Bewusst konsumieren

Warum Verbraucher beim Einkauf umdenken lernen müssen

Vielen Verbrauchern scheint der Zusammenhang kaum bewusst zu sein, dass sich unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten massiv auf die Biodiversität, also die Vielfalt von Arten und Lebensräumen, insbesondere in unserer Kulturlandschaft auswirken. Vielmehr lässt sich zunehmend eine Entfremdung des Konsumenten vom eigentlichen Lebensmittel und dessen Produktion feststellen.

Ausgeräumte, monotone Ackerlandschaft, man sieht viele verschiedene Felder | © Andreas Hartl © Andreas Hartl
Statt Weideidyll in vielfältiger Landschaft: Maismonotonie als Mastfutter für Intensivhaltung

Massentierhaltung und Monokulturen dominieren in unserer Agrarlandschaft

Acker mit zwei einzelnen Bäumen im Hintergrund | © Rosl Rößner © Rosl Rößner

Geiz ist geil“ oder „Auf Dauer günstig“, in kaum einem anderen Land Europas spielt die Ernährung eine geringere Rolle als in Deutschland, zumindest was den Preis angeht. Nur rund zehn Prozent des monatlichen Einkommens werden hierzulande für die Ernährung ausgegeben, in Italien sind es knapp 14 Prozent, in Griechenland sogar rund 19 Prozent.

Die Landwirtschaft gerät durch das enorme Preisdiktat der großen Discounter massiv unter Druck. Nach dem Motto „Wachsen oder Weichen“ dominieren heute Massentierhaltung und Monokulturen. Dem einzelnen Landwirt bleibt dabei dennoch kaum eine Chance, seinen Betrieb wirtschaftlich am Leben zu erhalten.

Die ökologischen Folgen dieser industriellen Landwirtschaft sind eklatant. So haben beispielsweise die Wasserwerke zunehmend mit Rückständen, insbesondere Nitraten, aus der Landwirtschaft zu kämpfen. Die Böden werden durch intensivsten Ackerbau dauerhaft ausgelaugt und finden sich durch ungehinderten Bodenabtrag als Schlamm in den Gewässern wieder. Auch die Biodiversität wurde hierbei in den letzten Jahrzehnten massiv beeinträchtigt.

Strukturen wie Hecken, Raine oder Brachflächen, die viele Tier- und Pflanzenarten beherbergen, sind in unserer Agrarlandschaft kaum noch zu finden. Ebenso sind mit der Intensivierung der Landnutzung viele Biotoptypen nahezu verschwunden.

Verlust an Lebensräumen und Artenvielfalt

Kiebitz steht im flachen Wasser | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Feldvögel wie der Kiebitz haben es immer schwerer

Ehemals artenreiche Blühwiesen wandelten sich fast gänzlich zu intensiv mit Gülle gedüngten „Grasäckern“. Finden sich auf einer Blühwiese über 20 Pflanzenarten pro Quadratmeter so sind es in der Intensivwiese nur einige wenige Grasarten. Das hat natürlich eklatante Auswirkungen beispielsweise auf die Insekten- oder Vogelvielfalt.

Besonders bei einst sehr häufigen Arten wie der Feldlerche oder dem Kiebitz verzeichnen die Fachleute starke Einbrüche. Insektenforscher stellen nicht nur den Rückgang einzelner Arten fest, sondern auch eine deutliche quantitative Verringerung.

In manchen Regionen wurde ein Rückgang von bis zu 80 Prozent der reinen Biomasse an Insekten festgestellt. Das hat schwerwiegende Folgen, stellen Insekten doch ein wichtiges Glied der Nahrungskette dar.

Alternative Ansätze

Rotvieh mit drei Kälbern auf einer Wiese, alle haben Ohrmarken | © Ralf Hotzy © Ralf Hotzy
Das Rotvieh-Projekt sichert Landwirten ein faires Einkommen und dient der Biodiversität

Eine Reihe von Regionalprojekten, wie zum Beispiel die Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg oder Vermarktungsinitiativen wie Juradistl oder Altmühltaler Lamm zeigen Wege auf, wie sich Konsum und Erhalt der Biodiversität in Einklang bringen lassen. Leider bleibt es aber meist bei den regional oder lokal ausgelegten Initiativen. Hier wäre ein breiterer Ansatz nötig.

Befragt man die Verbraucher, ob sie das wollen, so sprechen nahezu alle Umfragen die gleiche Sprache. Viele Menschen wollen eine nachhaltige, verträgliche Landwirtschaft, die gesunde Lebensmittel produziert. Dafür wären viele auch bereit, mehr Geld auszugeben. Warum klappt es dann nicht im großen Stile?

Dieser Widerspruch erklärt sich weniger aus dem Verlangen vieler Verbraucher nach Sonderangeboten als aus einem Mangel an entsprechenden Produktinformationen. Als beispielsweise die Eierkennzeichnung eingeführt wurde, konnte jeder Verbraucher selbst entscheiden, welche Form der Hühnerhaltung er präferiert. Die Folge: Der Anteil der Freilandund Biohaltung hat massiv zugenommen.

Doch bei anderen Lebensmitteln fehlt solch eine Kennzeichnung. Ob Rindfleisch aus der Intensivmast stammt oder es sich um Weidefleisch handelt, ist nicht erkennbar. Dem Verbraucher wird hier kaum eine Wahl gelassen. Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist es noch schwieriger nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen die Grundstoffe dafür produziert wurden

Ralf Hotzy

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Ralf Hotzy

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Einfache Tipps, wie jeder Verbraucher eine ökologisch sinnvolle Produktion von Lebensmitteln fördern kann:

  • Regional einkaufen
  • Saisonal einkaufen
  • Produkte aus ökologischer Landwirtschaft bevorzugen
  • Regionalinitiativen unterstützen
  • Möglichst unverarbeitete Lebensmittel einkaufen
  • Fleischkonsum überdenken
  • Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel bevorzugen
  • Nur so viel einkaufen, wie man tatsächlich verbraucht

Wir müssen also unser Essen wieder schätzen lernen!

Kochshows im Fernsehen und neue Kochbücher boomen zwar, doch wird in den meisten Haushalten kaum noch frisch gekocht. Dadurch geht nicht nur eine alte Kulturtradition verloren, sondern auch das Wissen um die Qualität und den Einsatz unverarbeiteter Lebensmittel. Hier muss schon bei unseren Kleinsten angesetzt werden. Wir alle haben es daher in der Hand, ob wir irgendwann nur noch monotone, artenarme Agrarindustrielandschaften haben. Die Verantwortung dafür nur den Landwirten zuzuschreiben, ist viel zu kurz gesprungen.

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