Flussseeschwalbe

Sterna hirundo

Ruf der Flussseeschwalbe - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Stimme der Flussseeschwalbe
In Kolonien ruffreudig, z.B. kurz und scharf „kit“, schnell gereiht „kt-kt-kt-kt-...“ und mit Variationen „KIERri-KIERri-KIERri...“; Warnruf zweisilbig, gedehnt, abfallend „kriii-errr“ oder scharf „tschip!“.

Status

Rote Liste Bayern: Gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet

Blick ins Geschichtsbuch

Volkstümlicher Name
Die Bezeichnung haben Seeschwalben wohl vom gegabelten Schwanz und dem eleganten Flugstil. Sie sind aber mit den Möwen verwandt.

Aussehen

Flussseeschwalbe auf einen Holzzaun mit ausgestreckten Flügeln | © Gunther Zieger © Gunther Zieger
Flussseeschwalbe (Sterna hirundo)

Größe: ca. 34 – 37 cm (davon 5-8 cm Schwanzspitze)

Spannweite: ca. 70 – 80 cm

Gewicht: ca. 100 – 150 g

Alter: ca. 20 Jahre 

Kennzeichen
Möwenartiger, schlanker und sehr eleganter Vogel, der kleiner ist als eine Lachmöwe. Gefieder überwiegend weißlich. Flügel und Rücken hellgrau. Lange weiße Schwanzspitze.

Prachtkleid: mit schwarzer Kopfplatte, die bis in den Nacken reicht. Schnabel orangerot mit (vor allem im Mittsommer manchmal sehr kleiner) schwarzer Spitze; Unterseite hellgrau und meist ohne Kontrast zur weißen Wange; Schwanzspieße überragen Flügelspitzen nicht; unterseits Handschwingen weiß mit breiter, verwaschen dunkler Hinterkante.
Schlichtkleid: Stirn und Unterseite weiß, dunkler Bugsteif, Schnabel ganz schwarz.
Jugendkleid: kontrastreicher mit bräunlichem Rücken.

Ähnliche Arten
Sehr ähnlich zur Küstenseeschwalbe, aber etwas größer, strukturelle Merkmale hilfreich: Schnabel (wird oft leicht abwärts gebogen), Kopf und Beine länger (deutlicher Abstand), im Flug Hals-Kopf-Profil länger, Flügel etwas breiter und Körpermitte bildend.

Vorkommen

zwei Flusseeschwalben auf Kiesboden | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Flussseeschwalben sind in ganz Europas verbreitet

Bei uns
In Europa und bei uns: April bis Oktober; Im Herbst brechen Flussseschwalben auf in ihr Winterquartier in West- und Südafrika. Vögel aus nordöstlichen Brutgebieten ziehen dann häufig bei uns durch.

Verbreitung
Das Areal der Flussseeschwalbe erstreckt sich über ganz Europa.

Verbreitung in Bayern
Die Flussseeschwalbe brütet in Bayern lokal und fast ausschließlich in Südbayern. Mit einer Einzelbrut bei Schwandorf im Jahr 2004 drang die Art auch nach Nordbayern vor. Im Vergleich zum Erfassungszeitraum 1996-99 kam es durch die Bereitstellung von Brutflößen und -inseln in Baggerseen und Staubereichen der Flüsse zu Neuansiedlungen im Donautal, an der Unteren Mindel, Günz und Iller und damit es zu einer deutlichen Arealerweiterung. Als Metapopulation sind die größten Kolonien mit bis zu 70 Paaren derzeit am Starnberger See, am Ammersee und an der Mittleren Isar zu finden.

Der heutige Bestand ist aber vermutlich nur ein Bruchteil des Bestandes am Ende des 19. und Beginn des 20. Jh. 

2003 fand eine erfolgreiche Einzelbrut am Chiemsee statt. In Nordbayern fehlen Hinweise auf Brutversuche. In Bayern brüten derzeit etwa 16 % der deutschen Binnenland-Population, die aber das gleichzeitige Schrumpfen der Küsten-Population um ein Drittel nicht ausgleichen konnte.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt gut doppelt so hoch wie die Zählungen des Bayerischen Landesamt für Umwelt im Jahr 1996. Neuansiedlungen entstehen ausschließlich durch menschliche Hilfe. Bei anhaltender Betreuung gibt es ein beträchtliches Wachstumspotenzial.

Bestand in Bayern: 300-350 Brutpaare

Lebensweise

Flusseeschwalben-Nest mit einem Ei | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Die Flussseeschwalbe braucht zum Nestbau offene, unbewachsene Strukturen

Verhalten
Die Flussseeschwalbe ist in großen, lauten Kolonien anzutreffen. Die Kolonie verteidigt gemeinsam die Nester gegen Fressfeinde. Wie alle Seeschwalben ist auch sie ein eleganter Flieger, der seine Beute vor allem durch stoßtauchen aus dem Wasser fischt. Auf der Nahrungssuche legen sie zuweilen weite Strecken zurück.

Lebensraum
Die Flusseschwalbe bevorzugt Küsten und Flussniederungen, sowie größere Seen. Sie ist an der Küste und im Binnenland anzutreffen. Klare und fischreiche Gewässer mit Kiesstränden und -Inseln sagen den Seeschwalben besonders zu.

Nahrung
Auf dem Speiseplan der Flussseeschwalbe stehen kleine Fische, Krebse und Insekten; rüttelt und taucht im direktem Stoß nach Fischen.

Nest
Nestmulde am Boden

Fortpflanzung 
Um erfolgreich brüten zu können, benötigen Flussseeschwalben offene, unbewachsene Strukturen (z. B. Kiesinseln), auf denen sie ihre flache Nestmulde anlegen können. Auch die Störungsarmut nahe der Brutstätte spielt eine große Rolle. Das Gelege umfasst meist 2 – 3 Eier (Spanne: 1 – 4 Eier) und wird von beiden Elternteilen bebrütet. Auch später, bei der Aufzucht der Jungen, wechseln sich das Weibchen und das Männchen ab. Es ist keine Seltenheit, dass die Eltern auf ihren Nahrungsflügen mehrere Kilometer zurücklegen. Durch Stoßtauchen erbeuten sie kleine Fische, die dann quer im Schnabel gehalten und zu den Jungen zurücktransportiert werden. Die Jungtiere sind schließlich nach knapp vier Wochen flügge. Sie werden danach noch mehrere Wochen von den Eltern betreut, nicht zuletzt, um die Kunst des Stoßtauchens zu erlernen.

Schon gewusst?

Flussseeschwalben brüten in der Regel erst im dritten oder vierten Lebensjahr und können über 20 Jahre alt werden. Gerade ältere Individuen zeigen eine stark ausgeprägte Brutplatztreue. Sie kehren also jedes Jahr in ihre angestammte Kolonie zurück. Dadurch sind auch langjährige Saison-Ehen möglich, obwohl die Partner den Winter teilweise getrennt verbringen.

Gefährdung

Flussseeschwalbe im Flug | © Dr. Christoph Moning © Dr. Christoph Moning
Nur noch wenige Hundert Brutpaare der Flussseeschwalbe in Bayern anzutreffen

Leider sind geeignete Brutplätze im Binnenland sehr selten geworden. Diese Entwicklung ist sowohl den Maßnahmen zu Flussbegradigungen und Staustufen als auch der steigenden Freizeitnutzung gewässernaher Bereiche zuzuschreiben. Tatsächlich war das Brutvorkommen der Flussseeschwalbe in Bayern zu Anfang der 1980er Jahre fast vollkommen erloschen.

Nur durch die Bereitstellung künstlicher Brutflöße und Nistinseln war es überhaupt möglich, dass mittlerweile wieder einige hundert Paare in Bayern brüten. Trotzdem ist diese einst so verbreitete Art hierzulande immer noch als „gefährdet" einzustufen (Rote Liste der Brutvögel Bayerns, Kategorie 3).

Systematik
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes), Familie: Möwen und Seeschwalben (Laridae), Gattung: Sterna, Art: Flussseeschwalbe

Quellen:
Lars Svensson: Der Kosmos Vogelführer, Stuttgart 2011.
Bayerisches Landesamt für Umwelt, lfu.bayern.de

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