Bekassine

Gallinago gallinago

Ruf der Bekassine beim Auffliegen - Hier abspielen! (www.vogelstimmen.de)

Bekassine steht auf einem alten Gatter, davor ein Stacheldrahtzaun | © Rüdiger Becker © Rüdiger Becker
Bekassine (Gallinago gallinago)

Während des Balzfluges bringt die Bekassine durch Vibrieren der Schwanzfedern eigentümlich meckernde, klingende, zitternde und knurrende Laute hervor, dass ein Vergleich mit dem Meckern der Ziegen und Schafe und dem Wiehern von Pferden wohl angebracht schien. Aus diesem Grund erklären sich die Benennungen wie beispielsweise deutsche Himmelsziege, Himmelsgeiß, Haberziege ("Haber" = Hafer), Haberbock, Haberlämmchen.

Kennzeichen
Die Bekassine hat einen kugeligen Bauch und ein beige-braunes Federkleid. Sie bewegt sich meist geduckt, wobei ihr der untersetzte Körper und die kurzen Beine zugute kommen. Nur ein geübter Beobachter erkennt die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen.

Von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende misst sie zwischen 23 und 28 Zentimeter und ist damit in etwa so groß wie eine Amsel oder Taube. Mit sieben Zentimetern ist der Schnabel überproportional lang und gerade und damit ihr auffälligstes Kennzeichen. Die hellen Streifen an Kopf und Oberseite unterscheiden sie von anderen ähnlichen Vögeln wie Schnepfen.
Die Stimme der Bekasssine variiert: "Kä-ätsch", "tick-a tick-a". Im Balzflug ist ein Wummern zu hören.

 

Bedrohung
Vom Aussterben bedroht! Rote Liste 1 in Bayern.
Bestandsabnahme vor allem durch intensive landwirtschaftliche Nutzung von feuchten Wiesen, z.B. durch Maisanbau, Torfabbau für Gärten und Jagd in Südeuropa.

Verbreitung in Bayern

Bayernkarte mit der Verbreitung der Bekassine
Brutvogelatlas mit der Verbreitung der Bekassine in Bayern

Die Bekassine ist in Bayern nur regional verbreitet und sehr selten. Der Bestand liegt bei 600 bis max. 900 Brutpaaren.
Seit den 1990er Jahren ist das Areal geschrumpft. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen in Mittelfranken (Wiesmet) und Unterfranken (Lange Rhön) und im voralpinen Hügel- und Moorland (Ampermoos, Murnauer Moos). Daneben gibt es wenige isolierte Einzel- oder Kleinstvorkommen. Vor allem die fränkischen und niederbayerischen Vorkommen haben sich auch in den Verbreitungsschwerpunkten verringert. Die größten Bestände leben noch in der Langen Rhön und im Wiesmetgebiet (Altmühl) erreicht. Nur in Gebieten mit aktiven Managementmaßnahmen hat eine positive Entwicklung stattgefunden.

Lebensraum der Bekassine

Eglinger Filz nach der Wiedervernässung | © Thomas Dürst © Thomas Dürst
Die Bekassine braucht vor allem feuchte Moore für ihren Lebensraum

Die Bekassine wird gerne auch "Moorvogel" genannt.  Am häufigsten ist sie noch in Mittel- und Unterfranken und im voralpinen Hügel- und Moorland anzutreffen. Bekassinen brüten in feuchtem Grünland mit unterschiedlich hoher Vegetation aus bspw. Gräsern, Seggen und Binsen, auf extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen und Nassbrachen. Zwischen der Vegetation kann sie in Deckung gehen, doch gibt es zugleich genug offene, schlammige Bereiche und Flachwasserstellen, wo sie leichter Nahrung findet. Flächen, auf denen es heute noch Bekassinen gibt, werden meist extensiv genutzt und die Mahd ist zeitlich angepasst. So finden die Vögel Deckung und Insektennahrung während der Jungenaufzucht. Außerhalb von Schutzgebieten und renaturierten Flächen finden sich diese Bedingungen kaum noch.

Das Verbreitungsgebiet der Bekassine erstreckt sich von Island, den Faröer-Inseln, den Britischen Inseln sowie den Azoren auf das eurasische Festland nach Süden bis Südfrankreich, Norditalien und das südöstliche Europa. Ostwärts reicht es weit über Europa hinaus bis Kamtschatka, zu den Bering-Inseln und den Kurilen. Nordwärts brüten Bekassinen bis ans Nordkap.
Für Gesamt-Europa schwanken aktuelle Schätzungen zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren. Zwei Drittel des mitteleuropäischen Bestandes von etwa 24.000 bis 45.000 Paaren leben in Polen.

Die meisten Bekassinen sind Kurzstreckenzieher, einige fliegen aber auch lange Strecken. Ihre Überwinterungsgebiete sind weit gestreut über Nordwest-, West- und Süd-Europa, rund um das Mittelmeergebiet, Vorder- und Süd-Asien, die nördlichen Tropen West-Afrikas bis südlich des Äquators. Einzelne überfliegen sogar die wasserlose Sahara und rasten in entlegensten südlichen Oasen.

Weiteste Ringfunde stammen aus dem Senegal, dem Tschad und aus Guinea-Bissau und beweisen Distanzen von über 2.000 Kilometern zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten. Einige der hierzulande brütenden Vögel verzichten in milden Jahren in Deutschland auf den Wegzug. Die meisten der heimischen Brutvögel verbringen den Winter jedoch in Südfrankreich, Spanien und Portugal. Manche lieben kühlere Gefilde und ziehen zu den Britischen Inseln. Der Wegzug setzt im nördlichen Verbreitungsgebiet im Juli ein und zieht sich je nach Witterungsverhältnissen bis November oder sogar Januar hin. Mitte März fliegen die meisten Bekassinen wieder zurück zu uns in ihre Brutgebiete.

Die Bekassine ist in Mooren und Feuchtwiesen Zuhause. Auf der Suche nach einem Brutrevier hält die sie Ausschau nach feuchtem Grünland mit Gräsern, Seggen und Binsen. Extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen und Marsche, Moore, Nassbrachen erscheinen ihr geeignet. Verbreitungsschwerpunkte in Bayern sind daher das Naturschutzgebiet Lange Rhön, das Ampermoos, Donauried bei Gundelfingen, das Wiesmet (Altmühltal), das Murnauer Moos, die Loisach-Kochelsee-Moore und die Regentalaue.

Fortpflanzung

Gelege einer Bekassine, bestehend aus drei grünlichen Eiern, die dunkel gesprenkelt sind. Sie liegen auf einer Wiese mit Stroh | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Gelege einer Bekassinen-Brut

Wenn die Bekassinen in ihre Brutgebiete zurückkehren, beginnt ein akrobatischer Revierkampf. Ihr Kunstflug ist das wichtigste Element bei der Balz und daher besonders gut von Februar bis Mai zu beobachten. Bis auf meist 50 Meter Höhe steigen die Männchen beim „Himmeln“ in scharfem Zickzack steil auf, um dann jäh zur Seite abzukippen. Nun spreizen sie die Schwanzfedern zum Fächer und stürzen „wummernd“ im Winkel von etwa 50 Grad schräg nach unten. Solche Steilflüge können Bekassinen viele Minuten lang wiederholen.

Paare finden sich für die Dauer einer Saison, wobei die Männchen vor allem zu Beginn der Balz auch fremde Weibchen begatten. Den Nistplatz sucht das Weibchen aus. Es wählt dafür eine flache Mulde auf einem leicht erhöhten Standort, die durch Halme oder Zwergsträucher verdeckt ist, und polstert sie mit trockenen Grashalmen aus. Ab Ende April legt es im Abstand von je 24 Stunden meist vier graue bis olivfarbene, dunkel gesprenkelte Eier und brütet sie zirka 20 Tage lang aus. Das Männchen hält derweil in Sichtweite Wache.

Nach dem Schlüpfen verlassen die Küken bereits am ersten Tag das Nest. Sie suchen schon selbst Nahrung, die Eltern führen sie jedoch noch. Neben Würmern, Schnecken und Insekten fressen sie auch Beeren und Sämereien.
Etwa drei Wochen nach dem Schlüpfen werden Bekassinen flügge.

Besonderheiten der Bekassine

Zwei Bekassinen im Wasser |  © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Der besonders lange Schnabel der Bekassine ist beim Futter suchen praktisch

Kükentransport
Bei Gefahr können die Elterntiere ihre Küken innerhalb von Sekunden mit dem Schnabel und den Beinen an ihren Bauch drücken und so sogar davonfliegen. Fast alle Säugetiere beherrschen Techniken, wie sie ihre Jungen in Sicherheit bringen.
Bei Vögeln ist dies jedoch nur von etwa 25 Arten bekannt.

Der Schnabel
Bekassinen können mit ihrem Schnabel in den oberen Bodenschichten zugleich stochern, Kleintiere orten und tasten. Der Oberschnabel ist vorne biegsam, so dass sich der geschlossene Schnabel leicht in den weichen Sumpfboden bohren lässt. Kleine Beutetiere können die Vögel verschlucken, ohne ihn wieder aus der Erde ziehen zu müssen. Bei festeren Böden müssen sie den Schnabel schon beim Einstechen leicht öffnen, um wie mit einer Pinzette greifen zu können.

Das "Wummern"
Während ihres Balzfluges können Bekassinen-Männchen lautstark „wummern“ (auch "Meckern") hören. Dieser Instrumentallaut entsteht durch die Luft, die beim Sturzflug an den abgespreizten äußeren Schwanzfedern entlangstreift.

Bedrohung - Hauptfaktor Lebensraum

Maisfeld als Monokultur | © Thomas Dürst © Thomas Dürst
Mais wird häufiger in Monokulturen angebaut und zerstört wichtige Lebensräume

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Bekassine in Deutschland stark bejagt. Ihr dramatischer Rückgang der letzten Jahrzehnte hat hierzulande jedoch andere Gründe. Menschliche Eingriffe in die Brutgebiete gefährden die störungsempfindliche Art sehr. Besonders, dass wir immer mehr Moore und Feuchtgrünland verlieren, bringt die Bekassine in Bedrängnis. Auch Verlandungszonen, Sümpfe und Überschwemmungsflächen werden bis heute bewusst zerstört, um Flüsse zu begradigen, Kies abzubauen oder Speicherseen anzustauen. Gebiete, die zuvor brach lagen oder extensiv genutzt wurden, bebaut man heute vielerorts oder bewirtschaftet sie intensiv.

Das Moor: Bald schon "tot"?

Besonders schlimm steht es um den Lebensraum Moor: Fachleute schätzen den Anteil entwässerter und "toter" Moore in Deutschland auf 95 Prozent der noch vor wenigen Jahrhunderten bestehenden Flächen. Die Lebensgemeinschaften im Moor sind sensibel. Ändert sich der hydrologische Zustand, also die Art der Wasserversorgung, kann das Ökosystem innerhalb weniger Jahre zusammenbrechen. Gleiches gilt für das Feuchtgrünland. Dort wird der Wasserstand vielerorts künstlich gesenkt, um es besser nutzen zu können. Feuchtgrünland war daher früher deutlich weiter verbreitet - und damit auch der Brutbestand der Bekassine. Sie ist schnell weg, sobald es ihr zu trocken wird. Entwässerungen haben auch dramatische Auswirkungen auf den Klimawandel. Das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) gelangt in die Atmosphäre. NABU und LBV fordern daher den strengen Schutz unserer letzten intakten Moore und die Regeneration geschädigter Moorlandschaften.

Die falsche Rechnung Biogas und schädliche Agrarpolitik

Biogasanlage vor einem Fichtenwald, davor grüne Wiese | © Birgit Helbig © Birgit Helbig
Biogasanlage

Auf intensiv genutztem Grünland ist die Bekassine längst verschwunden, und wir versperren ihr zunehmend die Wege, zurückzukehren. Denn Grünland wird zurzeit massenhaft umgebrochen, um Pflanzen wie Mais für Biogasanlagen anzubauen. Auch Feuchtgrünland ist davon betroffen, sofern es noch nicht in der Hand des Naturschutzes ist. Selbst die öffentliche Hand, die eigentlich eine besondere Verantwortung trägt, tauscht Wiesen in Talauen mit Landwirten und ermöglicht es dadurch, dass auch diese Flächen in Äcker umgewandelt werden.

Die Verursacher begründen dies oft mit dem Klimaschutz; doch ihre Rechnung geht nicht auf. Denn dabei wird letztlich mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus dem Boden freigesetzt, als man durch den Verzicht auf fossile Energieträger einsparen kann. Die Natur und unser Klima schützen wir viel besser, indem wir Wiesen und Weiden erhalten und wiedervernässen. Das Kohlendioxid bleibt im Boden, und gleichzeitig bewahren wir unsere Feuchtlebensräume davor, dass die Klimaerwärmung sie nicht zu arg trifft. Denn sie drohen besonders in Zeiten des Temperaturanstiegs auszutrocknen

Unser Grünland leidet auch unter der Nachbarschaft zu entwässerten, stickstoffbelasteten Böden. Sie gehören zu den gefährlichen Folgen der "modernen" Agrarpolitik, wo - wie beim Thema Biogas - noch immer falsch gerechnet wird. Denn es bringt zwar kurzfristig höhere Erträge, große Mengen Düngemittel und Pestizide auszubringen. Die Folgen jedoch tragen langfristig wir alle. Denn die Giftstoffe gelangen auch in den Nährstoff- und Nahrungskreislauf und verursachen immense Schäden für Mensch und Tier. Ganze Ökosysteme kippen um, und nützliche Insekten verschwinden. Vögel wie die Bekassine finden immer weniger Nahrung.

Weitere Bedrohung: Bekassine auf der Abschussliste

Bekassine mit einem Fadenkreuz. Soll symbolisieren, dass sie stark gefährdet ist | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Bekassine wird in ihren Überwinterungsgebieten erschossen

Die Bekassine wird jedes Jahr zu hunderttausenden in ihren Überwinterungsgebieten abgeschossen. Wenn sich dies nicht umgehend ändert, werden alle Anstrengungen zum Schutz der Bekassine in den bayerischen Brutgebieten dauerhaft erfolglos bleiben. Der Vogel des Jahres gehört genauso wie in Deutschland auch in der gesamten EU ganzjährig unter Schutz gestellt.

Die Jagd auf die in Deutschland geschützte und vom Aussterben bedrohte Bekassine erfolgt in anderen EU-Ländern ohne wirtschaftlichen Hintergrund und ist ausschließlich traditionell motiviert. Dabei ist der Aderlass am gesamteuropäischen Bestand der Art so hoch, dass alle Anstrengungen zum Schutz der Bekassine in den Brutgebieten erfolglos bleiben werden, wenn nicht umgehend entgegengesteuert wird. So wie die Bekassine in Deutschland ganzjährig von der Jagd verschont ist, gehört sie dringend auch in der gesamten EU ganzjährig unter Schutz gestellt.

Die Verluste durch die offizielle Jagd auf Bekassinen sind enorm: allein innerhalb der EU werden jährlich über ein halbe Million Bekassinen erlegt. Bei einem geschätzten Bestand von europaweit 930.000 - 1.900.000 Brutpaaren bedeutet das jährliche Verluste von einem Viertel des gesamten Brutbestandes. Zum Vergleich: in Deutschland wird der Bestand auf max. 6.700 Brutpaare geschätzt, das entspricht knapp drei Prozent der jährlich in Europa zur Strecke gebrachten Bekassinen.

Sie darf in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal, den Hauptüberwinterungs- und Durchzugsgebieten der heimischen Brutvögel, im Herbst offiziell bejagt werden. Aber auch die nord- und osteuropäischen Population sind betroffen, denn auch in Norwegen, Dänemark, einigen Ländern des Baltikums sowie in den Überwinterungsgebieten am Mittelmeer wie Italien, Griechenland, Malta und vielen Balkanländern steht die Bekassine auf der Liste der jagdbaren Arten.

Ganzjähriger und europaweiter Schutz sollte auch für andere Schnepfenarten gelten, die ebenfalls noch bejagt werden. So darf die etwas häufigere Waldschnepfe auch in Deutschland geschossen werden, mit Jagdstecken von ca. 20.000 Individuen im Jahr. Diese, auf rein jagdlichen Interessen beruhende Praxis, ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch hinsichtlich der Bestandsentwicklung der Waldschnepfe kritisch zu sehen. Zudem kann es leicht zu Verwechslungen mit der sehr ähnlichen Bekassine kommen, sodass diese hochbedrohten Art auch in Deutschland nicht sicher vor dem Abschuss geschützt ist.

Hilfe für die Bekassine - Viele können etwas tun!

Schild weist auf Wiesenbrütergebiet hin und dass man für ihren Schutz einiges beachten sollte | © Thomas Dürst © Thomas Dürst
Aufklärung ist der erste Schritt, denn viele wissen gar nicht, was Wiesenbrüter sind

In der "normalen" Landschaft ist es heutzutage schwer geworden, Arten wie die Bekassine effektiv zu schützen. Viele ihrer Lebensräume gehen verloren. Naturschutzbehörden müssen das Ruder herumreißen und schnell einen Schwerpunkt auf die Unterschutzstellung und Renaturierung von Feuchtwiesen und Mooren legen. Ornithologen und Vogelschützer, die die Brut- und Rastgebiete der Bekassine kennen, sollten einen wirksamen Schutzstatus der Flächen fordern. Befinden sich diese in Privatbesitz, sind positive Veränderungen jedoch nur selten herbeizuführen. Denn der Wasserhaushalt zum Beispiel kann nur dort effektiv reguliert werden, wo größere zusammenhängende Bereiche für den Naturschutz erworben wurden.

Management für den Vogelschutz

Gleichzeitig ist ein sinnvolles Management von Schutzgebieten unerlässlich. Im besten Fall sollten sie nicht nur extensiv bewirtschaftet, sondern gleich umfassend renaturiert und wiedervernässt werden. Viele Bekassinen- Lebensräume sind als Vogelschutzgebiete Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Ein sogenannter Managementplan hilft dort, die Pflege zu koordinieren. Doch auch in diesen Gebieten gibt es private Grundstücke, auf denen konsequenter Naturschutz selten ist. Oft liegen dort ebenfalls Feuchtwiesen brach und verfilzen. Dass eine Fläche als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen wird, ist also nur ein erster Schritt. Sinnvolle Maßnahmen müssen folgen. Wichtig ist es auch, Störungen zu minimieren, zum Beispiel durch Spaziergänger mit freilaufenden Hunden. Kompetente Gebietsbetreuer übernehmen hier wichtige Aufgaben und schaffen Verständnis dafür, dass hoheitliche Regelungen einzuhalten sind.

Schutz durch Agrarumweltprogramme

Doch der Schutz der Bekassine darf sich nicht nur auf Ankaufsflächen und Schutzgebiete beschränken. Auch wenn sich vielerorts Bekassinen nur noch in solchen Gebieten halten können, müssen trotzdem auf anderen, potenziell geeigneten Flächen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Bekassinen dort ebenfalls erfolgreich brüten können. Viele Bundesländer setzen daher beim Schutz der Wiesenbrüter auf vertragliche Vereinbarungen mit dem Flächenbewirtschafter. In diesen Verträgen werden zum Beispiel der erste Mahdzeitpunkt, ein Verzicht auf Düngung, die Steuerung der Bodenfeuchtigkeit oder die Mähmethode geregelt. Finanziert werden die Maßnahmen aus sogenannten Agrarumweltprogrammen. Um erfolgreich zu sein, müssen diese flexibel, regional angepasst und finanziell attraktiv ausgestattet sein.

Forstwirtschaft

Der Schutz der Bekassine in ihren Bruthabitaten und ihr Schutz in den Rast- und Überwinterungsgebieten müssen Hand in Hand gehen und Rastplätze während des Zugweges sicherer werden. Mit der Jagd auf Bekassinen muss endlich Schluss sein. Die Art gehört in der gesamten Europäischen Union dringend ganzjährig unter Schutz gestellt. Damit die Bekassine überleben kann, benötigt sie eine politische Lobby, die sie gegenüber der industrialisierten Landwirtschaft und ihrer politischen Unterstützung in Berlin und Brüssel vertritt. In unseren Städten und Gemeinden, aber auch auf europäischer Ebene können wir uns dafür stark machen, ehemalige Feuchtwiesen wiederzuvernässen, Flachteiche anzulegen und Bruträume zu vernetzen.

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