Fischotter

Lutra lutra

Fischotter steht auf einem nassen Stamm | © Dr. Andreas von Lindeiner © Dr. Andreas von Lindeiner

Fischotter gehören zur Familie der Marderartigen und sie existieren bereits doppelt so lange wie der Mensch: 15 Mio. Jahre!

Mit seinem langen und schnittigen Rumpf und den Schwimmhäuten zwischen den Zehen bewegt sich der Einzelgänger äußerst elegant im Wasser - mit bis zu sagenhaften 12 km/h! Unter Wasser erreicht mit seinem starken Herz, seiner großen Lunge und seinen empfindlichen Tasthaaren während eines bis zu 7-minütigen Tauchganges sogar die bodenlebenden Unterwassertiere.

Beutedichte, Habitatqualität und auch das Geschlecht bestimmen die Reviergrößen, welche sich bis über 100 Flusskilometer erstrecken können. Die Territorien der größeren Männchen (Gewicht: 8-12 kg) beinhalten häufig 1-2 Fähenreviere (Gewicht: 4-8 kg). Die etwa dackelgroßen Tiere werden bis zu 140 cm lang und 30 cm hoch.

Im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Säugetieren, hält der Fischotter weder Winterschlaf noch Winterruhe, sondern bringt sogar während der kältesten Jahreszeit noch Nachwuchs zur Welt (3 Jungtiere/Jahr maximal).

Fischotterstoffwechsel läuft dauerhaft auf Hochtouren

Fischotter mit Fisch im Wasser | © Fotolia © Fotolia

Um dessen Überleben zu sichern, benötigt Lutra lutra möglichst fettreiche Nahrung, wie z.B. Fische (mit 67% die hiesige Hauptnahrung). Weitere Beutetiere können Amphibien, Reptilien, Vögel, Kleinsäuger oder auch Insekten sein.

Fischotter sorgen für einen positiven Selektionsdruck auf die Beutepopulationen, indem sie vorrangig kranke und schwache Fische zuerst jagen. Die zweite Wahl fällt auf dicke und langsame Fische, welche man eher unter den Pflanzenfressern findet. Diese sollten auch nur in Maßen verzehrt werden, da sie viel Thiaminase enthalten: Enzyme, die Vitamin B abbauen.

Zu bevorzugen sind daher Raubfische, zwar schlanker und flinker, aber aufgrund ihres Verhaltens (Lauerjäger) für den Otter leicht zu erbeuten. Dessen gesamter Stoffwechsel läuft dauerhaft auf Hochtouren, was Kraft und Schnelligkeit bringt, aber auch dafür sorgt, dass ein Fischotter bis zu 1 kg Nahrung pro Tag aufnehmen muss.

Mögliche Kinderstuben können Uferhöhlen oder alte Baue von Fuchs oder Dachs darstellen. Ein Jahr lang bleiben sie bei der Mutter und lernen, wie man Krustentiere knackt oder Kröten häutet. In freier Wildbahn erreichen sie üblicherweise ein Maximalalter von 3-4 Jahren

Sein Hightech-Fell mit dem dichten Deckhaar und die spinnfädenartigen Unterhaare (70.000 Härchen/m²) sorgen für eine perfekte Isolierung und lassen keinen Tropfen Wasser hindurch. Körperwärme wird so ideal gespeichert und höchstens an den Körperöffnungen oder Füßen abgegeben.

Fischotter war beinahe ausgerottet

Fischotter gähnt | © Fotolia © Fotolia

Ähnlich wie bei den großen Beutegreifern Wolf, Bär und Luchs wurden auch Fischotter bis Ende des 19./ Anfang 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa durch den Menschen beinahe ausgerottet. Gnadenlose Jagd, Gewässerbau und Umweltgifte sind hier als Hauptursachen zu nennen.

Seine ursprüngliche Verbreitung reichte vom heutigen Irland bis Japan, vom Polarkreis bis Nordafrika und Indonesien. Je dichter die Besiedlung durch den Menschen wurde, umso enger wurde es für ihn. Sie duldeten keinen Fischräuber und jagten ihn wegen des edlen Felles.

Spezialisierte Otterstecher mit martialischen Fallen und Spießen machten ihm das Leben zur Hölle. Es gab regelrechte Otter-Treibjagden mit eigens gezüchteten Jagdhunden, die noch das tiefste Versteck aufspürten. Als wäre das nicht genug, wurde dem Otter später buchstäblich jede Chance auf Rückkehr verbaut: Flussbegradigungen, Wasserkraftwerke, Uferbefestigungen etc. verwandelten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Flüsse in armselige Gerinne.

Fischbestände brachen ein – und damit die Nahrungsgrundlage des Otters. Hinzu kamen Umweltgifte wie Polychlorierte Biphenyle oder Schwermetalle, welche für das flächenhafte Aussterben in weiten Teilen Europas ab 1960 mitverantwortlich gemacht werden.

Zurück in Bayern: Leitart für fischreiche und funktionierende Gewässer-Ökosysteme

Ein Fischotter trägt einen Fisch im Maul aus dem Wasser | © Ralph Sturm © Ralph Sturm

Nun ist er dank strenger Naturschutzgesetze und Schutzmaßnahmen zurück in Bayern und sorgt erneut für Aufregung. Dabei ist dort, wo der Fischotter lebt, die Wasserwelt weitgehend in Ordnung. Er liebt lebendige Flüsse, Seen Auen, Weiher oder Bäche in ihrer natürlichen Vielfalt: geschwungene Mäander, flache Uferzonen mit viel Bewuchs, Abbruchkanten und Altholz.

Er ist kein Baumeister wie der Biber, Deckung und Unterschlupf findet er zwischen unterspülten Baumwurzeln, im Schilf oder dichten Gebüsch. Dorthin zieht er sich zu Ruhepausen, zur Fellpflege und zur Jungenaufzucht zurück.

Vor allem aber bieten ihm naturnahe Lebensräume die nötige Beutevielfalt, was ihn zur unbestrittenen Leitart fischreicher und funktionierender Gewässer-Ökosysteme macht. Leider ist die Wasserwelt aber in weiten Teilen Europas nicht in Ordnung.

Der Fischotter und dessen Lebensraum stehen international ganz oben auf den Listen gefährdeter Arten, in Deutschland daher „streng geschützt“ - hohe Geld- oder Freiheitsstrafen drohen jedem, der ihn verfolgt, fängt, absichtlich stört, tötet oder seine Fortpflanzungs- /Ruhestätte beschädigt.

Darüber hinaus ist der Besitz oder Handel von Fischottern oder daraus hergestellten Gegenständen verboten. Auch Auswirkungen von Bauprojekten auf die Tierart müssen überprüft werden. Zwar ist der Fischotter im Jagdgesetz verankert, aber steht unter ganzjähriger Schonzeit

Internationale Verpflichtungen zum Fischotter-Schutz

  • Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES)
  • EU-Artenschutzverordnung
  • Biodiversitäts-Konvention
  • Ramsar-Konvention
  • EU-Wasserrahmenrichtlinie
  • Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH)

Gefährdungsfaktoren für den Fischotter

Verbreitung des Fischotters in Bayern, man sieht viele rote Punkt in ganz Ost-Bayern entlang der Landesgrenze, was sein Vorkommen markiert | © LfU © LfU

Dieser Strenge Schutzstatus ermöglicht dem Otter eine Rückkehr in unsere Landschaften. Diese geht aber eher langsam von Statten, was diverse Gründe hat, wie z.B. der zunehmende Verkehr und die starke Fragmentierung unserer Landschaft.

Brücken steht der Otter generell eher misstrauisch gegenüber und bevorzugt es, den Landweg zu nehmen statt unter ihnen hindurchzuschwimmen (auch mangels geeigneter Uferrandstreifen). So enden viele Tiere als Verkehrsopfer.

Weiterhin schlägt ihm der Mangel an geeigneten Lebensräumen zu Gemüte: Flüsse und Bäche sind größtenteils ausgebaut und deren Ufer intensiv gepflegt. Auf weiten Strecken gibt es kaum noch Beutefische, weil Laichplätze fehlen und Wanderwege durch Staustufen zerstückelt sind.

Eine verborgene Gefahr birgt aber auch der idyllischste Tümpel oder Bach: Umweltgifte, welche sich mit jedem Nahrungsketten-Glied anreichern. Besonders gefährlich für Otter: polychlorierte, Biphenyle. Diese schwächen Immunsystem und Fruchtbarkeit immens. Auch Quecksilber ist nicht zu verachten, denn es lässt sich noch über Jahrzehnte nach seiner Einbringung im Sediment nachweisen.

Hohe Dunkelziffern finden sich bei der Anzahl illegaler Tötungen, welche ursächlich für die schleppende Ausbreitung dieser Tierart ist.

Fest steht: Der Fischotter braucht dringend Schutz und Unterstützung!

Viele Wildtiere wie auch der Fischotter und seine Nahrungstiere können schlichtweg nicht ausreichend wandern. Hätten alle 15-20.000 Brücken in Bayern ausreichend Uferstreifen, könnten sie problemlos passieren. Daher: Bau oder Sanierung jeder einzelnen Brücke mit Querungshilfen ist eine Chance für Artenschutz und Biotopverbund.

Märchen und Mythen über den Fischotter

Fischotter steht auf einem liegenden Baumstamm im Herbst | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Die Menschen haben seit jeher ein gespaltenes Verhältnis zum Fischotter: trotz aller Vorbehalte gegenüber dem „Fischdieb“ waren sie immer auch von dessen Intelligenz, Anmut und Geschicklichkeit fasziniert.

Dass ein Miteinander möglich ist, zeigen – wie auch beim Wolf – Beispiele aus anderen Zeitaltern und Regionen: ob es die Fischzüchter in der Heide- und Teichlandschaft der Oberlausitz waren, welche nach 1945 mit dem sowjetischen Jagdverbot gezwungenermaßen lernen mussten, mit dem Otter zu leben und sich daraufhin starke Bestände entwickelten oder die im 18. Jahrhunderts praktizierte Abrichtung von Fischottern als Fischfänger für den Menschen.

In unserer heutigen Kulturlandschaft sind Otter äußerst wichtig als Umwelt- und Gesundheitswacht für Gewässer-Ökosysteme. Ihre Populationsgröße ist dabei durch die Anzahl verfügbarer Habitate und das Territorialverhalten ganz natürlich begrenzt.

Ihr Problem ist eher: sie haben ein Imageproblem! Schuld ist oftmals die Lokalpresse, die Schadensmeldungen aufbauscht und ihn zum Massenmörder stilisiert. Etwa, wenn er im Beuteschlagreflex (a.k.a. „Blutrausch“) in einem Teich mehr Fische tötet, als er fressen kann. Insbesondere Jungtiere können vom Gewimmel in einem Zuchtteich am Anfang ihres Lebens überfordert sein, erst später lernen sie, damit umzugehen.

Auch bezüglich seiner angeblich ungehemmten Vermehrung kursieren Falschmeldungen. Gewiss hatten Fischotter nie natürliche Feinde, aber auch in Urlandschaften vermehren sie sich nur so weit, sie das Nahrungsangebot erlaubt. Bei Knappheit müssen sie ihre Streifzüge ausdehnen, wobei sie auch hier an physische Grenzen stoßen. Und so es genug gibt, sorgt ein striktes Reviersystem dafür, dass die Otter nicht überhandnehmen.

Ihr Territorium grenzen sie bevorzugt am Gewässerrand an exponierten Stellen mit Losung (Kot) oder Markierungssekret ab, welches von den Analdrüsen am Schwanzansatz abgegeben wird. Dessen moschusartiger Geruch dient dazu, Informationen an andere Otter zu hinterlassen und ihre Präsenz im Gebiet zu markieren: Treffen gleichgeschlechtliche Artgenossen aufeinander, kann es u. U. zu heftigen Auseinandersetzungen kommen.

War's wirklich der Otter?

Zwei Fischotter stehen im Schnee und Eis an einer Wasserstelle | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Unbegründet ist die Mär, Otter könnten ganze Flüsse „leerfischen“, denn die Fischbestände hängen grundlegend von Habitatqualität ab und weniger vom Fressfeind. Übrigens wenn in einem Teich über Nacht 80 Fische abhanden kommen, ohne dass Fraßreste oder tote Fische zu finden sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass hier ein Fischotter zu Gange war.

Neben dem gierigen Nachbarn gibt es hier theoretisch viele Verdächtige, wie z.B. Kormoran, Reiher, Mink, Marder, Fuchs oder sogar Hauskatze. Deshalb ist Spurensicherung am Tatort angesagt. Ein klares Indiz für Ottereinbruch ist der oft grünliche, von Schuppen, Knochen und Gräten durchsetzte Kot, dessen fischig-süßliche Geruch an frisches Heu oder Moschus erinnert und in Form kleiner geleeartiger Fladen auffällt.

Wie auch das Analdrüsensekret wird der Kot als Reviermarkierung an auffälligen Stellen (Stein, Baumstumpf) eingesetzt. Verräterisch sind außerdem die Reste seiner letzten Mahlzeiten. Ottertypische Fußspuren sind außerdem durch 5 Zehen und klare Abzeichnung der Schwimmhäute charakterisiert. Bessere Beweise liefern aber Video- oder Wildkameras.

Die Anzahl der ansässigen Otter lässt sich mit dem genetischen Fingerabdruck genauer ermitteln. Probenmaterial stellen Kot und Analdrüsensekret dar, da diese meistens Darmzellen enthalten. Sie verraten jedes einzelne Tier und — bei ausreichender Probenzahl – sogar dessen Aktionsradius.

So lassen sich neben der aktuellen Populationsdichte auch Verwandtschaftsgrade und Ausbreitungstendenzen entwickeln. Ein Monitoring der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zeigte z.B., dass der Fischotter in Niederbayern nördlich der Donau tatsächlich häufiger vorkommt, als vermutet.

Durchschnittlich leben hier 6 Individuen auf 100 km² – im Vergleich zur Oberlausitz immer noch wenige: dort arrangieren sich die Karpfenzüchter mit 60/100 km².

Wurzel der Probleme ist nicht der Otter, sondern die menschliche Landnutzung

Während in der Oberpfalz und Oberfranken große Karpfenteiche/-seen überwiegen, dominieren im Bayerischen Wald kleine, dicht besetzte Forellenteiche. Hier kann der Otter wesentlich leichter jagen. Andererseits sind diese Anlagen auch kostengünstiger und einfacher zu schützen.

In ökologisch sensiblen Lebensräumen wie den Quellbereichen der Mittelgebirge haben die gewässerbelastenden Forellenteiche eigentlich nichts verloren. Karpfenteiche im Flachland hatten früher Seerosen, ausgedehnte Schilf- und Flachwasserzonen.

Der Trend geht aber immer mehr zu vegetationsarmen „Badewannen“ mit Steilufer und dichtem Besatz ohne Versteckmöglichkeit. Konflikte sind damit vorprogrammiert. Man merkt also schnell, die Wurzel der Probleme ist nicht der Otter, sondern wie so oft die intensive menschliche Landnutzung.

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