Kolkrabe

Corvus corax

Ruf des Kolkrabens

Stimme des Kolkrabens
Seine Rufe sind auffallend tiefer wie die der verwandten Rabenkrähen „kark“ oder „kok“.

Status

Rote Liste Bayern: nicht gefährdet
Rote Liste Deutschland: nicht gefährdet

Blick ins Geschichtsbuch

Kolkrabe auf einer Wiese, hat etwas im Schnabel | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Kolkrabe (Corvus corax)

Seit Jahrtausenden begleiten sich Mensch und Rabe im Sinne einer gemeinsamen kulturellen Entwicklung. Menschen nahmen immer Einfluss auf Rabenvögel und diese auf den Menschen. Mehr als andere Tierarten haben Raben in vielen Kulturen Kunst, Sprache und Spiritualität beeinflusst. Zu Zeiten der Jäger und Sammler kooperierten Mensch und Rabe beim Jagen. Raben führten Jäger zum Wild und profitierten im Gegenzug von der Beute. Nicht ohne Grund galten Raben als Götterboten. Heute profitieren Raben von Landwirtschaft, Siedlungsbau und Freizeitaktivitäten der Menschen - und das lässt sie oft als "Schädlinge" erscheinen.

Die Mär vom Lämmerkiller
Unzutreffend sind die wiederkehrenden Geschichten vom Kälber- und Lämmerkiller. Raben vermögen kein Kalb zu töten. Allenfalls stören sie Herden zur Geburtszeit und können kranke, gehandicapte Jungtiere verletzen. Sie warten auf Tot- und Nachgeburten um sie als "Kadaver-Recycler" zu entsorgen. Videoüberwachungen an Rinderherden in Brandenburg konnten Raben in keinem Fall Morde nachweisen. Indes lernten dort die Raben, wie man an lecker-süßen Kälberkot kommt: Man nähert sich von hinten dem ruhenden Kalb und pickt es in den Schwanz. Auf diesen Reiz stehen die meisten Kälber auf und koten reflexartig. Diese Strategie wird nun seit mehreren Raben-Generationen praktiziert. Dennoch wird immer wieder die Forderung nach Verfolgung laut, in Missachtung ökologischer Tatsachen und wirksamerer Bekämpfungsmethoden.

Volkstümliche Namen
Als Galgen- und Plagvogel wird der Kolkrabe auch als 'Aas-Raabe' bezeichnet, wobei ungeklärt ist, ob es sich in den historischen Geschichten wirklich beim Galgenvogel um den Kolkraben handelt. Manchmal wird der Kolkrabe auch als 'Gold-Raabe' bezeichnet, was auf das im Sonnenschein scheinbar Gold glänzende Gefieder des Vogels zurückzuführen ist.

Aussehen

Größe
Körperlänge: 54 bis 67 cm

Flügelspannweite: 120 bis 150 cm

Kennzeichen
Der Kolkrabe ist der größte Rabenvogel Europas. Männchen sind nur geringfügig größer und schwerer, als die Weibchen, wodurch beide kaum voneinander zu unterscheiden sind. Das Gefieder der adulten Vögel ist einfarbig schwarz und verfügt über einen metallisch grün oder blau-violetten Glanz, welcher den Jungvögeln fast vollständig fehlt. Beine und Schnabel sind ebenso schwarz gefärbt. Auffällig sind die Krümmung des Oberschnabels nach unten, sowie die Nasalborsten, Kehlfedern und der keilförmige (rautenförmige) Schwanz, wodurch er von anderen, ähnlich erscheinenden Vögeln im Flug unterschieden werden kann.

Vorkommen

Kolkrabe auf Zaun | © Henning Werth © Henning Werth
Kolkrabe (Corvus corax)

Bei uns: ganzjährig

Verbreitung
Seine Verbreitung erstreckt sich über fast ganz Europa, Asien, Nord- und Ostafrika, sowie Nord- und Mittelamerika.

Verbreitung in Bayern
Der Kolkrabe ist in Bayern in den Alpen, in Teilen des Alpenvorlandes, in Nordwestbayern (Spessart, Rhön, Grabfeldgau) und Nordostbayern (Frankenwald, Fichtelgebirge) flächig verbreitet. Zusammenhängende Vorkommen finden sich auch im Bayerischen Wald, in Teilen der Frankenalb, im Nürnberger Reichswald sowie in den Donau-Iller-Lech-Platten. Neu entstandene Lücken im Verbreitungsbild gehen vor allem auf unvollständige Kartierungstätigkeit zurück. Höchste Brutplätze wurden bis 1.700-1.800 m ü.NN nachgewiesen. Außerhalb dieser höher gelegenen Gebiete haben sich regionale und lokale Vorkommen im Tiefland gebildet.

Die aktuelle Bestandsschätzung ist zwei- bis dreimal höher als jene aus dem letzten Kartierzeitraum von 1996-99 des Bayerischen Landesamt für Umwelt. Ausgehend von Restbeständen in den Alpen und einem Wiederansiedlungsprojekt im Bayerischen Wald hat der Kolkrabe sein Areal in den letzten 40 Jahren - auch dank seiner Unterschutzstellung - wieder deutlich ausweiten können. Die Besiedelung Nordbayerns ist möglicherweise auch eine Folge der Wiederausbreitung dieser Art vom nördlichen Mitteleuropa her.

Bestand in Bayern: 1200-1500 Brutpaare

 

Lebensweise

Verhalten
Kolkraben sind äußerst intelligente und sprachgewandte Tiere. Dabei nutzen sie eine Vielzahl unterschiedlicher Lautäußerungen (Kolken, Grunzen, Rülpsen, Knarren, Sirren) und ahmen mitunter die Rufe anderer Vögel und Wildtiere nach. Des Weiteren unterscheiden sie zwischen vertrauten und fremden Raben, sowie „freundlich“ und „unfreundlich“ bekannten Raben und begrüßen diese mit jeweils anderen Stimmlagen.

Kolkraben sind verspielt und beschäftigen sich gern mit Artgenossen beim „Rodeln“ im Schnee, Kopfunterhängen und Schaukeln, sowie dem Spiel mit Gegenständen. Durch ihre hervorragenden Fertigkeiten im Flug sind Raben in der Lage Loopings und Sturzflüge zu vollführen und können sogar auf dem Rücken fliegen. Beim Hochzeitsflug beweist das Männchen, dass es ein wahrer Luftakrobat ist, um das Weibchen zu beeindrucken. Einmal überzeugt, bleiben sich Männchen und Weibchen lebenslang treu.

Lebensraum
Kolkraben nutzen Gebirge, Felsküsten, Wälder und Kulturlandschaften unterschiedlicher Beschaffenheit als Lebensraum, wobei Felsnischen, große Bäume oder ähnliches vorhanden sein muss, um den Nestbau zu ermöglichen. 

Nahrung
Das Nahrungsspektrum des Kolkraben ist sehr breit und reicht von Abfällen über Aas, Amphibien, Reptilien, Wirbellosen, Eiern und Küken bis hin zu pflanzlicher Kost. Dabei profitieren Raben von ihrer großen Lernfähigkeit und Intelligenz und verstehen sich beispielsweise gut darauf brütende Vögel von ihrem Gelege zu vertreiben, um ein Ei oder Küken zu erbeuten.

Fortpflanzung
Im März/April legt das Weibchen 4 bis 6 Eier, die es zumeist allein bebrütet. Nach rund 20 Tagen schlüpfen die Jungvögel, welche von beiden Eltern gefüttert werden. Nach weiteren 40 bis 42 Tagen fliegen die Jungvögel im April/Mai das erste Mal aus. Die Jungvögel verweilen oft zwei bis drei Jahre bei ihren Eltern. Frei lebende Raben werden bis zu 20 Jahre alt.

Schon gewusst?

Raben genießen Sympathien, weil sie als sehr sozial und intelligent gelten. Auch die Wissenschaft interessiert sich dafür. Dazu machen Forscher verrückte Dinge: Sie ersinnen komplizierte Aufgaben, die Raben mit Bravour lösen. Sie verfolgen markierte Einzelvögel, sie unterziehen Käfigvögel ausgeklügelten Tests um Versteckstrategien zu ermitteln oder erklettern mit Pfeil, Bogen und Kletterseil hohe Bäume um Nester und Jungvögel zu erforschen. Sie belauschen Raben und beginnen zu verstehen wie sie sich auf "Räbisch" unterhalten.

Verhaltensforscher bescheinigen Raben Einsichtsfähigkeit, vorausschauendes und problemlösendes Handeln. Raben verstehen Absichten und Handeln ihrer Artgenossen. In vielen Weltregionen ernähren sich Raben von Tierkadavern, die mehr Futter bieten als momentan gefressen werden kann. Deshalb legen sie vorübergehende Futterverstecke an. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Artgenossen beobachten das Verstecken und gehen stibitzen. Versuche zeigen, dass Raben diese Absichten erkennen und komplexe Strategien entwickeln um Plünderer zu täuschen.

Und Raben reden miteinander. Was viele für Gekrächze halten und Rabenvögel zu Unrecht bei den Singvögeln eingeordnet sehen, erfüllt die Kriterien einer Sprache. Schweizer Forscher haben genau hingehört und 79 verschiedene Rufe entdeckt von denen einzelne Individuen bis zu 12 beherrschen. Sie werden wie eine Sprache nach Regeln benutzt und kulturell zwischen Geschlechtern, Partnern und Nachbarn weiter gegeben.

Neue Erkenntnisse und besseres Verständnis der Rabenvögel können zukünftig dazu beitragen, Vorurteile zu überwinden und einen neuen Umgang mit einer hochinteressanten Vogelfamilie zu praktizieren, die eine lange gemeinsame Tradition mit dem Menschen verbindet.

Gefährdung

Nach Jahrhunderten der rücksichtslosen Verfolgung, ist der Kolkrabe zwar aktuell nicht mehr gefährdet (IUCN: „least concern“), wird in Deutschland jedoch ganzjährig geschont und bedarf des Schutzes vor allem vor illegaler Jagd.

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes), Familie: Rabenvögel (Corvidae), Gattung: Raben und Krähen (Corvus), Art: Kolkrabe

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