassen die Brutgebiete im Oktober und November und ziehen von Ende Januar bis März wieder zurück.

Bestand

Heute leben in Deutschland wieder rund 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Ein recht großer Teil der Kormorane brütet in Naturschutzgebieten, Nationalparks oder EU-Vogelschutzgebieten. Die Zahl der Brutpaare hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. Nach der Brutzeit gesellen sich Kormorane aus nördlichen und östlichen Brutgebieten hinzu. Der Maximalbestand an den Küsten ist daher im Spätsommer erreicht, im Binnenland erst im Winter.

In Deutschland lebt nur ein kleiner Teil des europäischen Bestandes von rund 755.000 Kormoranen.

Kormoran auf einem Ansitz im Wasser | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Kormoran wartet auf Nahrung im Wasser

Jagd

Auf dem Wasser liegt der Kormoran tief im Wasser, während der Schnabel schräg nach oben zeigt. Der Grund: In den Knochen eines Kormorans ist weniger Luft enthalten als bei anderen Vögeln. Das macht ihn unter Wasser schnell und beweglich. Sein Gefieder ist nicht ganz wasserdicht und nässt schnell durch. Das vermindert den Auftrieb beim Tauchen und spart Kraft. Den Antrieb nach vorne liefern weit hinten am Körper ansetzende Ruderfüße.

So kann er bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief tauchen. Wie Pelikane gehen sie auch auf Gemeinschaftsjagd und können dabei einen Fischschwarm einkreisen. Nach dem Tauchen muss der Kormoran sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder von Wind und Sonne wieder trocknen lassen. Dazu breitet er die Flügel in einer charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus.

Nahrung

Kormorane fressen fast ausschließlich Fische und tauchen oft gemeinsam nach Nahrung. Kormorane sind Nahrungsopportunisten, fangen also bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können. Darum fressen sie v.a. häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ (Karpfenartige, lat. Cyprinidae) wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische. „Edelfische“ wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus.

Jagen sie gemeinschaftlich liegt die Größe der Beutefische meist zwischen 10 und 20 cm, selten darüber. Einzeln können sie auch größere Fische wie etwa Aale fangen.

Kormoran-Altvogel füttert im Nest Jungvögel. Es sind vier Jungvögel zu sehen | © Dr. Andreas von Lindeiner © Dr. Andreas von Lindeiner
Kormoran mit seinen Jungvögeln im Nest

Fortpflanzung

Kormorane sind Koloniebrüter, die meist auf höheren Bäumen brüten, häufig zusammen mit Graureihern. Sie legen 3 bis 4 Eier, die von den Partnern gemeinsam bebrütet werden. Nach 23 bis 29 Tagen schlüpfen die zunächst blinden Küken, weitere 6 bis 7 Wochen sind sie im Nest. Im Alter von zwei Monaten sind sie voll flugfähig.

Kormorane treffen ab Anfang März am Brutplatz ein, die Männchen besetzen die Nester und balzen auffällig. Die Paare reiben ihre Hälse zärtlich aneinander, meist bleiben die Partner jedoch nur für ein Jahr zusammen.

Die Kolonien können mehrere hundert Tieren groß sein, als Schutz vor natürlichen Feinden wie zum Beispiel dem Seeadler. Kormorane sind eher langlebige Vögel, die erst nach dem dritten Lebensjahr geschlechtsreif sind. Nicht alle zur Brutzeit anwesenden Vögel sind also im Brutgeschäft. Die Koloniebäume sind vom Kot weiß getüncht, z.T. werden die Nester auch auf dem Boden angelegt.

Gefährdung

Nach der quasi Ausrottung Anfang des 20. Jahrhunderts haben sich die Bestände seit den 80er Jahren wieder erholt. Heute bringt intensive Verfolgung den Kormoran erneut in Gefahr: Die Maßnahmen reichen vom Fällen der Horstbäume über die Zerstörung von Nestern und Eiern bis zur Vertreibung (Vergrämung) und Tötung durch Abschuss am Brutplatz sowie in Rast- und Überwinterungsgebieten.

 

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