Dohle

(Corvus monedula)

Portrait einer Dohle, die auf einem Felsen sitzt | © Wolfgang Lorenz © Wolfgang Lorenz
Kaum zu glauben: Dohlen sind Sperlingsvögel

Die Dohle ist ein Rabenvogel aus der Untergattung Singvögel und der Ordnung "Sperlingsvögel" und war Vogel des Jahres 2012. Auf den ersten Blick ist die etwa taubengroße Dohle schwarz. Doch reflektieren ihre Federn das Licht in schillernden Farben. Hinterkopf, Nacken und Ohrdecken sind silbergrau. Durch den kurzen Schnabel und Schwanz wirkt die Dohle klein und kompakt. Stechend: Die hellblauen bis weißen Augen. Das Federkleid der Jungvögel ist leicht bräunlich.

Die stimmgewaltige Dohle lebt gerne in der Nähe des Menschen. Sie nistet unter anderem in Schornsteinen und Kirchtürmen, ist intelligent, gesellig und dem Rabenpartner ein Leben lang treu. Rund 100.000 Brutpaare leben aktuellen Schätzungen zufolge in Deutschland.

Wo heute Pestizide eingesetzt werden, machte sich der blauäugige Rabenvogel in der Vergangenheit als biologischer Schädlingsbekämpfer nützlich. Trotzdem hatte die Dohle lange Zeit ein schlechtes Image und galt im Mittelalter völlig zu Unrecht als Pechvogel und Unglücksrabe. Durch die Wahl zum Vogel des Jahres 2012 hoffen wir auf einen Imagegewinn für die Dohle. Wir möchten viele neue Freunde für sie gewinnen, um sie gemeinsam besser schützen zu können

Der Vogelname stammt aus dem althochdeutschen Dohlenname "taha" ab. Wahrscheinlich war der alte Name eine lautnachahmende Bildung. So wurde in den verschiedenen Gegenden der hell klingende kurze Lockruf der Dohle zwar etwas verschieden aufgefasst, doch erkennt man in den nachgebildeten Namen die charakteristischen Töne "kjä" und "jack" in annähernd übereinstimmender Weise. Im 16. Jahrhundert wurde in Nürnberg der Vogel mit dem Wort 'Tahe' bezeichnet.

Ruf der Dohle - Stimme hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Fortpflanzung

Ab dem ersten Lebensjahr „verlobt“ sich das Dohlenpaar. Ab dann sind sie sich ihr Leben lang treu, verteidigen ihre Brutnische gegen andere, kraulen sich und füttern sich mit Leckerbissen.

Lebensraum der Dohle

Dohle an ihrem Brutplatz in einem Kirchturm | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Eine Dohle an einem typischen Brutplatz: Kirchturm

Die Dohle war ursprünglich ein reiner Steppenbewohner und ist jetzt in ganz Europa, in Nordafrika und Zentralasien beheimatet. 

In Bayern ist sie nur lückig verbreitet. Die meisten Dohlen findet man in der Rhön, in der Frankenalb und im Alpenvorland, allerdings meiden die Vögel Höhen über 1.000 Meter. Die bayerischen Dohlen sind keine Zugvögel, im Winter gesellen sich jedoch Artgenossen aus Nord- und Osteuropa zu ihnen. Nur die Jungvögel ziehen manchmal bis nach Südfrankreich.

Zwischen 1975 und 1999 gab es kaum Bestandsveränderungen, in den letzten 10 Jahren gibt es aber regionale Abnahmen. Damit steht die Dohle in Bayern jetzt auf der Vorwarnliste in Bayern.  In Teilen Frankens und Ostbayerns ist sie sogar gefährdet. 

Die meisten Dohlen leben in Städten und Dörfern. Dort nisten die Höhlenbrüter gern in Gebäudenischen und Mauerlöchern, Kirchtürmen, Dachstühlen und Schornsteinen. Einige Tiere nutzen auch alte Schwarzspecht-Höhlen in Bäumen oder Nischen in Felswänden und Steinbrüchen.

Gefährdung der Dohle

Dohle mit Jungvogel | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Die Dohle kann sich zwar gut anpassen, ihr Bestand geht aber zurück

Als Kulturfolger hatte sich die Dohle gut eingerichtet: Hohe Gebäude boten ihr Unterschlupf, Weiden, Felder und Wiesen viel Nahrung an Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Doch der Dohlenbestand in Bayern geht zurück. Seit 1999 ist er auf die Hälfte geschrumpft. Der gesellige Rabenvogel kämpft an zwei Fronten:

Nach Gebäudesanierungen und bei Neubauten fehlen die Brutnischen. Auch die Taubenabwehr und Störungen an Kletterfelsen verringern die nutzbaren Brutplätze. Ein wichtiger Grund ist die Intensivierung der Forstwirtschaft, da in Bayern ca. 1/3 der Dohlen in Wäldern vorkommt. Außerdem herrscht Nahrungsmangel in der intensiv genutzten Agrarlandschaft, Abschüsse dezimieren lokal die Bestände. Die Kolonien werden während der Brutzeit außerdem durch Baulärm empfindlich gestört und es verschwindet die Nahrungsgrundlage des Singvogels, weil Grünflächen versiegelt und beim Anbau von Monokulturen wie Mais und Raps Pestizide eingesetzt werden.

Dohlen schützen

Drei Nistkästen für Dohlen aus Holz. Zwei stehen nebeneinander, die andere liegt obendrauf | © Sylvia Weber © Sylvia Weber
Drei Dohlen-Nistkästen

Gut ist, dass ältere Gebäude zunehmend renoviert und lückenlos wärmegedämmt werden. Wenn dabei Nistplätze der Dohle - Mauerlöcher, Nischen und Hohlräume - verloren gehen, müssen sie ersetzt werden. Die Baumaßnahmen selbst müssen außerhalb der Brutzeiten stattfinden. Damit die Nistplätze für die Tiere erreichbar bleiben, müssen Staubnetze und Planen stellenweise offen bleiben.

Manchmal gehen Brutmöglichkeiten zwangsläufig verloren. Dann sind spezielle Nistkästen ein geeigneter Ersatz. Im Aktionsleitfaden bieten wir Ihnen eine einfache Bauanleitung für einen Dohlenkasten.

Zurück

Newsletter